KI-Video

Higgsfield knackt die Umsatz-Milliarde, und OpenAI hat Platz gemacht

The Higgsfield team celebrating in front of the Nasdaq tower on Times Square in New York. © Higgsfield AI
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Während OpenAI sein Video-Experiment Sora zu Grabe getragen hat, verdient ein 18 Monate altes Startup mit KI-Videos inzwischen eine Milliarde Dollar im Jahr. Higgsfield hat soeben nach eigenen Angaben die Marke von einer Milliarde US-Dollar (rund 850 Millionen Euro) an annualisiertem Umsatz überschritten. Das verkündete CEO und Co-Founder Alex Mashrabov auf LinkedIn, Bloomberg berichtete ebenfalls.

Die Zahlen hinter der Milliarde

Laut Mashrabov ist Higgsfield innerhalb eines Jahres um das 20-Fache gewachsen. Die Kurve ist steil: Ende 2025 lag die Run Rate noch bei etwa 200 Millionen Dollar, im Juni 2026 bei 500 Millionen Dollar, im August bei 700 Millionen Dollar. Damals sammelte das Unternehmen in einer Series B 400 Millionen Dollar (etwa 340 Millionen Euro) unter der Führung von DST Global ein, die Bewertung vervierfachte sich binnen acht Monaten auf 5,4 Milliarden Dollar (rund 4,6 Milliarden Euro).

Weitere Kennzahlen aus der Ankündigung:

  • Enterprise: Die Nutzung durch Unternehmenskund:innen steigt um 115 Prozent pro Monat, und das mit einem Enterprise-Team von weniger als 20 Leuten.
  • Net Revenue Retention: 300 Prozent, bestehende Kund:innen geben also im Schnitt dreimal so viel aus wie ein Jahr zuvor.
  • Margen: Seit Jahresbeginn schreibt Higgsfield positive Bruttomargen.
  • Reichweite: 78 Prozent der Fortune-500-Konzerne und mehr als 32 Millionen Creator:innen nutzen die Plattform.

Ein Detail verdient Aufmerksamkeit: Positive Bruttomargen erst seit Anfang 2026 bedeuten, dass Higgsfield im Vorjahr für jedes generierte Video mehr an Rechenleistung und Modellanbieter bezahlt hat, als hereinkam. Für ein Unternehmen, das stark auf Modelle anderer Firmen setzt, ist genau diese Marge die entscheidende Stellschraube. Mashrabov betont zudem, dass seine Plattform die Produktionskosten von Unternehmen um bis zu 97 Prozent senke.

Was Higgsfield eigentlich verkauft

Higgsfield wurde 2023 von Alex Mashrabov und Erzat Dulat gegründet und sitzt in San Francisco. Mashrabov leitete zuvor den Bereich generative KI bei Snap, nachdem der Konzern sein Startup AI Factory 2020 übernommen hatte. Die Plattform selbst ging im März 2025 an den Start.

Im Kern verkauft Higgsfield eine Produktionsumgebung für Bilder und Videos, die auf KI-Modellen aufsetzt. Kund:innen zahlen per Abo oder kaufen Credits, die sie für Generierungen verbrauchen. Laut Mashrabov machen Jahresabos rund 40 Prozent des Umsatzes aus. Zu den wichtigsten Produkten zählen:

  • Cinema Studio: ein Werkzeug für Filmemacher:innen, die Kamerafahrten, Einstellungen und Szenen mit KI inszenieren
  • Marketing Studio: Workflows für Werbe- und Marketingteams, die Kampagnenvideos in Serie produzieren
  • Apps und Templates: vorgefertigte Effekte und Vorlagen, die vor allem auf Social Media viral gehen
  • API und Agenten: Zugang für Entwickler:innen sowie Integrationen in ChatGPT und Claude

Die Zielgruppe hat sich dabei verschoben. Ursprünglich rechnete Higgsfield vor allem mit einzelnen Creator:innen, heute stammen laut Mashrabov etwa 70 Prozent der Umsätze von Kreativagenturen. Der durchschnittliche Kund:innenwert liegt bei rund 1.000 Dollar pro Jahr, also etwa 850 Euro.

