Bitcoin rutscht Richtung 80.000 Dollar, während der Ölpreis steigt
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Die Marke von 80.000 Dollar rückt bedrohlich näher: Bitcoin notiert am Samstagmittag bei rund 80.700 Dollar (etwa 72.000 Euro) und hat damit binnen 24 Stunden weitere 1,2 Prozent verloren. Seit dem Höhenflug auf fast 85.000 Dollar zu Wochenmitte ist der Kurs damit um rund 5 Prozent gefallen. Erst am Donnerstag war Bitcoin Richtung 81.000 Dollar gerutscht, seither hat der Ölpreis noch einmal kräftig zugelegt.
Die Kurse im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt die größten Krypto-Assets nach Marktkapitalisierung (ohne Stablecoins) laut CoinMarketCap, Stand Samstagmittag.
| Krypto-Asset | Preis | 24 Stunden | 7 Tage |
|---|---|---|---|
| Bitcoin (BTC) | 80.702,09 Dollar | −1,18 % | −0,95 % |
| Ethereum (ETH) | 2.367,99 Dollar | −1,34 % | −2,52 % |
| BNB (BNB) | 731,51 Dollar | −1,95 % | +1,66 % |
| XRP (XRP) | 1,29 Dollar | −2,44 % | −1,11 % |
| Solana (SOL) | 101,57 Dollar | −2,82 % | −2,59 % |
| Tron (TRX) | 0,3301 Dollar | +0,01 % | −1,91 % |
| Zcash (ZEC) | 1.158,03 Dollar | −5,83 % | −0,78 % |
| Hyperliquid (HYPE) | 75,67 Dollar | −2,98 % | −4,01 % |
| Dogecoin (DOGE) | 0,0775 Dollar | −3,30 % | −2,97 % |
| Monero (XMR) | 592,94 Dollar | −2,77 % | +6,82 % |
| Chainlink (LINK) | 11,63 Dollar | −3,78 % | −3,94 % |
| UNUS SED LEO (LEO) | 9,03 Dollar | +0,02 % | −0,01 % |
| Cardano (ADA) | 0,2087 Dollar | −3,77 % | −6,02 % |
Bitcoin kommt damit auf eine Marktkapitalisierung von rund 1,62 Billionen Dollar. Fast der gesamte Markt liegt im Minus, Zcash verliert erneut fast 6 Prozent, Cardano, Chainlink und Dogecoin geben jeweils mehr als 3 Prozent nach. Auf Wochensicht halten sich nur BNB und Monero im Plus. Laut CoinGlass wurden binnen 24 Stunden gehebelte Krypto-Positionen im Wert von rund 440 Millionen Dollar zwangsweise aufgelöst, davon 397 Millionen Dollar an Long-Wetten auf steigende Kurse.
Ölpreis auf Fünfmonatshoch
Hauptgrund für die Nervosität ist der Ölpreis. Die Nordseesorte Brent schloss am Freitag bei 116,72 Dollar je Barrel, ein Plus von 3,1 Prozent und der höchste Schlusskurs seit Ende April, wie Reuters berichtet. Auf Wochensicht hat Brent rund 6 Prozent zugelegt, die US-Sorte WTI kostet inzwischen 103,27 Dollar.
Die Gründe dafür:
- Huthi-Angriffe: Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem Jemen haben eine neue Angriffswelle auf Saudi-Arabien gestartet, auch auf Energieanlagen. Saudi Aramco ließ laut Berichten seine Zentrale in Dhahran evakuieren.
- Straße von Hormus: Die Angriffe auf Tanker in der Region haben im Oktober deutlich zugenommen. Händler:innen rechnen zunehmend damit, dass die USA ihre Angriffe auf den Iran wieder aufnehmen.
- Risikoprämie: Tatsächlich fehlt bisher kaum Öl am Markt. Laut Analyst Andrew Lipow von Lipow Oil Associates sind die Lieferungen durch die Straße von Hormus zuletzt sogar gestiegen. Der Preisanstieg spiegelt also vor allem die Angst vor Ausfällen wider.
- Ölteppich: Zusätzlich meldeten die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate einen Ölteppich vor Umm Al Quwain, die Ursache ist noch unklar.
Warum teures Öl Bitcoin bremst
Für Bitcoin ist der Ölpreis vor allem über die Zinsen relevant. Teures Öl treibt die Inflation, und das macht Zinssenkungen unwahrscheinlicher und Zinserhöhungen wahrscheinlicher. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am Freitag wieder knapp an die Marke von 5 Prozent. Für die Sitzung der US-Notenbank Fed am kommenden Mittwoch erwarten die Märkte zwar mehrheitlich keine Zinserhöhung, für Dezember sieht CME FedWatch die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung um einen Viertelprozentpunkt aber bei rund 71 Prozent. Höhere Zinsen machen sichere Anlagen attraktiver und belasten riskante Assets wie Krypto.
Dazu kommt der Ausverkauf bei Tech-Aktien, mit denen sich Bitcoin seit Monaten oft im Gleichschritt bewegt. Der Nasdaq schloss die zweite Woche in Folge mit einem Minus, nachdem Zweifel an den Milliarden-Investitionen in KI die Chipwerte am Donnerstag einbrechen ließen.
ETFs: Größter Abfluss seit Juni
Auch die institutionellen Käufer:innen ziehen sich zurück. Die US-Spot-ETFs auf Bitcoin verzeichneten am Donnerstag Nettoabflüsse von 635,6 Millionen Dollar, der größte Tagesabfluss seit Juni, wie The Block berichtet. Am stärksten betroffen waren BlackRocks IBIT mit 254,1 Millionen Dollar und Fidelitys FBTC mit 217,5 Millionen Dollar. Damit ist der Zufluss vom Mittwoch wieder weg. Auf Wochensicht stand bis Donnerstag dennoch ein Plus von rund 443 Millionen Dollar. Auch die Ether-ETFs verloren am Donnerstag 110,6 Millionen Dollar.
Fear & Greed Index: Von Gier zu Neutral
Der Crypto Fear & Greed Index von Alternative.me hat den Stimmungsumschwung inzwischen nachvollzogen. Er steht am Samstag bei 51 Punkten und damit im neutralen Bereich, nach 68 Punkten („Gier“) am Donnerstag. Der Index fasst unter anderem Volatilität, Handelsvolumen, Social-Media-Stimmung und die Bitcoin-Dominanz in einem Wert zwischen 0 (extreme Angst) und 100 (extreme Gier) zusammen.
80.000 Dollar als Bewährungsprobe
Ob die Marke von 80.000 Dollar hält, dürfte sich in den kommenden Tagen entscheiden. Händler:innen sehen in den Kursen zwischen 80.000 und 86.000 Dollar die Spanne der vergangenen Wochen. „Wenn die Zuflüsse nachlassen und diese Untergrenze bricht, hat sich das Nachfragebild verschlechtert“, sagt Lorris Beziers von der Tesseract Group laut The Block. Gelassener sieht es Jeff Anderson von STS Digital, der in der jüngsten Bewegung nicht viel mehr als einen Ausschlag innerhalb dieser Spanne sieht. Entscheidend dürften die Fed-Sitzung am Mittwoch und die Lage im Nahen Osten werden.

