Dachfonds

Erste Group steigt in Polens 680 Millionen Euro schweren Dachfonds ein

Peter Bosek, CEO of Erste Group
Peter Bosek, CEO of Erste Group © Pavel Becker / Erste Group

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Die Erste Group und die Erste Bank Polska haben am Donnerstag ein gemeinsames Investment in den Innovate PL Fund of Funds bekannt gegeben, das Kernstück der Initiative „Innovate Poland“, die seit November 2025 unter der Schirmherrschaft des polnischen Finanzministeriums läuft. Mit dem Einstieg beim zweiten Closing sind die beiden Institute die ersten privaten, börsennotierten Banken, die sich an dem Vehikel beteiligen. Wie viel die Erste Group zusagt, verrät sie nicht, nur das Ziel des Fonds: Mit dem Einstieg der Erste und weiterer Investoren soll er Gesamtzusagen von knapp 3 Milliarden Zloty erreichen, umgerechnet rund 680 Millionen Euro.

Wie der polnische Dachfonds funktioniert

Der Innovate PL FoF investiert nicht direkt in Unternehmen, sondern in rund 20 professionell gemanagte Private-Equity-, Private-Debt- und Venture-Capital-Fonds, mit einer angestrebten Aufteilung von 60, 20 und 20 Prozent. Verwaltet wird er von PFR Ventures, dem Investmentarm des Polnischen Entwicklungsfonds, unterstützt wird er von der polnischen Entwicklungsbank BGK und dem Europäischen Investitionsfonds (EIF). Parallel dazu läuft mit Future Tech Poland ein zweites Vehikel, das EIF und BGK gemeinsam verwalten und das auf Venture-Fonds für Seed- bis Series-B-Runden zielt. Zusammen sollen die beiden Töpfe polnische Unternehmen vom Tech-Startup bis zum Mittelständler auf Expansionskurs mit Kapital versorgen, zu marktüblichen Konditionen und mit marktgerechten Renditen. Die Investments der Erste sind also keine Förderung, sondern eine Anlage.

„Wenn Europa mehr Champions will, müssen wir die Voraussetzungen für ihr Wachstum schaffen“, sagt Erste-Group-CEO Peter Bosek. „Polen verfügt über die Talente, den Ehrgeiz und die wirtschaftliche Stärke, um mehr Unternehmen hervorzubringen, die sich international erfolgreich etablieren können.“ Michał Gajewski, CEO der Erste Bank Polska, ergänzt, die Beteiligung zeige, „dass Polen ein strategischer Markt für die Gruppe ist und sie langfristige Pläne für das Land verfolgt“.

Warum Bosek so viel in Polen macht

Die Pläne sind mehr als langfristig, sie sind die größte Wette der Firmengeschichte. Im Jänner hat die Erste Group die Übernahme von 49 Prozent an der Santander Bank Polska und 50 Prozent an deren Fondsgesellschaft abgeschlossen, für rund 7 Milliarden Euro, die größte Auslandstransaktion, die die Bank je gemacht hat, finanziert ohne Kapitalerhöhung. Die Bank, drittgrößte des Landes mit über 8 Prozent Marktanteil, firmiert seit kurzem als Erste Bank Polska. Bosek, seit 2024 an der Spitze der Erste, hat den Deal mit der Logik begründet, dass Polen der wichtigste Wachstumsmarkt Europas ist: 38 Millionen Einwohner:innen, seit Jahren Wachstumsraten, von denen Österreich nur träumt, ein Bankenmarkt, der im Vergleich zu Westeuropa noch wenig durchdrungen ist, und eine Wirtschaft, die wegen der Lage an der NATO-Ostflanke massiv in Rüstung, Energie und Infrastruktur investiert. Die Erste war mit acht Banken in Österreich, Tschechien, der Slowakei, Rumänien, Ungarn, Kroatien und Serbien bereits die führende Bankengruppe Zentraleuropas, Polen war die große Lücke in der Landkarte.

Das Investment in den Dachfonds ist die logische Fortsetzung: Wer ein Land als Kernmarkt deklariert, muss auch dessen Unternehmen finanzieren, und zwar nicht nur mit Krediten, sondern mit Eigenkapital für jene Firmen, die Banken klassisch nicht finanzieren können. „Mit unserer Beteiligung an Innovate Poland tragen wir dazu bei, die Finanzierungsmöglichkeiten für innovative Unternehmen zu verbessern und ihnen den Weg zu internationaler Größe zu ebnen“, sagt Bosek. „Gleichzeitig unterstreichen wir damit unseren Anspruch, ein langfristiger Partner für Wachstum und wirtschaftlichen Erfolg in Polen und Zentraleuropa zu sein.“ Dass die polnische Regierung dafür mit PFR, BGK und EIF einen fertigen, staatlich verankerten Rahmen bereitstellt, in den private Investoren nur noch einsteigen müssen, macht die Entscheidung leicht. Für die Erste ist es zugleich ein Signal an Warschau, wo die Übernahme einer der größten Banken durch einen ausländischen Konzern nicht nur Begeisterung ausgelöst hat.

Status quo in Österreich: 23 Millionen Euro bis 2029

Die Erste Group hat damit in Polen getan, was sie in Österreich noch nicht tun kann. Der heimische Dachfonds, seit Jahren von der Startup-Szene gefordert, im September 2025 vom Ministerrat beschlossen, soll laut Industriestrategie der Regierung erst Anfang 2027 operativ werden. Ein Konzeptpapier aus dem Büro von Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, das Trending Topics vorliegt, zeigt den aktuellen Stand: Zielvolumen rund 500 Millionen Euro, der Bund als Ankerinvestor mit bis zu 100 Millionen Euro, umgesetzt über die aws, die das Management international ausschreibt. Budgetwirksam sind in der laufenden Legislaturperiode bis 2029 allerdings nur 23,23 Millionen Euro, die restlichen rund 77 Millionen sollen zwischen 2030 und 2042 fließen, großteils aus Rückflüssen bestehender aws-Beteiligungen und des Fonds selbst. Die Details werden noch mit dem Finanzministerium abgestimmt, ein verbindliches Commitment über die vollen 100 Millionen ist Voraussetzung für den Start.

Die Parallelen zu Polen sind offensichtlich, die Unterschiede auch. Beide Modelle sind Fund-of-Funds mit öffentlichem Anker und privaten Investoren, beide zielen auf Pensionskassen, Versicherungen und Banken als Geldgeber. Polen hat seinen Fonds binnen eines Jahres aufgesetzt, mit Entwicklungsbank, Staatsfonds und EIF als Rückgrat und knapp 680 Millionen Euro als Ziel, Österreich diskutiert seit 2023 und hat noch kein Management. Ob die Erste Group, die mit der Sparkassengruppe zu den größten institutionellen Investoren des Landes zählt, auch in Wien als Ankerinvestor einsteigt, hat sie bisher nicht gesagt.

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