Austrian Cloud Atlas: Österreichs Rechenzentren auf einer Karte
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Wer wissen will, wo in Österreich seine Daten liegen könnten, hat jetzt eine Landkarte dafür: Der Fachverband UBIT der Wirtschaftskammer und der Verband Österreichischer Software Innovationen (VÖSI) haben soeben den Austrian Cloud Atlas gestartet. Die interaktive Karte soll erstmals einen strukturierten Überblick über Rechenzentren und Anbieter digitaler Infrastruktur im Land geben. „Unternehmen müssen wissen, wo ihre Daten liegen, von welchen Technologien sie abhängig sind“, sagt UBIT-Obmann Wilfried Drexler laut Presseaussendung.
35 Rechenzentren zum Start
Zum Start listet der Atlas 35 Rechenzentren, die meisten davon in Wien und rund um Linz, weitere etwa in Graz, Klagenfurt, Villach und Innsbruck. Darunter sind Standorte von A1, ACP, Anexia, CANCOM, Raiffeisen Rechenzentrum, Linz AG und eww ITandTEL ebenso wie Colocation-Anbieter wie Digital Realty und NTT in Wien. Die Daten beruhen auf freiwilligen Einreichungen und sollen laufend erweitert werden, Betreiber können ihre Standorte selbst eintragen lassen.
Nutzer:innen können die Einträge filtern und direkt miteinander vergleichen:
- Typ: etwa Colocation, Edge, Hyperscale, Sovereign Cloud oder HPC und Forschung
- KI-Tauglichkeit: von „nicht geeignet“ bis „Hochleistungs-GPU-Betrieb“
- Ausfallsicherheit: Tier-Level von I bis IV
- Leistung: von unter 100 Kilowatt bis über 10 Megawatt
- Anbindung: Anzahl der Carrier bis hin zu voller Carrier-Neutralität
Digitale Souveränität als Standortfrage
Hintergrund ist die Debatte über Europas Abhängigkeit von Cloud-Anbietern außerhalb der EU, die durch geopolitische Spannungen, Cyberrisiken und den KI-Ausbau neuen Schwung bekommen hat. „Digitale Souveränität bedeutet, selbst entscheiden zu können, welche Technologien wir einsetzen“, sagt VÖSI-Vizepräsident Peter Lieber. Dafür müssten Infrastruktur, Software und KI gemeinsam betrachtet werden. Der Atlas ergänzt die Österreichische KI-Landkarte und das DigSOV-Modell des VÖSI. Das Thema stand zuletzt auch beim ICT Austria Branchenforum im Mittelpunkt.
Souverän im engeren Sinn sind dabei nicht alle Einträge. Neben österreichischen Betreibern finden sich auf der Karte auch Standorte internationaler Konzerne wie des US-Colocation-Riesen Digital Realty, des japanischen NTT-Konzerns oder ein Eintrag mit dem Zusatz „by AWS“. Wer gezielt nach Anbietern unter europäischer Kontrolle sucht, muss also weiterhin genauer hinsehen.
Kritik: Österreich fehlt eine Strategie
Dass eine Karte allein nicht reicht, macht ausgerechnet die Branche selbst deutlich. „Was fehlt, ist ein abgestimmtes nationales Zielbild“, sagt Martin Madlo, Präsident der Austrian Datacenter Association. Während zahlreiche europäische Länder bereits nationale Rechenzentrumsstrategien vorgelegt hätten, entstünden in Österreich zunehmend länderspezifische Einzelregelungen. Wie schwer sich Österreich mit großer KI-Infrastruktur tut, zeigte sich zuletzt, als Wien auf eine Bewerbung für eine AI Gigafactory der EU verzichtete.

