Startup REEDUCE eröffnet Schilf-Lärmschutzwand an der A1
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Wer hätte gedacht, dass man Autobahnlärm mit Gartenmaterial in den Griff bekommt: Das Wiener Startup REEDUCE hat soeben seinen ersten Autobahnkilometer Lärmschutzwand aus Schilf, Thermoholz und Lehm eröffnet.
Die Anlage steht an der A1 West bei Völlerndorf (Niederösterreich) und ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Autobahnbetreiber ASFINAG und dem Baukonzern STRABAG. Für REEDUCE ist es der erste große Praxistest im Autobahnnetz, und die Gründerin Birgit van Duyvenbode kennt man bei Trending Topics bereits: Ihr Startup hat die #glaubandich CHALLENGE gewonnen und wurde zum Startup des Jahres 2023 gekürt, dazu gab es den Sondertitel "Female Startup des Jahres".
Ein Kilometer Schilf an der A1
Die Wände entstehen im Zuge der laufenden Instandsetzung der A1 zwischen St. Pölten und Völlerndorf und ersetzen teilweise Lärmschutzwände, die mehr als 20 Jahre im Einsatz waren. Auf rund 2.690 Quadratmetern kommen Elemente mit einem Rahmen aus Thermoholz, einer Lehmfüllung und beidseitiger Schilfabdeckung zum Einsatz. Das Schilf stammt aus dem Raum Neusiedler See.
Laut Aussendung wurden für den einen Kilometer rund 4.000 Bund Schilf verwendet. Das entspricht etwa 1,5 Prozent der gesamten österreichischen Schilfernte, wie der Direktor des Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel betont. Er sieht im Schilfmanagement auch einen Beitrag zum Naturschutz, weil es Brut- und Rückzugsräume erhält und die Verschilfung der Sodalacken im Seewinkel zurückdrängt.
ASFINAG-Vorstand Hartwig Hufnagl stellt klar, dass die Schutzwirkung denselben Anforderungen entsprechen muss wie bei herkömmlichen Lärmschutzwänden. REEDUCE-Gründerin van Duyvenbode sagt, die Wand erfülle die gleichen technischen Anforderungen, sei aber klimaschonend und kreislauffähig. Die ASFINAG selbst spricht von einem Pilotprojekt, mit dem sie Erfahrungen mit einer Bauweise aus regionalen Naturmaterialien sammelt.
Vom EU-Projekt zur Autobahn
Die Idee hinter REEDUCE ist alt. Schon vor mehr als 15 Jahren entstand im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts eine Schilf-Lärmschutzwand, die als Prototyp an der A22 bei Langenzersdorf aufgestellt wurde. Das Startup hat dieses Konzept weiterentwickelt, wie wir in einem Porträt von REEDUCE beschrieben haben. Auch an der S33 bei Herzogenburg soll eine Wand mit Schilf vom Neusiedler See entstehen.
Die Konkurrenz im Lärmschutz
REEDUCE tritt in einem Markt an, in dem Beton, Aluminium und Glas seit Jahrzehnten Standard sind. Auch andere Anbieter setzen auf mehr Nachhaltigkeit: Die ASFINAG nennt in ihrer Aussendung selbst Solar-Lärmschutzwände als weiteren Innovationspfad, und begrünte Lärmschutzwände sind eine etablierte Alternative von Herstellern wie Gieselbrecht. Ob sich die Schilfwand langfristig bei Haltbarkeit und Kosten gegen diese Systeme durchsetzt, soll der Pilotbetrieb an der A1 zeigen.

