Nach Midterm-Schock: Bitcoin springt zurück über 80.000 Dollar
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Erst der Schreck, dann die Erleichterung: Bitcoin ist in der Nacht auf Mittwoch kurzzeitig unter 76.000 Dollar gefallen, als sich der Durchmarsch der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen abzeichnete. Inzwischen notiert die größte Kryptowährung bei rund 80.500 Dollar (etwa 72.350 Euro) und damit wieder über der wichtigen Marke von 80.000 Dollar. Auf 24-Stunden-Sicht steht ein Plus von knapp 4 Prozent, und auch Ethereum und viele Altcoins ziehen kräftig an.
Die Kurse im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl der größten Krypto-Assets nach Marktkapitalisierung (ohne Stablecoins) laut CoinMarketCap, Stand Mittwochnachmittag.
| Krypto-Asset | Preis | 24 Stunden | 7 Tage |
|---|---|---|---|
| Bitcoin (BTC) | 80.523,41 Dollar | +3,90 % | −0,03 % |
| Ethereum (ETH) | 2.435,40 Dollar | +6,18 % | +4,41 % |
| BNB (BNB) | 717,67 Dollar | +2,76 % | −4,15 % |
| XRP (XRP) | 1,32 Dollar | +3,84 % | +0,93 % |
| Solana (SOL) | 96,95 Dollar | +4,01 % | −3,91 % |
| Tron (TRX) | 0,3199 Dollar | −0,64 % | −3,35 % |
| Zcash (ZEC) | 1.318,61 Dollar | +10,30 % | +3,52 % |
| Hyperliquid (HYPE) | 86,10 Dollar | −0,29 % | +7,87 % |
| Dogecoin (DOGE) | 0,0776 Dollar | +3,35 % | −2,04 % |
| Monero (XMR) | 640,82 Dollar | +3,43 % | +6,77 % |
| Chainlink (LINK) | 11,68 Dollar | +5,29 % | +1,16 % |
| UNUS SED LEO (LEO) | 9,31 Dollar | +0,49 % | −1,11 % |
| Cardano (ADA) | 0,1986 Dollar | +4,60 % | −2,07 % |
| Stellar (XLM) | 0,1697 Dollar | +3,49 % | −0,44 % |
Stärkster Gewinner unter den großen Coins ist Zcash mit mehr als 10 Prozent binnen 24 Stunden, gefolgt von Ethereum mit gut 6 Prozent und Chainlink mit gut 5 Prozent. Auf Wochensicht liegen Hyperliquid und Monero vorne. Schwächer zeigt sich BNB, das auf Wochensicht noch mehr als 4 Prozent im Minus steht, eine Nachwirkung des Rekord-Hacks bei Binance.
Warum der Markt nach der Wahl dreht
Dass Bitcoin nach dem anfänglichen Rutsch so schnell zurückkommt, hat weniger mit dem Wahlergebnis selbst zu tun als mit dem Ende der Ungewissheit. „Bitcoin ist zunächst auf den demokratischen Erdrutschsieg bei den Midterms gefallen, hat sich aber wieder erholt, weil ein klares Ergebnis die politische Unsicherheit beseitigt“, sagte Dick Lo, Gründer von TDX Strategies, laut CoinDesk.
Überraschend kam der Sieg der Demokraten ohnehin nicht. Auf der Prognoseplattform Polymarket lag die Wahrscheinlichkeit dafür seit Längerem bei mehr als 75 Prozent, wie Nicolas Quatravaux vom Krypto-Derivatehändler Paradigm betont. „In der Nacht ging es weniger um das Ergebnis als darum, dass die Unsicherheit verschwindet“, sagte er. Am Optionsmarkt wurde trotzdem kräftig gehandelt: Am Wahltag wurden laut Paradigm große Bitcoin-Optionspakete im Wert von rund 660 Millionen Dollar abgeschlossen, mehr als doppelt so viel wie am Vortag. Gekauft wurden vor allem Call-Optionen, also Wetten auf steigende Kurse.
Auch die Aktienmärkte haben ihre Verluste weitgehend wettgemacht. Die Nasdaq-Futures, die in der Nacht mehr als 2 Prozent verloren hatten, lagen am Mittwochmorgen nur noch 0,3 Prozent im Minus.
Was die Demokraten für Krypto bedeuten
Politisch dürfte es für die Krypto-Branche in Washington ab dem kommenden Jahr deutlich ungemütlicher werden. Die Demokraten übernehmen laut Prognosen beide Kammern des Kongresses und damit auch die Ausschüsse, über die künftige Krypto-Gesetze laufen müssen.
- Senat: Gute Chancen auf den Vorsitz im mächtigen Bankenausschuss hat Senatorin Elizabeth Warren, die in der Branche als ihre größte Gegnerin im Kongress gilt. Dazu kehrt mit Sherrod Brown aus Ohio ein weiterer prominenter Krypto-Kritiker in den Senat zurück, obwohl Krypto-Super-PACs rund 63 Millionen Dollar ausgegeben hatten, um seine Rückkehr zu verhindern.
- Repräsentantenhaus: Hier könnte die Mehrheit der Demokraten laut Analyst:innen mehr als 60 Sitze betragen. Den Vorsitz im Finanzausschuss könnte wieder Maxine Waters übernehmen. Krypto-freundliche Republikaner wie Bryan Steil aus Wisconsin, der den Krypto-Unterausschuss leitete, lagen bei der Auszählung zurück.
- Gesetze: Der Clarity Act, das große Gesetz zur Krypto-Marktstruktur, ist heuer bereits gescheitert. Die Demokraten, die damals mitverhandelt hatten, forderten strengere Regeln gegen Geldwäsche, mehr Verbraucherschutz und Grenzen dafür, dass sich Regierungsmitglieder wie Trump selbst an Krypto-Geschäften beteiligen. Diese Forderungen dürften nun noch lauter werden.
Ganz so dramatisch, wie es klingt, sieht der Markt die Lage aber nicht. Ein Kongress unter demokratischer Führung gelte zwar als weniger günstig für krypto-freundliche Gesetze, sagt Dick Lo. Ein geteiltes Washington mache aber auch große, marktfeindliche Kurswechsel unwahrscheinlich. Trump könne weiterhin per Dekret regieren und mit seinem Veto demokratische Gesetze blockieren.
Fear & Greed Index: Angst
Die Stimmung bleibt trotz des Rebounds vorsichtig. Der Crypto Fear & Greed Index von Alternative.me steht am Mittwoch bei 34 Punkten und damit im Bereich „Angst“. Am Dienstag lag er sogar bei 26 Punkten, vor einer Woche noch bei 51 Punkten im neutralen Bereich. Der Index fasst unter anderem Volatilität, Handelsvolumen, Social-Media-Stimmung und die Bitcoin-Dominanz in einem Wert zwischen 0 (extreme Angst) und 100 (extreme Gier) zusammen.

