Europas DefenseTech-Startups steuern auf Funding-Rekord von 10,5 Mrd. Dollar zu
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Europäische DefenseTech-Startups haben in diesem Jahr bereits 7,4 Milliarden US-Dollar (rund 6,3 Milliarden Euro) an Risikokapital eingesammelt. Das ist fast dreimal so viel wie im gesamten Vorjahr, als die Branche auf 2,6 Milliarden Dollar kam. Das geht aus dem neuen Report „State of Defence Tech 2026“ von Dealroom und Resilience Media hervor, der soeben auf der Resilience Conference in London vorgestellt wurde. Bis Jahresende rechnen die Autor:innen mit rund 10,5 Milliarden Dollar (rund 9 Milliarden Euro).
Bemerkenswert ist, woher das Geld kommt. Wie Bloomberg berichtet, stammt erstmals mehr Kapital von US-Investor:innen als von europäischen Geldgeber:innen. Laut Report stehen amerikanische Investor:innen inzwischen für 47 Prozent des Fundings, 2020 waren es noch 17 Prozent. Zu den aktivsten zählen Accel, Founders Fund, General Catalyst, Lightspeed und Y Combinator.
Schnellster Wachstumssektor in Europa
Der Anteil von DefenseTech am gesamten europäischen Venture Capital hat sich innerhalb eines Jahres fast verdreifacht, von 4 auf 11,1 Prozent. Dealroom erwartet für den Sektor ein Wachstum von 309 Prozent und sieht ihn damit vor Space und Robotik. Der europäische VC-Markt insgesamt soll im selben Zeitraum nur um 38 Prozent zulegen.
Am meisten Geld fließt in Drohnen. Sie haben heuer in 40 Finanzierungsrunden 4,7 Milliarden Dollar angezogen. Drohnenabwehr kommt auf 1,2 Milliarden Dollar, maritime Robotik wie unbemannte Über- und Unterwasserfahrzeuge auf rund 800 Millionen Dollar.
München als Zentrum des Booms
Im Ländervergleich liegt Deutschland mit 3,5 Milliarden Dollar klar vorne, dahinter folgen Finnland mit 1,2 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 932 Millionen Dollar. Der deutsche Vorsprung geht vor allem auf zwei Münchner Unternehmen zurück. Helsing holte im Juli 1,8 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 18 Milliarden Dollar, knapp zwei Wochen zuvor hatte der Drohnenhersteller Quantum Systems 1,2 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 8 Milliarden Dollar eingesammelt. Beide Runden stellten nacheinander einen neuen Europarekord für DefenseTech auf. Zum Vergleich: 2021 reichte Helsing noch eine Series A über 113 Millionen Dollar für die Bestmarke.
Deutschland finanziert Zehntausende Abfangdrohnen von Quantum Systems für die Ukraine
Auch abseits von München entstehen neue Schwergewichte, etwa das portugiesisch-britische Drohnen-Startup Tekever mit einer Bewertung von 5,5 Milliarden Euro oder der britische Abfangraketen-Hersteller Cambridge Aerospace. In Österreich hat das Wiener DeepTech-Unternehmen TTTech kürzlich eine eigene Tochter für Space, Defense und kritische Infrastruktur gegründet.
Wenige Exits, zähe Beschaffung
Ganz ungetrübt ist das Bild allerdings nicht. Laut Report entfallen mehr als 85 Prozent des heurigen Fundings auf Mega-Runden, die Rekordsumme hängt also an einer Handvoll Unternehmen. Dazu kommen kaum Exits: Für den gesamten NATO-Raum rechnet Dealroom heuer mit 31 Exits, deren Gesamtwert mit 15,4 Milliarden Dollar aber unter dem Vorjahreswert von 18,6 Milliarden liegen soll. Unter den zehn größten DefenseTech-Exits aller Zeiten findet sich nur ein europäisches Unternehmen.
„Fehlende Exits sind in Europa tatsächlich ein Thema, aber ich glaube, in den USA ebenso“, sagte Alex Ferrara, Partner bei Bessemer Venture Partners in London, gegenüber Resilience Media. Anders als bei Enterprise-Software gebe es im Verteidigungssektor nur wenige strategische Käufer.
Die größte Hürde bleibt aber die Beschaffung. In Deutschland tun sich Startups trotz eines Verteidigungsbudgets von mehr als 100 Milliarden Euro schwer, von Testläufen zu echten Aufträgen zu kommen. In Großbritannien gingen zuletzt nur 4 Prozent der direkten Ausgaben des Verteidigungsministeriums an heimische KMU. Das Geld der Investor:innen ist also da. Ob daraus auch Systeme werden, die Armeen tatsächlich kaufen, muss sich erst zeigen.

