Warhound: 200 Millionen Dollar für Gentechnik-Superhunde fürs US-Militär
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Nach Mammut und Dodo kommt jetzt der Kampfhund aus dem Genlabor: Colossal-Biosciences-Chef Ben Lamm und Anduril-Gründer Palmer Luckey haben gestern das Startup Warhound vorgestellt, das geklonte und genetisch optimierte Hunde für das US-Militär liefern will. Zum Start gibt es 200 Millionen Dollar (rund 178 Millionen Euro) bei einer Bewertung von 1,2 Milliarden Dollar (rund 1,07 Milliarden Euro), wie TechCrunch berichtet. Investiert haben unter anderem In-Q-Tel, der Investmentarm der CIA, Sequoia Capital und 8VC.
Unabhängig von Europas Züchter:innen
Der Ausgangspunkt ist eine Abhängigkeit, die ausgerechnet Europa betrifft. Laut Warhound stammen mehr als 80 Prozent der Diensthunde des US-Militärs aus europäischen Zuchten, und weniger als die Hälfte davon besteht am Ende die Ausbildung. Viele Tiere fallen wegen genetischer Probleme durch, etwa schlechter Sehkraft, Krebsrisiken, Hüftdysplasie oder Muskelschwund. Warhound will deshalb eine eigene Versorgung in den USA aufbauen.
So soll das funktionieren:
- Biobank: Das Team hat Zelllinien der besten Arbeitshunde, vor allem Belgischer Malinois und Deutscher Schäferhunde, eingelagert.
- Klonen: Die Colossal-Tochter ViaGen soll die Tiere klonen, die ersten Welpen sollen Anfang 2027 zur Welt kommen.
- Gen-Editing: Per Gentechnik sollen Krankheitsrisiken entfernt und Eigenschaften wie Gesundheit, Lebensdauer, Schnelligkeit, Wendigkeit und Geruchssinn für die Sprengstoffsuche verbessert werden.
- Ausrüstung: Anduril liefert Schutzwesten, Schutzbrillen und Westen mit Sensoren, die Daten an die Hundeführer:innen senden. Lamm betont, dass diese Technik am Hund und nicht im Hund steckt.
Innerhalb von rund zwei Jahren sollen die ersten Warhound-Hunde im Dienst sein. Als Kund:innen kommen neben dem Verteidigungsministerium auch Polizei und Rettungsdienste infrage, Preise gibt es noch keine. Geführt wird das Unternehmen laut Medienberichten von David Spirk, dem ersten Chief Data Officer des US-Verteidigungsministeriums.
Colossal und Anduril als Paten
Hinter Warhound stehen zwei der wertvollsten Startups der USA. Colossal Biosciences, bekannt für seine Pläne zur Rückkehr von Wollmammut und Dodo, verhandelte zuletzt über eine Finanzierung bei einer Bewertung von 20 bis 30 Milliarden Dollar. Colossal hält Anteile an Warhound und lizenziert seine Technologie. Anduril wiederum ist mit rund 90 Milliarden Dollar bewertet. Luckey selbst ist laut Lamm Partner, hält aber ebenso wie Anduril keine Anteile an Warhound.
Konkurrenz aus China und Südkorea
Ganz neu ist die Idee nicht. In China klont das Biotech-Unternehmen Sinogene seit Jahren Polizeihunde, und chinesische Forscher:innen haben bereits 2015 per Gen-Editing besonders muskulöse Beagles erzeugt. In Südkorea wurden schon vor mehr als zehn Jahren geklonte Spürhunde beim Zoll eingesetzt. Das US-Militär selbst setzt bisher vor allem auf Zukäufe aus Europa und ein eigenes Zuchtprogramm. Mit Warhound kommt nun erstmals ein milliardenschweres Defense-Startup dazu, das Klonen und Gen-Editing im großen Stil kombinieren will.
Wer trägt das Risiko?
Wie Behörden gentechnisch veränderte Tiere im Militär- und Polizeieinsatz regulieren, ist bislang ungeklärt. Warhound arbeitet mit der Tierschutzorganisation American Humane zusammen, die das Trainingsprogramm zertifizieren und ausgemusterte Hunde an neue Halter:innen vermitteln soll. Kritische Stimmen sehen beim Gen-Editing von Hunden grundsätzliche Fragen: Die Bioethikerin Jessica Pierce etwa betont gegenüber Newsweek, entscheidend sei, wem die Technik nütze und wer die Risiken trage. Gentechnik bei Hunden sei für sie ein neues Kapitel der Domestizierung, in dem sich Tiere an menschliche Wünsche anpassen statt umgekehrt.