Viele Modelle unter einem Dach

Technisch ist Higgsfield vor allem ein Aggregator. Kurz nach dem Start stellte das Team fast das gesamte Produkt um, weil „basically every week“ ein neues Videomodell erscheine, wie Mashrabov im SaaStr-Interview erzählt. Statt auf ein einziges hauseigenes Modell zu setzen, bündelt die Plattform die jeweils besten Modelle des Marktes und lässt sie parallel laufen.

Auf der Videoseite von Higgsfield finden sich derzeit unter anderem Seedance 2.5 und 2.0 von ByteDance, Kling 3.0 und Kling o1 von Kuaishou, Veo 3.1 von Google, Wan 2.7 von Alibaba sowie Grok Imagine von xAI. Für Bilder stehen etwa Googles Nano Banana, Flux 2 von Black Forest Labs, Seedream 5 und GPT Image 2 von OpenAI bereit. Dazu kommen eigene Entwicklungen wie das Bildmodell Soul, das auf konsistente Charaktere spezialisiert ist, sowie eine interne „Reasoning Engine“, die für Konsistenz über mehrere Einstellungen hinweg sorgen soll.

Der Mehrwert liegt damit weniger im Modell selbst als im Workflow darüber: Kameraführung, Vorlagen, Charakterkonsistenz und die Möglichkeit, dasselbe Briefing durch verschiedene Modelle zu jagen. Das macht Higgsfield zugleich abhängig von Google, ByteDance und Co., die ihre Modelle auch direkt vermarkten.

Seit dem Sora-Aus ist mehr Platz am Markt

Für Higgsfield kam ein Ereignis zur rechten Zeit: OpenAI hat im Frühjahr überraschend das Ende von Sora verkündet. Die Social-Video-App und die Web-Version wurden im April abgedreht, die API folgte laut OpenAI mit dem vergangenen Donnerstag, also ausgerechnet an dem Tag, an dem Higgsfield seine Milliarde verkündete. Laut einer von TechCrunch zitierten Recherche des Wall Street Journal kostete Sora OpenAI rund eine Million Dollar pro Tag, während die Nutzer:innenzahl von etwa einer Million auf unter 500.000 fiel. Sam Altman wollte die Rechenkapazität lieber für das Kerngeschäft und den Wettlauf mit Anthropic einsetzen. Mit dem Aus platzte auch der Milliarden-Deal mit Disney, der Sora Zugriff auf mehr als 200 Figuren aus dem Disney-Universum gegeben hätte.

Damit fehlt dem Markt seither der bekannteste Name im Bereich KI-Video, samt der Marketingmacht von OpenAI und ChatGPT als Vertriebskanal. Die Zahlen von Higgsfield legen nahe, dass ein Teil der Nachfrage zu spezialisierten Plattformen gewandert ist: Zwischen Ende 2025 und Juni 2026 hat sich die Run Rate mehr als verdoppelt, danach kamen in nur drei Monaten weitere 500 Millionen Dollar dazu. Den Wegfall von Sora 2 als eines von vielen Modellen im eigenen Angebot kann Higgsfield dagegen leicht verschmerzen, dafür gibt es mit Veo, Kling und Seedance genug Alternativen. Mehr noch: Wer von einer Einzel-App wie Sora abhängig war, hat gerade gelernt, warum ein Anbieter mit mehreren Modellen die sicherere Wahl sein kann.

Die Konkurrenz

Leicht wird es für Higgsfield trotzdem nicht. Runway, Pika und Luma AI bauen ebenfalls Kreativwerkzeuge rund um KI-Video, verbrennen laut Startup Fortune aber weiterhin Risikokapital. Synthesia besetzt mit KI-Avataren das Unternehmenssegment für Schulungs- und Kommunikationsvideos. Die größte Gefahr kommt allerdings von den Modellanbietern selbst: Google vermarktet Veo über Gemini und das Filmtool Flow, Kuaishou verkauft Kling direkt an Creator:innen, und ByteDance kann Seedance jederzeit tiefer in CapCut und TikTok integrieren. Higgsfield muss also beweisen, dass der Workflow über den Modellen dauerhaft mehr wert ist als die Modelle darunter.

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