Solid Labs: Ex-Meister-CCO Patrick Prokesch launcht in Berlin KI-Engine für Video-Ads
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Wer in Österreich Exits verhandelt hat, weiß, wie man Investor:innen überzeugt, jetzt muss Patrick Prokesch beweisen, dass er auch Werbekund:innen überzeugt.
Der gebürtige Klagenfurter ist in der heimischen Startup-Szene kein Unbekannter: Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien begleitete er für die Tech-M&A-Beratung i5invest in Wien und San Francisco eine Reihe von Millionen-Exits, darunter den Verkauf des Wiener Startups Kaleido an Canva. Ende 2021 wechselte er als Chief Commercial Officer zum Wiener Software-Scale-up Meister (MindMeister, MeisterTask), dessen 44-Millionen-Euro-Runde mit Verdane er zuvor noch als Berater mitgestaltet hatte. Jetzt steht der 37-Jährige erstmals selbst als Gründer auf der Bühne: Sein Berliner Startup Solid Labs öffnet am heutigen Donnerstag nach mehr als einem Jahr im Stealth-Modus seine Plattform für alle Marken und Agenturen.
Was Solid macht
Solid versteht sich weder als Schnittprogramm noch als weiterer KI-Videogenerator, sondern als „AI Creative Engine“ für Performance-Marketing. Das Problem, das die Gründer lösen wollen, heißt in der Branche Creative Fatigue: Weil Short-Form-Videos auf TikTok und Instagram in rasantem Tempo konsumiert werden, verlieren Werbeanzeigen oft schon nach Tagen ihre Wirkung, rund 90 Prozent der Video-Ads performen laut Solid von vornherein nicht. Marken brauchen also ständig Nachschub an Varianten, und genau den soll der Solid Agent liefern. Er zerlegt das vorhandene Videomaterial einer Marke in einzelne Szenen, versteht, was darin passiert, und baut daraus in einer einzigen Unterhaltung fertige Anzeigen für Meta, TikTok und YouTube: Skript, Voiceover, Szenenauswahl, Schnitt, dazu Varianten mit neuen Hooks, in anderen Formaten und Sprachen. Tonalität und Regeln der Marke lernt das System im sogenannten Brand Hub, manuelle Eingriffe in Skript, Stimme und Video bleiben möglich.
Der Unterschied zu Sora, Veo und Co liegt im Ausgangsmaterial: Solid setzt bewusst auf echte Menschen, Produkte und Orte, weil Anzeigen mit echtem Material glaubwürdiger wirken als rein KI-generierte Inhalte. „Jedes Modell kann ein Video generieren. Was eine Marke braucht, ist ein System, das sie kennt: ihr Material, ihre Stimme, ihre besten Ads“, sagt Mitgründer und CTO Christoph Schütte, Physiker und früher Engineering Lead bei Google. Die Vision der beiden: Growth-Teams sollen künftig nur noch ein Smartphone und Solid brauchen, um ihre Ads zu produzieren.
Kunden, Zahlen und Angels
Dass der Marktstart ausgerechnet vor Black Friday und Weihnachtsgeschäft kommt, ist kein Zufall, manche Konsumgütermarken machen im vierten Quartal bis zu 40 Prozent ihres Jahresumsatzes. Im Jahr mit ausgewählten Kunden hat Solid laut eigenen Angaben bereits Video-Ads für Mediabudgets in Millionenhöhe produziert, in DACH, Benelux, Großbritannien und den USA. Die Getränkemarke HOLY produziert damit viermal schneller als zuvor und bringt Kampagnen in neuen Märkten binnen 24 Stunden live, Too Good To Go lässt seine Länderteams in 21 Märkten Anzeigen selbst lokalisieren und liegt bei den Kosten pro Erstkauf vor externen Agenturen, der Fitnessanbieter TEVEO hat aus einem einzigen Shoot über 200 finale Videos in einer Woche erstellt. Auch Ahead und die Dr. Wolff Group (Alpecin) zählen zu den Kunden.
Finanziert ist das Ganze über eine bislang nicht kommunizierte siebenstellige Pre-Seed-Runde, die 2025 unter Führung von Lucid Capital abgeschlossen wurde. Die Liste der Business Angels liest sich wie ein Who’s who der DACH-Szene: OpenClaw-Gründer Peter Steinberger (inzwischen bei OpenAI), Yepoda-Seriengründer Roman Kirsch, Epidemic-Sound-Mitgründer Tom Höglund sowie Gründer und Manager von HOLY, Parloa und Too Good To Go. Als nächsten Schritt will Solid den Kreis zwischen Produktion und Performance schließen: Die Engine soll Ads künftig direkt auf Meta, TikTok und YouTube veröffentlichen und Live-Performance-Daten zurück in die Produktion spielen, sodass jede neue Anzeige auf dem aufbaut, was gerade funktioniert.
Die Plattformen bauen dasselbe
Die größte Konkurrenz sitzt dabei nicht in Berlin, sondern bei den Werbeplattformen selbst. Meta hat angekündigt, bis Ende 2026 die komplette Ad-Erstellung per KI zu automatisieren, vom Bild über Video bis zur Zielgruppe, direkt in den eigenen Tools und für Werbekund:innen kostenlos. Google baut mit Veo und seinen Asset-Generatoren in Performance Max in dieselbe Richtung, TikTok hat mit Symphony eine eigene KI-Creative-Suite. Dazu kommen Dutzende Startups von Creatify über Arcads bis AdCreative.ai, die Video-Ads mit KI-Avataren oder aus Produktseiten generieren. Solids Wette ist, dass Marken eine plattformunabhängige Engine wollen, die ihr eigenes Material kennt, statt ihre Creatives den Algorithmen von Meta und Google zu überlassen, die am Ende vor allem ihre eigenen Werbeumsätze optimieren. Ob das als eigenständiges Geschäft trägt oder ob die Plattformen die Funktion einfach einbauen, ist die Frage, die über Solid und die gesamte Kategorie entscheidet. Prokesch kennt diese Frage aus seiner Zeit bei Meister, wo sich ein europäisches Produktivitätstool gegen Microsoft und Google behaupten musste. Diesmal sitzt er auf der anderen Seite des Tisches.
