Rechenzentren

Musk sagt Neocloud-Sterben voraus, SpaceX holt sich 40 Milliarden Dollar

SpaceX Falcon 9 rocket lifting off from the launch pad
SpaceX now earns more from A.I. computing than from Starlink. © SpaceX / Unsplash

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Wer selbst gerade 40 Milliarden Dollar eingesammelt hat, kann leicht den Untergang der Konkurrenz ausrufen: Elon Musk prophezeit den rund 200 spezialisierten KI-Cloud-Anbietern, den sogenannten Neoclouds, ein Massensterben. In einem Posting auf X schrieb er am Wochenende, die Neoclouds würden ein Sterben und eine Konsolidierung auf „Guppy-Niveau“ erleben. „Einige werden es schaffen, aber nicht viele.“ Im selben Atemzug verkündete er, dass SpaceX 40 Milliarden Dollar (rund 35,7 Milliarden Euro) an Schulden für den Kauf von Grafikchips aufgenommen hat.

Was Musk gesagt hat

Ausgangspunkt war eine Warnung von Musk, es werde bald eine Menge „gestrandeter Rechenleistung in halb fertigen Rechenzentren“ geben. Der Investor Chamath Palihapitiya griff das auf und nannte die Neoclouds „unorganisiert und schlecht kapitalisiert“. Für 2027 erwartet er Verzögerungen bei Rechenzentrumsprojekten und ein turbulentes Jahr mit Pleiten und Übernahmen. Musk antwortete mit „Ziemlich genau so“ und legte nach:

  • Kreditklemme: In den vergangenen Wochen hätten die Anleihemärkte Unternehmen, die abseits von KI-Rechenzentren keine substanziellen Umsätze haben, fast vollständig den Geldhahn zugedreht.
  • SpaceX als Ausnahme: SpaceX habe die 40 Milliarden Dollar nur bekommen, weil das Unternehmen eine Investment-Grade-Bonität habe und Umsätze mit Starlink und Raketenstarts mache.
  • Keine Übernahmen: Auf die Frage, ob er die Kurse drücken wolle, um günstig zuzukaufen, schrieb Musk: „SpaceX kauft keine Neoclouds. Sinnlos.“

Die Börse reagierte prompt. Laut Stocktwits gaben CoreWeave, Nebius und IREN im nachbörslichen Handel am Sonntag jeweils rund 2 Prozent nach. CoreWeave hat damit die dritte Verlustwoche in Folge hinter sich, binnen sechs Monaten hat sich die Aktie etwa halbiert.

Die 40 Milliarden Dollar im Detail

Ganz glatt lief die Finanzierung nicht. Noch am Freitag hatte Bloomberg berichtet, dass der Deal wegen der Turbulenzen am Kreditmarkt ins Stocken geraten sei. Die wichtigsten Eckpunkte:

  • Struktur: Die Chips sollen über eine Zweckgesellschaft finanziert werden. Damit landen die Schulden nicht in der SpaceX-Bilanz, was die Bonität schützen soll. Verwaltet werden soll das Vehikel von Atlas SP, einer Firma aus dem Umfeld des Finanzinvestors Apollo.
  • Geldgeber: Goldman Sachs führte die Gespräche mit Investor:innen rund um Apollo, auch der Anleihe-Riese PIMCO galt als interessiert.
  • Konditionen: Der größte, nachrangige Teil von 25 bis 30 Milliarden Dollar sollte zunächst eine Rendite von rund 8,5 Prozent abwerfen. Wegen des schwierigeren Marktumfelds wurde zuletzt neu verhandelt.
  • Verwendung: Laut Musk handelt es sich vor allem um vorzeitig kündbare Schulden für Grafikchips, die im ersten und zweiten Quartal 2027 geliefert werden. Er rechnet damit, den Großteil früh zurückzuzahlen.

Ein Präzedenzfall mahnt zur Vorsicht. Eine frühere Finanzierung von xAI war als Sale-and-Lease-Back gedacht, also als Verkauf mit anschließender Rückmiete. Die Wirtschaftsprüfer:innen ließen diese Konstruktion aber nicht gelten, und SpaceX musste rund 13 Milliarden Dollar (etwa 11,6 Milliarden Euro) doch als Schulden ausweisen.

SpaceX ist längst ein KI-Konzern

Musks Raketenfirma hat sich in diesem Jahr radikal gewandelt. Im Februar übernahm SpaceX Musks KI-Firma xAI, im Juni folgte der Rekord-Börsengang zu 135 Dollar je Aktie. Im dritten Quartal brachte die KI-Sparte, die SpaceX inzwischen „Super Intelligence“ nennt, erstmals mehr Umsatz als Starlink: 7,6 Milliarden Dollar von insgesamt 14,6 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar.

Das Geld kommt zu einem großen Teil aus der Vermietung von Rechenleistung an andere KI-Firmen. Der Claude-Hersteller Anthropic mietet die Rechenzentren Colossus 1 und 2 in Memphis, auch Google zählt zu den Kund:innen. Damit ist SpaceX selbst ein Konkurrent der Neoclouds, und zwar einer mit sehr viel Kapital. Ende September lag die Rechenleistung bei 1,7 Gigawatt, bis Jahresende sollen es 2,5 bis 3 Gigawatt werden. Allein im vierten Quartal will SpaceX 35 bis 40 Milliarden Dollar investieren.

Die Neoclouds unter Druck

Zu den Neoclouds zählen Firmen wie CoreWeave, Nebius, IREN, Lambda oder der britische Anbieter Nscale. Sie kaufen massenhaft Nvidia-Chips und vermieten die Rechenleistung an KI-Labore und Konzerne, finanziert zu einem großen Teil über Kredite. CoreWeave allein hatte Mitte des Jahres Schulden von 35,6 Milliarden Dollar (rund 31,8 Milliarden Euro) in den Büchern. Wie verwundbar das Modell ist, zeigte zuletzt Nscale: Dem Unternehmen ist kurz vor dem Börsengang Großkunde Microsoft abgesprungen.

Auch das Marktforschungsunternehmen Gartner ist skeptisch. Chefprognostiker John Lovelock erwartet laut Yahoo Finance, dass mehr als 80 Prozent der unabhängigen Neoclouds bis 2030 nicht mehr eigenständig sein werden. Die nötige Kapitalrendite von rund 18 Prozent würden sie erst ab 2032 erreichen. Ein Sterben im Wortsinn sieht Lovelock aber nicht: „Wir sagen nicht, dass diese Firmen pleitegehen“, sondern dass viele übernommen werden.

Die Gegenposition: „Nachfrage geht durch die Decke“

Ganz anders sieht es der wichtigste Lieferant der Branche. „Die Nachfrage nach den Neoclouds geht durch die Decke“, sagte Nvidia-Chef Jensen Huang erst kürzlich im US-Sender CNBC. Es gebe so viel Nachfrage in so vielen Bereichen der KI, dass Kapital knapp sei, aber „das wird gelöst werden“. Die Kapitalkosten von CoreWeave würden sinken, und Nvidia arbeite daran, seine Chips zu einer eigenen, finanzierbaren Anlageklasse zu machen. Nvidia ist mit rund 10 Prozent selbst an CoreWeave beteiligt.

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