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Neocloud-Crash: KI-Cloud-Aktien verlieren in einem Monat bis zu 40 Prozent

CoreWeave technicians working on server racks in a data center
CoreWeave technicians in one of the company's data centers. © CoreWeave

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Vom KI-Liebling zum Sorgenkind in vier Wochen: Die Aktien der sogenannten Neoclouds, also jener spezialisierten Anbieter, die Rechenleistung für KI-Modelle vermieten, sind an der Börse regelrecht eingebrochen. Innerhalb eines Monats, von Anfang Oktober bis Anfang November, verloren die Papiere zwischen 26 und 40 Prozent ihres Werts.

Die Verluste seit Anfang Oktober im Überblick:

  • WhiteFiber: minus 39,8 Prozent
  • CoreWeave: minus 39,2 Prozent
  • IREN: minus 39,0 Prozent
  • HIVE Digital: minus 38,3 Prozent
  • Nebius: minus 36,1 Prozent
  • ChronoScale: minus 29,7 Prozent
  • Hut 8: minus 25,9 Prozent
Kursverlauf der Neocloud-Aktien seit Anfang Oktober
Share prices of neocloud stocks since early October. © TradingView

Zum Vergleich: Bitcoin, an dem viele dieser Firmen als frühere Krypto-Miner noch hängen, verlor im selben Zeitraum 7,5 Prozent.

Der Gesamtmarkt fiel deutlich weniger

Auch der breite Tech-Markt hatte einen schwachen Oktober, aber bei Weitem nicht so schlimm. Der Nasdaq Composite verlor im Oktober 5,3 Prozent, das war sein schlechtester Monat seit März 2025. Der Nasdaq 100 gab rund 6,7 Prozent nach. Der S&P 500 schloss den Monat fast unverändert mit einem Minus von 0,9 Prozent, der Dow Jones legte sogar zu. Am härtesten traf es neben den Neoclouds die Chiphersteller: Der Halbleiterindex SOX fiel um 15,4 Prozent.

Die Neoclouds haben damit deutlich mehr verloren als die Chip-Branche und fünf- bis siebenmal so viel wie der Nasdaq Composite.

Die Gründe für den Absturz

Hinter dem Ausverkauf steckt eine Mischung aus Schulden, Zweifeln an den KI-Milliarden und prominenten Warnungen:

  • Schuldenberg: Neoclouds finanzieren ihre Rechenzentren großteils auf Pump. Allein bei CoreWeave stehen Schulden inklusive Leasingverpflichtungen von 51,6 Milliarden Dollar (rund 46 Milliarden Euro) in der Bilanz, abzüglich der Barmittel sind es 46 Milliarden Dollar. An der Börse ist CoreWeave nach dem Absturz nur noch rund 30 Milliarden Dollar (rund 27 Milliarden Euro) wert. Die Schulden sind damit etwa 1,7-mal so hoch wie der gesamte Börsenwert. Die Rendite einer CoreWeave-Anleihe mit Laufzeit bis 2031 stieg zuletzt auf ein Rekordniveau von fast 16 Prozent, Investor:innen verlangen also einen hohen Risikoaufschlag. Höher als erwartet ausgefallene Inflationsdaten schürten zusätzlich die Sorge vor steigenden Zinsen.
  • Gartner-Warnung: Das Marktforschungsunternehmen Gartner prognostizierte Mitte Oktober, dass mehr als 80 Prozent der Neoclouds bis 2030 nicht mehr eigenständig existieren werden. CoreWeave verlor an diesem Tag mehr als 15 Prozent.
  • Musks Prophezeiung: Elon Musk sagte den rund 200 Neoclouds kurz darauf ein Sterben auf „Guppy-Niveau“ voraus. Nur wenige würden überleben.
  • Big Tech bremst: Ende Oktober fielen die Investitionen von Microsoft niedriger aus als erwartet, was die Neocloud-Aktien laut CNBC erneut nach unten drückte. Kurz darauf lösten Alphabet, Intel und Amazon einen breiten Ausverkauf bei Tech-Aktien aus, weil Anleger:innen zunehmend zweifeln, ob sich die Milliarden für KI-Infrastruktur rechnen.
  • Krypto-Schwäche: Viele Neoclouds wie IREN, HIVE oder Hut 8 waren ursprünglich Bitcoin-Miner und verdienen noch immer einen Teil ihres Geldes mit Krypto. Der Rückgang des Bitcoin-Kurses, unter anderem nach dem Rekord-Hack bei Binance, belastete zusätzlich.

„Die Nachfrage nach Rechenleistung kann exponentiell wachsen, das Kapital, um sie zu finanzieren, aber nicht“, fasste Goldman-Sachs-Stratege Rich Privorotsky das Problem zusammen.

Nscale-Börsengang unter Druck

Der Absturz kommt zur Unzeit für Nscale. Das britische KI-Infrastrukturunternehmen hat im September seinen Börsenprospekt bei der SEC eingereicht und will unter dem Kürzel NSCL an die New York Stock Exchange. Laut Berichten strebt Nscale eine Bewertung von 30 bis 35 Milliarden Dollar (rund 27 bis 31 Milliarden Euro) an und will bis zu 3 Milliarden Dollar einsammeln, der Börsengang soll noch vor Jahresende stattfinden.

Schon vor dem jüngsten Absturz gab es allerdings Widerstand. Laut Bloomberg wollen manche Investor:innen nur 16 bis 19 Milliarden Dollar zahlen. Dazu kommt, dass Microsoft einem Bericht des Telegraph zufolge einen geplanten Nscale-Standort in Großbritannien aufgegeben hat. Microsoft und Anthropic stehen zusammen für rund 85 Prozent des Auftragsvolumens von Nscale. Wenn börsennotierte Konkurrenten wie CoreWeave und Nebius binnen eines Monats mehr als ein Drittel verlieren, dürfte es schwer werden, die angepeilte Bewertung durchzusetzen. Möglich ist, dass Nscale den Preis senken oder den Börsengang verschieben muss.

Hoffnung auf Übernahmen

Nicht alle sehen schwarz. Gartner-Chefprognostiker John Lovelock rechnet damit, dass viele Neoclouds durch Übernahmen und Fusionen in größeren Anbietern aufgehen werden, ein Massensterben erwartet er nicht. CoreWeave-Chef Michael Intrator schrieb laut Berichten in einem internen Memo an die Belegschaft, der Markt verhalte sich irrational. Und die Nachfrage nach Rechenleistung ist ungebrochen: Nscale etwa hat mit Microsoft Verträge über bis zu 43,8 Milliarden Dollar und mit Anthropic über bis zu 44,6 Milliarden Dollar abgeschlossen, mit Anthropic verhandelt das Unternehmen laut Berichten bereits über einen zweiten Deal im Wert von 45 Milliarden Dollar.

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