Viessmann kauft sich für 250 Millionen Euro beim FC Bayern ein
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Aus Wärmepumpen-Milliarden werden Fußballaktien: Die Unternehmerfamilie Viessmann steigt beim FC Bayern München ein. Ihre Holding, die Viessmann Generations Group, übernimmt über eine Kapitalerhöhung knapp 6,7 Prozent der FC Bayern München AG, also das letzte Aktienpaket, das der Verein laut Satzung überhaupt verkaufen darf. Zum Preis schweigen beide Seiten, laut „Manager Magazin“ fließen rund 250 Millionen Euro, wie das private banking magazin berichtet. Die Verträge wurden laut Abendzeitung am Donnerstagmorgen unterzeichnet, wirksam wird der Einstieg mit der Eintragung ins Handelsregister.
Wem der FC Bayern jetzt gehört
Mit Viessmann hat die Profifußball-AG nun vier externe Aktionäre. Weil das Geld über eine Kapitalerhöhung kommt, werden alle bisherigen Eigentümer:innen verwässert:
- FC Bayern München e.V.: von 75 auf 70 Prozent
- Adidas: von 8,33 auf knapp 7,8 Prozent
- Audi: von 8,33 auf knapp 7,8 Prozent
- Allianz: von 8,33 auf knapp 7,8 Prozent (Aktionär seit 2014)
- Viessmann Generations Group: knapp 6,7 Prozent
Damit halten die vier Minderheitsaktionäre zusammen genau 30 Prozent, das Maximum, das die Vereinssatzung erlaubt. Mehr Anteile kann der FC Bayern künftig nicht verkaufen, ohne die Satzung zu ändern. Max Viessmann, CEO der Familienholding, zieht in den Aufsichtsrat ein, der dafür von neun auf zehn Mitglieder wächst. Dem Verwaltungsbeirat des Vereins gehört er bereits an. „Für uns beginnt heute eine Partnerschaft für Generationen“, sagt Viessmann.
Bewertung fast verdreifacht
Legt man die kolportierten 250 Millionen Euro zugrunde, ist die FC Bayern München AG knapp vier Milliarden Euro wert. Als die Allianz 2014 einstieg, zahlte sie 110 Millionen Euro für 8,33 Prozent, was einer Bewertung von rund 1,3 Milliarden Euro entsprach. Der Wert hat sich in zwölf Jahren also fast verdreifacht.

Dahinter steht ein Geschäftsmodell, das im europäischen Fußball eher die Ausnahme ist: Der FC Bayern verdient Geld. Im Geschäftsjahr 2024/25 erwirtschaftete der Konzern laut eigenen Angaben einen Rekordumsatz von 978,3 Millionen Euro, ein EBITDA von 187,8 Millionen Euro und einen Gewinn nach Steuern von 27,1 Millionen Euro. Die Einnahmen stammen vor allem aus Sponsoring, TV-Rechten aus Bundesliga und Champions League, Ticketing in der eigenen Allianz Arena und dem weltweiten Merchandising. Die strategischen Aktionäre sind dabei zugleich große Sponsoren: Adidas liefert die Trikots, Audi die Dienstwagen, die Allianz zahlt für den Stadionnamen. Vorstandschef Jan-Christian Dreesen betont regelmäßig, der Club gebe nicht mehr aus, als er einnehme.
Das frische Geld landet in der AG und stärkt deren Eigenkapital. „Eine noch einmal deutlich verbesserte Eigenkapitalbasis vergrößert die Handlungsspielräume in einer Zeit des permanenten Wandels“, sagt Präsident Herbert Hainer. Medien spekulieren über Investitionen in das Trainingsgelände an der Säbener Straße, den Campus und den Sportpark in Unterhaching, aber auch über mehr Spielraum bei Verhandlungen mit Topstars.
Warum EQT mitbieten wollte
Viessmann war nicht der einzige Interessent. Laut Financial Times führte der FC Bayern bereits 2025 Gespräche mit dem schwedischen Investmenthaus EQT über eine Minderheitsbeteiligung. Diese verliefen im Sommer im Sand, als Finanzvorstand Michael Diederich, EQTs Ansprechpartner beim Club, zur Deutschen Bank wechselte. Für EQT wäre es ein großer Schritt gewesen: Im Sport hatte der Private-Equity-Konzern zuvor nur rund 25 Millionen Dollar in die Baller League investiert, eine 2023 in Deutschland gegründete Sechser-Fußballliga. EQT verwaltet unter anderem auch den Scaleup Europe Fund der EU.
Das Interesse von Finanzinvestoren am Fußball hat handfeste Gründe. Topclubs sind knappe Prestige-Assets mit globalen Marken, Millionen Fans und wachsenden Medienerlösen, die sich über Streaming, Merchandising und Auslandsmärkte weiter monetarisieren lassen. Wer früh dabei ist, profitiert von steigenden Bewertungen, wie das Bayern-Beispiel zeigt. Private-Equity-Firmen wie CVC haben sich deshalb bereits an den Medienrechten der spanischen LaLiga und der französischen Ligue 1 beteiligt, US-Investoren wie RedBird besitzen Clubs wie den AC Mailand.

In Deutschland stößt das Modell allerdings auf Widerstand. Die 50+1-Regel sorgt dafür, dass Vereine die Stimmenmehrheit an ihren Profiabteilungen behalten, und die Fans protestieren lautstark gegen Finanzinvestoren. 2024 scheiterte der geplante Einstieg eines Investors bei der Deutschen Fußball Liga nach massiven Fanprotesten. Dreesen hatte im OMR-Podcast erklärt, beim Verkauf der letzten Anteile gehe es „nicht nur darum, das meiste Geld zu kriegen“. Den Zuschlag erhielt nun ein Familieninvestor mit langer Verbindung zum Club, Viessmann ist seit 2018 Partner des FC Bayern.
Das Carrier-Geld arbeitet
Das Geld für den Deal stammt aus dem Milliardenverkauf des Kerngeschäfts. 2023 verkaufte die Familie die Klimasparte Viessmann Climate Solutions für rund 12 Milliarden Euro an den US-Konzern Carrier Global, abgeschlossen wurde der Deal 2024. Seither investiert die Viessmann Generations Group breit, auch in Startups: Zum Portfolio zählt etwa der Münchner Raketenbauer Isar Aerospace, außerdem stieg die Holding beim Aachener Umwelt-Startup Everwave ein, Max Viessmann selbst ist als Business Angel unter anderem bei Voltfang und OCELL an Bord. Beim FC Bayern will sich die Holding laut Club vor allem bei Nachhaltigkeit, Internationalisierung und Digitalisierung einbringen.

