Taiwan will Chip-Schmuggel nach China unter Strafe stellen
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Wer KI-Chips heimlich nach China schafft, soll in Taiwan künftig vor dem Strafrichter landen: Die Regierung in Taipeh will den Export von KI-Servern und modernen Halbleitern an chinesische Abnehmer deutlich strenger kontrollieren. Wirtschaftsminister Kung Ming-hsin bestätigte die Pläne soeben in einem Interview mit Bloomberg. Nicht genehmigte Lieferungen sollen dann nach dem Außenhandelsgesetz strafrechtlich verfolgt werden. Bisher galten sie lediglich als Verwaltungsverstoß.
Von der schwarzen Liste zum Pauschalverbot
Bisher setzt Taiwan auf eine schwarze Liste. Seit Mitte 2025 stehen Huawei und der Chipfertiger SMIC auf der Liste der strategischen Hightech-Güter, taiwanische Firmen brauchen für Lieferungen an sie eine Genehmigung. Andere chinesische Käufer konnten dagegen meist beliefert werden, solange die Chips nicht unter die US-Exportregeln von 2022 fielen. Künftig sollen KI-Server und Spitzenchips generell auf die Liste der kontrollierten Waren kommen, und zwar für alle Abnehmer in China, berichtet Startup Fortune unter Berufung auf Bloomberg. Der Abgeordnete Chung Chia-pin von der Regierungspartei DPP hat bereits einen entsprechenden Zusatz zum Außenhandelsgesetz entworfen. Welche Strafen drohen und ab wann die Regeln gelten, ist noch offen.
Der Deal mit Washington
Hinter dem Schritt steckt auch die Nähe zu den USA. Im Jänner hatten Taiwan und die USA ein Handelsabkommen geschlossen, das die US-Zölle auf die meisten taiwanischen Waren von 20 auf 15 Prozent senkte. Im Gegenzug sagten taiwanische Unternehmen Investitionen von 250 Milliarden Dollar (rund 223 Milliarden Euro) in Halbleiter, Energie und KI in den USA zu, abgesichert durch weitere 250 Milliarden Dollar an Kreditgarantien. Die strengeren Exportregeln passen zur Linie der US-Regierung, Chinas Zugang zu KI-Chips einzudämmen.
Gleichzeitig verdient Taiwan prächtig am KI-Boom. Die Halbleiterexporte erreichten im September mit 87,2 Milliarden Dollar (rund 77,8 Milliarden Euro) einen Rekord, ein Plus von 60,9 Prozent zum Vorjahr. Der größte Profiteur TSMC meldete zuletzt einen Rekordgewinn.
Schmuggel über Südostasien
Das Problem ist real. Nvidia-Chips gelangen laut Bloomberg über Schmugglernetzwerke in Südostasien zu chinesischen Käufer:innen. Im Mai nahm Taiwan erstmals mutmaßliche KI-Chip-Schmuggler fest, im Juli gingen Staatsanwälte gegen Manager von Super Micro vor, allerdings wegen Urkundenfälschung. Ein strafrechtliches Werkzeug speziell für die Umleitung von Chips fehlte dem bisherigen Exportrecht.
Für die US-Chipkonzerne ist China ein großer Markt. Nvidia machte im letzten vollen Geschäftsjahr vor den US-Lizenzauflagen mehr als 13 Prozent seines Umsatzes in China, rund 17 Milliarden Dollar (rund 15,2 Milliarden Euro). Die verschärften Regeln für den H20-Chip kosteten den Konzern rund 4,5 Milliarden Dollar (rund 4 Milliarden Euro) an Abschreibungen. Bei AMD lag der China-Anteil 2024 bei mehr als 24 Prozent.
China zieht ebenfalls die Schrauben an
Der Technologiekonflikt wird von beiden Seiten verschärft. Chinas Handels- und Wissenschaftsministerium haben ihrerseits einen Entwurf vorgelegt, der den Export von 40 Technologien beschränken oder verbieten soll, darunter KI, Chips und Solartechnik, wie AP berichtet. Eine Reaktion aus Peking auf die Pläne Taiwans gibt es bisher nicht. Für die ohnehin nervösen Börsen ist es ein weiteres Signal, nachdem KI- und Chipaktien zuletzt deutlich nachgegeben hatten.

