Inflation zieht an: Warum der Winter teuer wird
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Der Krieg im Iran kommt an der Zapfsäule und im Heizöltank an: In Österreich, der Eurozone und den USA ist die Inflation im September deutlich gestiegen. Statistik Austria hat am heutigen Freitag ihre erste Schätzung bestätigt, wonach die Teuerung hierzulande auf 3,6 Prozent geklettert ist, nach 3,2 Prozent im August. Ohne Treibstoffe und Heizöl wären es nur 2,4 Prozent gewesen. Ähnlich sieht es in der Eurozone und in den USA aus.
Die Zahlen im Überblick
| Region | September | August | Energie |
|---|---|---|---|
| Österreich (VPI) | 3,6 % | 3,2 % | +14,5 % |
| Eurozone (HVPI, Schnellschätzung) | 3,8 % | 3,2 % | +18,8 % |
| USA (CPI) | 3,7 % | 3,4 % | +20,4 % |
In Österreich kosteten Treibstoffe um 34,8 Prozent mehr als vor einem Jahr, Heizöl sogar um 63,1 Prozent. Der Miniwarenkorb, der den wöchentlichen Einkauf samt Tanken abbildet, verteuerte sich um 6 Prozent. Der Mikrowarenkorb für den täglichen Einkauf wurde dagegen sogar billiger, Lebensmittel stiegen nur um 0,4 Prozent. Strom kostete um 9,1 Prozent weniger, weil Abgaben gesenkt wurden.
In der Eurozone liegt die Inflation laut Eurostat auf dem höchsten Stand seit 2023, getrieben von einem Energiepreisplus von 18,8 Prozent, wie Trending Topics Anfang Oktober berichtete. Am höchsten ist die Teuerung in Litauen mit 6,1 Prozent. In den USA stieg der Benzinpreis im Jahresvergleich um 34,2 Prozent, Heizöl um 74,2 Prozent. Am Donnerstag hatten zudem die US-Erzeugerpreise kräftig zugelegt.
Der Grund: Öl wird knapp
Hinter dem Preissprung steckt der Krieg im Iran. Die Ölexporte aus der Golfregion lagen im September laut der Internationalen Energieagentur nur bei gut drei Vierteln des Vorkriegsniveaus, bei raffinierten Produkten wie Diesel und Heizöl sogar unter der Hälfte. Mitte September wurde zudem eine wichtige Pipeline in Saudi-Arabien bombardiert, die Frachtraten für Tanker erreichten Rekordwerte. Die Nordseesorte Brent kostete im September im Schnitt fast 117 Dollar (rund 104 Euro) je Barrel, Diesel erreichte im Großhandel Rekordpreise.
Auch Gas ist teurer geworden. Der Terminkontrakt für Lieferungen im November kostete zuletzt rund 87 Euro je Megawattstunde, etwa doppelt so viel wie im Frühjahr und so viel wie seit rund vier Jahren nicht mehr.
Was das für den Winter bedeutet
Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. Die IEA erwartet, dass Diesel und Heizöl im vierten Quartal knapp bleiben, weil Raffinerien in die Wartung gehen und die Nachfrage im Winter steigt. Die Lager seien erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 wieder aufgefüllt. Die G7-Staaten haben deshalb vereinbart, schneller strategische Reserven freizugeben, vor allem Diesel.
In Österreich ist die Versorgung mit Gas gesichert, die Speicher sind zu rund 69 Prozent gefüllt. „Wir haben unser Speicherziel längst erreicht“, sagt Carola Millgramm, Leiterin der Gasabteilung der Regulierungsbehörde E-Control. Die Preise werden die Haushalte trotzdem spüren, sobald ihre Preisgarantien auslaufen. „Wir werden alle die höheren Preise spüren“, sagt Gasexperte Walter Boltz. Industriebetriebe zahlen die höheren Preise schon jetzt voll.
Die Wirtschaftsforscher:innen von WIFO und IHS haben ihre Prognosen erst kürzlich angehoben. Das WIFO erwartet für heuer eine Inflation von 3,3 Prozent und für 2027 von 2,6 Prozent, das IHS von 3,1 und 2,8 Prozent. Damit bleibt die Teuerung auch nächstes Jahr deutlich über dem Ziel der EZB von 2 Prozent. Die Reallöhne dürften heuer sinken, der private Konsum bleibt schwach.
In den USA rechnet die Energiebehörde EIA damit, dass Haushalte mit Ölheizung diesen Winter rund 21 Prozent mehr ausgeben müssen. Wer mit Gas heizt, dürfte dagegen etwas weniger zahlen als im Vorjahr.
Die Notenbanken
Für die Notenbanken ist das eine schwierige Lage. Die EZB hat die Zinsen im September bereits zum zweiten Mal heuer angehoben, der Einlagensatz liegt bei 2,5 Prozent. Die nächste Sitzung steht Ende Oktober an, an den Märkten gilt ein weiterer Zinsschritt im Dezember als wahrscheinlich. Auch die US-Notenbank Fed hat im September die Zinsen erhöht.
Entwarnung gibt es von EZB-Präsidentin Christine Lagarde in einem Punkt: „Zum jetzigen Zeitpunkt sehen wir keine Belege dafür, dass sich die Energiepreise auf die Löhne übertragen.“ Tatsächlich ist die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel in der Eurozone mit 2,5 Prozent deutlich niedriger, in Österreich sank die Teuerung bei Dienstleistungen zuletzt leicht auf 4,2 Prozent. Und die EIA erwartet, dass der Ölpreis im kommenden Jahr auf durchschnittlich 84 Dollar (rund 75 Euro) je Barrel fällt. Bis dahin müssen Autofahrer:innen und Haushalte mit Ölheizung aber noch einen teuren Winter überstehen.

