ChatGPT wird zur GIF-Maschine
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Sora ist tot, es lebe das GIF: Acht Monate nachdem OpenAI seine Video-App eingestellt hat, bringt der Konzern Bewegung auf anderem Weg zurück in ChatGPT. Mit dem neuen Bildmodell ChatGPT Images 2.6 lassen sich aus einem Prompt oder einem Foto animierte GIFs erstellen, Bild für Bild bearbeiten und als Endlosschleife teilen. Dazu kommen gespeicherte Referenzbilder und zwei neue Modelle für Entwickler:innen, die laut OpenAI um die Hälfte schneller sein sollen.
So funktionieren die GIFs
Das Prinzip ist simpel: Nutzer:innen beschreiben eine Szene oder laden ein Bild hoch, ChatGPT macht daraus eine kurze Animation. OpenAI zeigt das etwa an einer tanzenden Katze. Die wichtigsten Funktionen:
- Erstellen: Als Ausgangspunkt dienen ein Textprompt, ein Foto oder eine grobe Skizze.
- Tempo: Die Geschwindigkeit der Animation lässt sich nachträglich anpassen.
- Einzelbilder: Wer mit einem Teil der Animation nicht zufrieden ist, kann einzelne Frames gezielt überarbeiten.
- Teilen: Das fertige GIF läuft in Endlosschleife und lässt sich direkt weitergeben.
„Von persönlichen Reaktionen über Marken-Maskottchen bis zu Produktbildern geben GIFs Menschen und Unternehmen eine verspielte Art zu kommunizieren“, schreibt OpenAI. Wie lang die GIFs sein dürfen, wie viele Frames sie haben und wie viele Animationen die einzelnen Abo-Stufen erlauben, verrät der Konzern nicht. Ausgerollt wird Images 2.6 für alle Nutzer:innen von ChatGPT und Codex im Web, am Desktop und auf dem Smartphone.
Referenzbilder und schnellere Modelle
Neu ist auch ein Speicher für Referenzbilder. Fotos von sich selbst, vom Haustier oder von eigenen Figuren müssen künftig nur einmal hochgeladen werden und stehen danach für neue Bilder bereit. Figuren, Produkte und Markendetails sollen so über mehrere Bilder hinweg gleich aussehen. Für Unternehmen, die Maskottchen oder Produktfotos in Serie erstellen, ist das die vielleicht wichtigere Neuerung.
Entwickler:innen bekommen über die Programmierschnittstelle zwei neue Modelle. GPT-Image-2.6 Flare erzeugt Bilder laut OpenAI in nur sechs Sekunden, GPT-Image-2.6 Sunburst liefert höhere Qualität und mehr Konsistenz bei Bearbeitungen. Dazu kommen Markierungen direkt im Bild, um gezielt Stellen zu ändern, sowie ein Export als SVG-Vektorgrafik für Websites, Apps und Druck. Wie groß der Bedarf ist, zeigt OpenAI an einer eigenen Zahl: Nutzer:innen erstellen über ChatGPT und die Programmierschnittstelle inzwischen mehr als 4 Milliarden Bilder pro Woche, im September waren es noch 3 Milliarden.
Bewegtbild durch die Hintertür
Strategisch ist der Schritt interessant. Im März hat OpenAI Sora eingestellt, die App für KI-Videos, die auch wegen Deepfakes in der Kritik stand. Das Feld überließ OpenAI damit Spezialist:innen wie Higgsfield, das inzwischen nach eigenen Angaben eine Milliarde Dollar Jahresumsatz macht. GIFs sind technisch weit weniger aufwendig als Videos, decken aber einen großen Teil dessen ab, was in Chats und sozialen Netzwerken an Bewegtbild geteilt wird.
Damit kommt OpenAI auch etablierten GIF-Plattformen wie Giphy, das zum Bildarchiv Shutterstock gehört, und Googles Tenor in die Quere. Dort suchen Nutzer:innen aus fertigen Animationen aus, in ChatGPT entsteht die passende Reaktion auf Zuruf.
Die Konkurrenz
Im Rennen um KI-Bilder ist OpenAI längst nicht allein. Google setzt mit den Nano-Banana-Modellen in Gemini auf Bildbearbeitung, Meta hat mit Muse Image ein Bildmodell direkt in Instagram eingebaut, und Midjourney bietet neben Bildern inzwischen auch kurze Videos an. Bei KI-Videos dominieren Anbieter wie Higgsfield, Runway und Googles Veo. Das Vorgängermodell Images 2.5 hat OpenAI im September zudem in Adobe Firefly integriert.
Animierte Deepfakes auf Knopfdruck
Die neuen Funktionen werfen allerdings bekannte Fragen auf. Die Kombination aus gespeicherten Fotos realer Personen und Animationen macht es noch einfacher, Menschen in Szenen zu zeigen, die nie stattgefunden haben. Wie OpenAI GIFs mit realen Personen absichert und ob die Animationen ein Wasserzeichen tragen, geht aus den bisherigen Ankündigungen nicht hervor. Beim Videodienst Sora hatte die Verbraucherschutzorganisation Public Citizen die Einstellung wegen der Gefahr von Deepfakes gefordert, nach Protesten der Schauspielgewerkschaft SAG-AFTRA verschärfte OpenAI seine Regeln für Prominente. Auch Entwickler:innen sind nicht nur begeistert: Im Entwicklerforum von OpenAI kritisieren erste Nutzer:innen, dass Bilder in niedriger und mittlerer Qualität über die Programmierschnittstelle deutlich teurer abgerechnet werden als beim Vorgänger.

