Starlink Mobile: SpaceX greift die US-Mobilfunker an
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Elon Musk will jetzt auch Handyverträge verkaufen: SpaceX kauft landesweite Mobilfunkfrequenzen in den USA und baut Starlink Mobile damit zu einem echten Netzbetreiber aus. Konkret übernimmt SpaceX ein Lizenzpaket mit bis zu 14 Megahertz gepaartem Spektrum im 800-MHz-Band, wie das Unternehmen mitteilte. Verkäufer ist der Infrastruktur-Investor Grain Management, der die Frequenzen erst zuvor von T-Mobile übernommen hatte. Den Preis nennen beide Seiten nicht, Reuters schätzt den Wert auf rund 8 Milliarden Dollar (etwa 7 Milliarden Euro). „Very big deal“, kommentierte Musk auf X.
45 Milliarden Dollar Börsenwert weg
An der Wall Street kam die Botschaft sofort an. Die drei großen US-Mobilfunker verloren laut Financial Times zusammen rund 45 Milliarden Dollar (etwa 40 Milliarden Euro) an Börsenwert: Verizon, der Anbieter mit den meisten Mobilfunkkund:innen im Land, fiel um 6,9 Prozent, AT&T um 8,4 Prozent und T-Mobile US um 9,6 Prozent. Die seit dem Börsengang im Juni notierte SpaceX-Aktie legte dagegen um 1,4 Prozent zu, ein Plus von rund 30 Milliarden Dollar (etwa 27 Milliarden Euro) an Bewertung. Auch die Betreiber von Funkmasten profitierten: Crown Castle stieg um 10,2 Prozent, American Tower um 7,1 Prozent und SBA Communications um 6 Prozent.
Ganz überraschend kommt der Schritt nicht. Schon vor dem IPO hatten SpaceX-Manager:innen Investor:innen erklärt, über ein eigenes Mobilfunkangebot für Endkund:innen nachzudenken. Im Börsenprospekt zeigte sich Starlink zudem als Cashcow des Konzerns. Den Grundstein legte SpaceX im Vorjahr, als es dem angeschlagenen Betreiber EchoStar Frequenzlizenzen um 17 Milliarden Dollar (rund 15 Milliarden Euro) abkaufte.
Satellit oben, Funkmast unten
Technisch setzt SpaceX auf eine Kombination aus Weltall und Boden. Für hohe Bandbreiten soll das globale 2-GHz-Spektrum sorgen, das Starlink-Satelliten direkt an Smartphones funken. Das neue 800-MHz-Spektrum liefert dagegen eine sogenannte Coverage-Schicht: Niedrige Frequenzen reichen weiter und dringen besser durch Wände, damit funktioniert der Empfang auch in Gebäuden. Genau dort stoßen Satellitenverbindungen bisher an ihre Grenzen. Dazu will SpaceX ein eigenes terrestrisches Netz aufbauen. Laut Unternehmen unterstützen die meisten aktuellen Handys das bislang wenig genutzte Band bereits. Starlink Mobile soll damit der erste Netzbetreiber werden, der Satelliten- und Bodenspektrum gleichzeitig nutzt.
Parallel hat die US-Regulierungsbehörde FCC soeben die nächste Generation von Starlink Mobile genehmigt. SpaceX darf bis zu 15.000 Satelliten starten, die auf das 2-GHz-Spektrum optimiert sind. Die neuen V2-Satelliten sollen mehr als die 100-fache Bandbreite der aktuellen Generation liefern und unveränderte Smartphones weltweit mit schnellem Internet versorgen. Bisher arbeitet SpaceX in den USA mit Mobilfunkern wie T-Mobile zusammen, die Starlink nutzen, um Funklöcher in ländlichen Regionen zu schließen. Mit einem eigenen Angebot würde SpaceX diese Partner:innen direkt angreifen. Analyst:innen von William Blair rechnen mit Paketen aus Starlink-Internet, Mobilfunk und möglicherweise dem Chatbot Grok von xAI.
„Nur leere Funkwellen“
Die Konkurrenz gibt sich gelassen. „Es sind nur leere Funkwellen“, sagte Verizon-Sprecher Rich Young zu Reuters, ohne Netz seien Frequenzen nutzlos. Auch Bernstein dämpft die Erwartungen: Der Kauf von Spektrum sei noch keine Verpflichtung, ein landesweites Netz aufzubauen, mache diese Option aber glaubwürdiger und billiger, schreiben die Analyst:innen. Noch muss zudem die FCC der Übertragung der Lizenzen zustimmen.
Die etablierten Anbieter rüsten sich ohnehin: T-Mobile, Verizon und AT&T haben im Mai ein gemeinsames Satelliten-Joint-Venture gegründet, das einige Analyst:innen als Antwort auf SpaceX werten. Im Satelliten-zu-Handy-Markt drängen außerdem AST SpaceMobile und Amazon nach, das mit der Übernahme von Globalstar auch einen Deal mit Apple an Land zog.

