Bei Anthropic schrumpfen die Junior-Jobs
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Die KI-Firma macht an sich selbst vor, was sie anderen verkauft: Bei Anthropic, dem Entwickler des KI-Modells Claude, arbeiten KI-Agenten inzwischen ein Vielfaches der Stunden ihrer menschlichen Kolleg:innen, und Berufseinsteiger:innen werden kaum noch eingestellt. Das zeigt ein Bericht mit dem Titel „How employment is changing at Anthropic“, den das Unternehmen soeben veröffentlicht hat. Ausgewertet wurden interne Daten zu Personal, KI-Nutzung, Output, Kalendern und Einstellungen sowie Interviews mit 17 Mitarbeiter:innen.
Junior-Anteil fällt von 27 auf 9 Prozent
Am deutlichsten ist der Wandel bei den Einstellungen. Der Anteil von Junior-Kräften an den neu eingestellten Techniker:innen fiel von 27 auf 9 Prozent. Unter allen Beschäftigten in den technischen Abteilungen sank ihr Anteil seit Anfang 2025 von 21 auf 14 Prozent. Stellenausschreibungen für Einsteiger:innen gingen ab Dezember 2025 deutlich zurück. Im April gab rund ein Drittel der Führungskräfte im Bereich maschinelles Lernen an, wegen KI weniger Leute einzustellen, bei der Softwareentwicklung war es ein Fünftel.
Ganz eingebrochen ist das Wachstum aber nicht. Die technischen Abteilungen stellten in absoluten Zahlen weiter ein, nur wuchsen Vertrieb, Finanzen und Recruiting schneller. Der Anteil der Technik an der Belegschaft sank dadurch von 61 auf 56 Prozent.
Agenten arbeiten sechsmal so viel
Im März 2026 überstiegen die Arbeitsstunden der KI-Agenten erstmals jene der Menschen. Bis August arbeiteten die Agenten, die einzelne Mitarbeiter:innen steuern, sechsmal so viele Stunden wie diese selbst. Entwickler:innen kamen auf fünfmal so viele Code-Commits wie ein halbes Jahr zuvor. Auch außerhalb der Technik wird mehr erledigt: Jurist:innen bearbeiten mehr Verträge, die Buchhaltung mehr Rechnungen, der Vertrieb schließt mehr Deals ab.
Der Engpass ist inzwischen der Mensch. Rund 80 Prozent der Zeit warten interaktive Claude-Sitzungen auf eine Eingabe der Nutzer:innen. Wer nicht in der Technik arbeitet, müsste mehr als die Hälfte einer Arbeitswoche aufwenden, um alles zu lesen, was die eigenen Agenten produzieren. Gleichzeitig verbringen die Beschäftigten 20 Prozent mehr Zeit in Meetings als ein Jahr zuvor. „Die Mitarbeiter:innen sehen ihre Arbeit zunehmend darin, Teams von Claudes zu managen“, schreiben die Forscher:innen.
Ökonom Peter McCrory, einer der Autor:innen, sieht Anthropic bei der KI-Nutzung rund eineinhalb Jahre vor dem Rest der Wirtschaft. Die Erfahrungen könnten deshalb ein Frühindikator sein, schreibt er auf X. Finanziell läuft es für Anthropic zuletzt ohnehin gut: Im dritten Quartal machte das Unternehmen 16,8 Milliarden Dollar Umsatz (rund 15 Milliarden Euro).
Die Gegenseite
Anthropic selbst schränkt ein, der Bericht sei lediglich eine Fallstudie über ein einzelnes Unternehmen. Die Zahlen beruhen zudem auf Anthropics eigenen Definitionen von Agenten-Stunden und Produktivität. Wie repräsentativ ein KI-Labor, das seine eigenen Agenten besonders intensiv nutzt, für andere Firmen ist, lässt der Bericht offen.
Auch die Forschung zeichnet ein gemischtes Bild. Zwar fanden Ökonom:innen der Stanford University um Erik Brynjolfsson, dass Firmen in KI-exponierten Berufen wie Softwareentwicklung oder Kundenservice deutlich weniger junge Menschen einstellen. Eine dänische Studie fand dagegen keinen Unterschied bei Einstiegsjobs zwischen Firmen, die KI nutzen, und solchen, die es nicht tun. Bharat Chandar vom Stanford Digital Economy Lab kam deshalb bereits im vergangenen Herbst zu dem Schluss, dass die Auswirkungen von KI auf die Gesamtbeschäftigung derzeit „wahrscheinlich gering“ seien.

