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Claude wächst um 1.260 Prozent, bleibt neben ChatGPT aber ein Zwerg

A smartphone showing a folder of A.I. apps including ChatGPT, DeepSeek, Claude, Mistral AI, Gemini, Copilot and Poe
Claude among other A.I. apps on a smartphone. © Solen Feyissa / Unsplash

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Wer in der KI-Branche nach Wachstum sucht, landet derzeit bei Claude: Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer:innen der Claude-App ist im dritten Quartal 2026 um 1.260 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das zeigen neue Schätzungen der Market-Intelligence-Firma Sensor Tower. ChatGPT legte im selben Zeitraum um 70 Prozent zu, Google Gemini um 166 Prozent. An der Rangordnung ändert der Sprint von Anthropic allerdings wenig: ChatGPT bleibt mit 1,4 Milliarden Nutzer:innen im Monat der mit Abstand größte KI-Assistent.

Die Zahlen im Überblick

Sensor Tower hat für den Report sieben KI-Assistenten verglichen: ChatGPT, Claude, Gemini, Meta AI, Grok, Perplexity und Metas KI-Agenten Muse. Die Werte für das dritte Quartal:

App Monatlich aktive Nutzer:innen, Veränderung zum Vorjahr Anteil an allen Nutzer:innen der Gruppe
Claude +1.260 % rund 4 %
Meta AI +675 % k. A.
Gemini +166 % rund 26 %
ChatGPT +70 % mehr als 60 %
Perplexity -5 % k. A.

Quelle: Sensor Tower, Schätzungen für Apps

In absoluten Zahlen kommt Gemini auf 591 Millionen monatlich aktive Nutzer:innen, ChatGPT auf 1,4 Milliarden. Claude liegt mit einem Anteil von rund 4 Prozent weit dahinter. Für die gesamte Gruppe stieg die Zahl der monatlich aktiven Nutzer:innen um 97 Prozent, die Umsätze mit In-App-Käufen wuchsen sogar um 108 Prozent.

Was den Claude-Boom ausgelöst hat

Das steile Wachstum von Claude begann laut Sensor Tower im März in den USA. Als Auslöser nennt der Report die Partnerschaft von OpenAI mit dem US-Kriegsministerium sowie eine Werbekampagne rund um den Super Bowl. Anthropic hatte damals Spots geschaltet, die sich über die Werbung in ChatGPT lustig machten. Seither zeigen die Download-Zahlen steil nach oben: Im ersten Quartal lagen sie um 765 Prozent über dem Vorjahr, im zweiten um 1.264 Prozent und im dritten um 891 Prozent.

Wer Claude nutzt, ist laut Sensor Tower oft beruflich unterwegs. Fast die Hälfte der Nutzer:innen der Claude-App in den USA hat in den vergangenen sechs Monaten auch LinkedIn verwendet. Dazu passt, dass Claude vor allem im Browser genutzt wird. Zwischen April und Oktober griffen 73 Prozent der Claude-Nutzer:innen nur über das Web auf den Dienst zu, 17 Prozent nur über die App. Bei ChatGPT ist es umgekehrt: 56 Prozent nutzen ausschließlich die App, 26 Prozent nur das Web und 18 Prozent beides. Reine App-Statistiken bilden Claude daher nur teilweise ab.

Wer am meisten wirbt

Das Wachstum ist auch teuer erkauft. Die Ausgaben der KI-Assistenten für Werbung in den USA stiegen im dritten Quartal um 429 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Claude kam dabei auf 15 Prozent der Ausgaben. Der größte Werbetreibende bleibt OpenAI: ChatGPT stellt seit Jahresbeginn 54 Prozent aller Werbeausgaben der Gruppe, 26 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Im laufenden vierten Quartal drängen neue Namen nach vorne. Auf Metas persönlichen Agenten Muse, der in den USA in 40 Tagen 10 Millionen Downloads erreicht hat, entfallen bisher 27 Prozent der Werbeausgaben, auf den Agenten Grok Bot von xAI 4 Prozent.

Das Geld zeigt Wirkung. Rund 22 Prozent aller Downloads der Gruppe gehen seit Jahresbeginn auf bezahlte Werbung zurück, 5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und 12 Prozentpunkte mehr als 2024. Bei Muse sind es 62 Prozent, bei Meta AI 52 Prozent.

Warum Investor:innen auf App-Daten schauen

Brisant sind die Zahlen wegen des bevorstehenden Börsengangs von Anthropic. Der Claude-Hersteller hat seinen Prospekt bereits eingereicht, Investor:innen sprechen von einer Bewertung von rund 1,5 Billionen Dollar (rund 1,35 Billionen Euro). Auf das Jahr hochgerechnet lag der Umsatz von Anthropic zuletzt bei 68 Milliarden Dollar (rund 61,1 Milliarden Euro). Laut Sensor Tower hängen die Quartalsumsätze von Anthropic eng mit den eigenen Schätzungen zu App-Nutzer:innen und Web-Besuchen zusammen, die Korrelation liegt bei 0,85. Für Anleger:innen könnten solche Daten damit zu einem Frühindikator für die Geschäftszahlen werden.

Wie intensiv die Apps genutzt werden

Die Menschen nutzen KI-Assistenten häufiger und länger. Seit Jahresbeginn stieg die Zahl der Sitzungen pro Nutzer:in in der Gruppe um 44 Prozent, die Nutzungszeit um 50 Prozent. Claude-Nutzer:innen öffnen die App im Schnitt 23 Mal pro Woche, 72 Prozent öfter als im Vorjahr und leicht über dem Durchschnitt der Gruppe von 22 Sitzungen. Bei ChatGPT sind es 32 Sitzungen, bei DeepSeek 33. Pro Woche verbringen Claude-Nutzer:innen 39 Minuten in der App, ein Plus von 33 Prozent. Bei ChatGPT ging die Nutzungszeit pro Kopf dagegen um 5 Prozent zurück.

Die Konkurrenz

Den größten Sprung nach Claude macht Meta AI mit einem Plus von 675 Prozent, das Meta auch mit hohen Werbebudgets befeuert. Google kann Gemini über Android und die eigenen Dienste in die Breite drücken und ist mit 591 Millionen Nutzer:innen klar die Nummer zwei. Perplexity schrumpft als einzige App der Gruppe. Und OpenAI reagiert auf den Druck von Anthropic: ChatGPT legt gerade Chat und Work zusammen und folgt damit einem Schritt, den Anthropic bei Claude bereits vollzogen hat.

Hohe Prozente, kleine Basis

Die Schätzungen von Sensor Tower haben allerdings Grenzen. Das Wachstum von Claude startet von einer niedrigen Basis, mit rund 4 Prozent Anteil an den Nutzer:innen bleibt der Abstand zu ChatGPT und Gemini groß. Bei der Nutzungszeit liegt Claude mit 39 Minuten pro Woche unter dem Durchschnitt der Gruppe von 43 Minuten. Die Downloads der gesamten Gruppe gingen im dritten Quartal um 11 Prozent zurück, ein immer größerer Teil davon ist zudem mit Werbung erkauft. Außerdem beruhen die Zahlen auf Hochrechnungen von Sensor Tower und stammen von keinem der Unternehmen selbst. Den Großteil seines Umsatzes macht Anthropic zudem mit Unternehmen und Entwickler:innen, die Claude über die Programmierschnittstelle oder Werkzeuge wie Claude Code nutzen, und diese Nutzung taucht in App-Statistiken kaum auf.

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