Nach 36 Jahren: Forscher:innen züchten die erste wirklich blaue Rose
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Die blaue Rose war jahrhundertelang ein Symbol für das Unerreichbare, jetzt steht sie in einem Gewächshaus in Kyoto. Forscher:innen des japanischen Getränkekonzerns Suntory haben eine Rose gezüchtet, die tatsächlich violettblau blüht, und zwar stabil über Jahre, wie das Unternehmen in einer Aussendung mitteilt. Vorgestellt wurde das Ergebnis kürzlich auf dem Internationalen Gartenbaukongress in Kyoto. Es ist der Schlusspunkt einer Forschung, die Suntory 1990 begonnen hat.
Warum Rosen nicht blau können
Rosen fehlen von Natur aus die Enzyme, um blaue Farbstoffe zu bilden. Die Pflanze hat schlicht kein Gen dafür. Suntory hatte das Problem schon 2004 zur Hälfte gelöst und Rosen gezüchtet, die das blaue Pigment Delphinidin produzieren. Die daraus entstandene Sorte „Applause“ kam 2009 auf den Markt, sah aber eher lila aus als blau.
Der Grund: Das Pigment allein reicht nicht. In echten blauen Blüten wie der Kornblume wird der Farbstoff von sogenannten Copigmenten begleitet, nahezu farblosen Hilfsmolekülen, die das Blau stabilisieren und vertiefen. Auch die kann eine Rose nicht herstellen.
Vier fremde Gene
Das Team um Seitaro Ito hat deshalb an beiden Hebeln angesetzt. In eine hellrosa Rose wurden vier Gene aus drei anderen Pflanzen eingebaut, wie Science News im Detail aufschlüsselt:
- Glockenblume: Ein Gen der Marien-Glockenblume (Campanula medium) liefert den blauen Farbstoff Malvidin.
- Torenia: Zwei Gene des Blauen Zauberglöckchens (Torenia x hybrida) sorgen für die Hilfsmoleküle.
- Enzian: Ein Gen des Japanischen Enzians (Gentiana triflora) bildet das Copigment Isoorientin.
„Je höher der Anteil an Copigmenten in den Blütenblättern, desto blauer die Blüte“, fassen die Forscher:innen zusammen. Der Ansatz gehe „über die Pigmentproduktion selbst hinaus“ hin zu der Frage, wie das Pigment mit den Stoffen in seiner Umgebung zusammenspielt, sagt Ito laut Suntory.
Sieben Jahre Gewächshaus, drei Jahre Feld
Das Blau ist kein Laborzufall. Die Rosen blühten sieben Jahre lang im Gewächshaus zuverlässig blau, dazu kommen drei Jahre Freilandversuche in Kolumbien, einem der größten Rosenexporteure der Welt. Damit ist die Farbe auch unter natürlichen Bedingungen stabil.
Wann die Rose in den Handel kommt, sagt Suntory noch nicht. Der Konzern, der mit Whisky und Softdrinks sein Geld verdient, betreibt die Blumenzucht über seine Tochter Suntory Flowers seit den 1990er-Jahren als Nebengeschäft. Für die Branche wäre eine echte blaue Rose ein Gewinn: Bisher werden blaue Rosen im Handel meist gefärbt, und zwar mit Tinte, die die Schnittblume über den Stiel aufnimmt.

