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Humanoide Roboter: Das Rennen um die Fabrikhalle ist noch offen

invest.austria conference 2026 © Trending Topics
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Humanoide Roboter: Immer mehr Unternehmen produzieren sie, aber wann packen sie selbst in der Industrie mit an? Menschenähnliche Maschinen sollen schon bald Seite an Seite mit Fabrikarbeiter:innen stehen. Wie realistisch dieses Szenario ist, darüber gehen die Meinungen von Expert:innen, Hersteller:innen und Industrievertreter:innen derzeit auseinander.

Bei der invest.austria conference 2026 haben Branchenvertreter:innen am Mittwoch über dieses Thema diskutiert und waren sich in einem Punkt einig: Das Know-how ist vorhanden, das Rennen um die ersten industriellen Anwendungen ist aber noch offen. Erst wenn die Roboter tatsächlich in der Praxis zum Einsatz kommen, können sie sich beweisen und großflächige Unterstützung von Investor:innen gewinnen.

„Großer Friedhof an Pilotprojekten“

An der von EY unterstützten Diskussion „Building the Powerhouse: From Lab to Global Scale in Robotics & Industrial AI“ nahmen vier Expert:innen teil: Nikolaus Keuth, Senior Manager und Chapter Lead Industrial AI bei EY, Majdoline Wahbi, Co-Founderin und COO des französischen Tech-Accelerators Kiosmo, Christopher Polligkeit, Senior Investment Associate bei Plug and Play, sowie Christian Tauber, Co-Founder und CEO des Wiener Robotik-Startups NEOALP. Moderiert wurde die Runde von Philipp Stangl, Venture-Capital-Investor bei Noctua Science Ventures.

Laut Nikolaus Keuth sei die Technologie hinter humanoiden Robotern bereits weit fortgeschritten, trotzdem scheiterten viele Projekte. „Es gibt in diesem Bereich leider einen großen Friedhof an Pilotprojekten. Zumindest kann man aus diesen Vorhaben viele Lehren ziehen. Manchmal ist die Technologie einfach noch nicht bereit und die Erwartungen sind zu hoch. Wir müssen zuerst herausfinden, wie man die Technologie skalieren kann, danach sollten sich Pilotprojekte ausrichten. Von Anfang an braucht man einen echten Business Case, echte Anwendungsfälle, sonst verfolgt man nur eine Fantasie“, so Keuth.

Keuth zufolge sollten einzelne Roboter verschiedene Anwendungsfälle abdecken können: „Wir brauchen Use-Case-Cluster, um die Automatisierung von Single Use zu Multi-Use zu bringen. Zum Beispiel könnte ein Roboter für verschiedene Schichten in einem Unternehmen verwendet werden.“

Europa: Forschung endet zu selten in Firmengründung

Auch Majdoline Wahbi sieht im Bereich der humanoiden Robotik eine Vielzahl an Talenten und Forschungsinstituten. „Das Problem ist, dass es in Europa viel zu wenig Finanzierung für einen echten Go-to-Market gibt. Wir investieren zu wenig darin, Forschung auch zu Produkten zu machen. Nur 15 Prozent der Forscher:innen in Europa wollen eine Firma gründen, in den USA sind es 45 Prozent. Das Know-how ist vorhanden, aber es muss mehr Vernetzung zwischen Talenten und Industrie geben. Das ist auch wichtig, um mehr reale Daten zu generieren. Sonst geht das Talent nur in Bereiche wie Software und AI“, so Wahbi.

Christopher Polligkeit brachte die Perspektive eines VC-Investors ein. Ihm zufolge sei es von großer Bedeutung, die humanoide Robotik voranzutreiben. „Mit einer alternden Bevölkerung wird es immer wichtiger, den Mangel an Arbeitskräften zu kompensieren. Dabei ist es uns ein Anliegen, die Integration der Technologie in der Industrie zu beschleunigen und Unternehmen dabei zu helfen, sich mit Jungfirmen zu vernetzen“, meinte Polligkeit.

© NEOALP
© NEOALP

Rennen um humanoide Roboter läuft noch

Christian Tauber von NEOALP, der bei der invest.austria conference einen humanoiden Roboter präsentierte, betonte, wie unerlässlich es für Unternehmen in diesem Bereich sei, die Technologie in die Industrie zu bringen. „In den letzten Jahren ist die Hardware immer besser geworden. Die wahre Herausforderung besteht nun in den tatsächlichen Skills der Roboter. Man merkt, dass Investor:innen gerade jetzt in Projekte investieren, die sich mit Data Capturing und dem Erlernen von Fähigkeiten beschäftigen.“

Laut Tauber gebe es noch keine universell anwendbare Blaupause dafür, wie man die Technologie in eine reale Umgebung integrieren kann. „Die entscheidende Frage ist, wer als Erstes industrietaugliche Hardware hat. Modelle werden durch mehr und diversere Daten immer besser. Gleichzeitig müssen Unternehmen eine Umgebung bauen, in der ihr spezifisches Know-how sicher ist“, erläuterte Tauber.

Am Ende stand ein gemeinsames Fazit: Bei den industriellen Use Cases ist noch alles offen. Will Europa dieses Rennen gewinnen, braucht es vor allem eine stärkere Pipeline von der Forschung bis in die Praxis.

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