Ex-GitHub-Chef Dohmke greift mit Entire seinen alten Arbeitgeber an
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Er hat GitHub als letzter CEO verlassen, jetzt will er es ersetzen: Der deutsche Gründer Thomas Dohmke hat soeben mit seinem Startup Entire eine eigene Alternative zur Entwicklerplattform vorgestellt. Laut Unternehmensblog ist Entire die erste sogenannte Git-Forge, die speziell für die Zusammenarbeit von KI-Agenten und Menschen gebaut wurde. Also eine Plattform, auf der Entwickler:innen ihren Code verwalten, prüfen und veröffentlichen, in einer Welt, in der Agenten den Großteil davon schreiben.
Trails statt Pull Requests
Herzstück von Entire sind drei neue Bausteine:
- The Trail: Er ersetzt den klassischen Pull Request, bei dem Entwickler:innen Codeänderungen Zeile für Zeile durchsehen. Stattdessen bewerten bei jedem Push mehrere KI-Agenten den Code anhand eigener Tests, etwa zu Sicherheit oder „Slop“, also minderwertigem KI-Code. Die Ergebnisse landen wie in einem Cockpit-Display gesammelt vor den Entwickler:innen. Sind alle Kriterien erfüllt, kann der Code laut Entire übernommen werden, ohne dass jemand jede Zeile gelesen hat.
- Verteiltes Git-Hosting: Entire setzt auf einen eigenen, Git-kompatiblen Server. Pushes sollen damit bis zu 89-mal schneller laufen als bei GitHub und 6-mal schneller als bei Cursor Origin. Private Repositories lassen sich in den USA, der EU, Indien oder Australien hosten, was vor allem für den Datenschutz in Europa relevant ist.
- Continuous Memory: Die Sitzungen von KI-Agenten werden direkt im Repository gespeichert und bleiben für andere Agenten durchsuchbar. Ein Code-Graph soll bis zu 71 Prozent an Token sparen, ein „Agenten-Gehirn“ soll verhindern, dass Agenten dieselben Fehler wiederholen.

Dazu kommen Partnerschaften mit den CI-Anbietern Buildkite und Depot. Damit können Entwickler:innen ihre automatisierten Build- und Testprozesse aus GitHub Actions mitnehmen.
„Agenten schreiben jetzt fast alles“
„Der Pull Request hat zuerst die Open-Source- und später die Unternehmens-Softwareentwicklung revolutioniert“, sagt Dohmke. „Aber Agenten schreiben jetzt fast alles davon, schneller und komplexer als je zuvor.“ Mit Trails behandle Entire die Idee, die Spuren des Agenten und das Ergebnis einer Sitzung als gleichwertige Prüfobjekte neben dem Code.
Dohmke hatte im Vorjahr seinen Rückzug als GitHub-CEO angekündigt, um wieder Gründer zu werden. GitHub wanderte danach in Microsofts KI-Sparte CoreAI, einen eigenen CEO gibt es seither nicht mehr. Im Februar holte Entire eine Seed-Runde über 60 Millionen Dollar (rund 53,5 Millionen Euro) bei einer Bewertung von 300 Millionen Dollar, laut Entire die größte Seed-Runde in der Geschichte der Entwickler-Tools. Angeführt wurde sie von Felicis, mit dabei sind unter anderem Madrona, Microsofts Fonds M12, Cherry Ventures, Picus Capital und Global Founders Capital sowie Business Angels wie Yahoo-Gründer Jerry Yang und Datadog-CEO Olivier Pomel. Das Team ist inzwischen auf 50 Personen gewachsen. Wir haben Entire bereits im Sommer im Wasner + Steinschaden Podcast besprochen.
Die Konkurrenz
Entire ist nicht der einzige Angreifer. GitHub selbst hat mit seiner Stabilität zu kämpfen: Die Plattform verzeichnete zuletzt hunderte Störungen, auch weil KI-Agenten jeden Monat mehr als 17 Millionen Pull Requests erzeugen. Im August war GitHub fast acht Stunden weltweit offline, ausgerechnet an dem Tag, an dem das Coding-Startup Cursor mit Origin seine eigene GitHub-Alternative startete. Cursor gehört inzwischen zu Elon Musks SpaceX. Dazu kommen GitLab, das an einer neuen Generation seiner Quellcodeverwaltung für Agenten arbeitet, und der Code-Editor Zed mit seiner Agenten-Umgebung Delta.
Die größte Hürde für alle Herausforderer bleibt aber dieselbe: Große Unternehmen haben viel Geld und Aufwand investiert, um ihre Entwicklung auf GitHub zu standardisieren. Entire richtet sich deshalb zunächst an KI-native Teams. Öffentliche Repositories, Self-Hosting und Angebote für Open-Source-Projekte und Großkonzerne sollen erst folgen.

