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Bitcoin bei 80.000 Dollar: Analyst:innen bleiben nach den Midterms bei Krypto skeptisch

Bitcoin on a trading chart
Bitcoin on a trading chart © Kanchanara / Unsplash

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Die Wahl ist vorbei, die Unsicherheit weg, und trotzdem fehlt Bitcoin das Wichtigste: Käufer:innen.

Auf den demokratischen Durchmarsch bei den US-Zwischenwahlen hat der Kryptomarkt zunächst mit einem Rutsch reagiert, Bitcoin fiel in der Wahlnacht auf rund 75.600 Dollar, ehe er am Mittwoch wieder über 80.000 Dollar stieg. Zwei der größten europäischen Krypto-ETP-Anbieter haben die Lage in ihren Marktkommentaren analysiert, und beide kommen zu einem ähnlichen Schluss: Das Wahlergebnis war eingepreist, die Erholung kam vom Ende der Unsicherheit und von aufgelösten Short-Positionen, und die eigentliche Bewährungsprobe steht noch bevor.

21shares: „Die Wahl hat keine neuen Käufer gebracht“

Adrian Fritz, Chief Investment Strategist von 21shares, richtet den Blick auf die Kapitalflüsse. Die wichtigste Bitcoin-Käufergruppe der vergangenen Jahre, die US-Spot-ETFs, hält sich zurück: Nach Zuflüssen von 2,6 Milliarden Dollar im September verzeichneten die Fonds im Oktober Nettoabflüsse von rund 290 Millionen Dollar. In den fünf Handelstagen bis zum Wahltag summierten sich die Abflüsse laut Daten von Trader T auf rund 1,07 Milliarden Dollar, so viel wie seit Anfang Juli nicht mehr. Am Tag nach der Wahl flossen zwar erstmals wieder netto rund 75 Millionen Dollar zu, BlackRocks IBIT, der größte Fonds, verlor aber gleichzeitig rund 200 Millionen Dollar. „Die Wahl hat eine Unsicherheit beseitigt, aber keine neuen Käufer gebracht“, so Fritz.

Entscheidend ist für ihn eine Schwelle: Der durchschnittliche Einstiegspreis der ETF-Anleger:innen liegt bei rund 82.000 Dollar, knapp über dem aktuellen Kurs. „Ob diese Anleger beim Erreichen ihrer Gewinnschwelle verkaufen oder nachkaufen, ist aus unserer Sicht der wichtigste Indikator für die kommenden Wochen.“ Auch die Bitcoin-Treasury-Unternehmen, die zuletzt große Mengen gekauft haben, stehen mit einem Einstiegspreis von rund 80.000 Dollar unter Druck, und am 11. November entscheidet der Indexanbieter MSCI, ob Firmen wie Strategy aus seinen Indizes fliegen, was deren weitere Käufe bremsen könnte. Am Derivatemarkt wurde zuletzt wieder mehr Hebel aufgebaut, zugleich stieg die Nachfrage nach Absicherung. „Kursgewinne, die vor allem aus aufgelösten Short-Positionen entstehen, ersetzen keine nachhaltige Nachfrage.“ Fritz‘ Szenario: Gelingt die Rückkehr stabiler ETF-Zuflüsse und überwindet Bitcoin die 82.000 Dollar, hellt sich das Bild deutlich auf. Fällt der Kurs unter die Zone zwischen 76.000 und 78.000 Dollar, wäre ein Test des 200-Tage-Durchschnitts bei rund 73.000 Dollar wahrscheinlich. Dazwischen liegen die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag und die Inflationsdaten am 10. November, die die Erwartung einer Zinserhöhung im Dezember prägen dürften.

CoinShares: „Die Wahl selbst war nie der maßgebliche Einflussfaktor“

James Butterfill, Head of Research bei CoinShares, nimmt die politische Seite auseinander. Bitcoin habe den Wahlsieg der Demokraten „bemerkenswert gelassen aufgenommen“, weil sich die Märkte seit Wochen darauf eingestellt hatten. Die interessantere Frage sei, ob Trump nun zur „Lame Duck“ werde oder zu einem noch weniger berechenbaren Akteur: In Außen- und Handelspolitik und beim Regieren per Dekret behalte er beträchtliche Befugnisse. „Weniger Möglichkeiten, Gesetze durchzusetzen, bedeuten keineswegs weniger Einfluss auf die Märkte.“

Für die Krypto-Regulierung erwartet Butterfill „eher ein langsameres Gesetzgebungstempo als einen grundlegenden Kurswechsel“. Der CLARITY Act, das Marktstrukturgesetz für digitale Vermögenswerte, das der Kongress 2025 erstmals verabschiedet hatte, steht nun vor deutlich höheren Hürden und muss im neuen Kongress ab Jänner wohl neu anlaufen, da sind sich beide Analysten einig. Die demokratische Mehrheit verschaffe der Partei zudem Einfluss auf Ausschüsse, Personalbesetzungen und Untersuchungen zu Krypto-Unternehmungen mit Trump-Verbindungen, „das könnte für einige unangenehme Schlagzeilen sorgen“. Allerdings habe CLARITY gegenüber dem Vorjahr an Gewicht verloren: Das Stablecoin-Gesetz GENIUS ist in Kraft, SEC und CFTC haben eigene Regeln zu tokenisierten Wertpapieren und Marktstruktur vorangetrieben. „Der Kongress ist längst nicht mehr der einzige Weg zu regulatorischen Fortschritten.“

Die Folgen treffen den Markt ungleich. Bitcoin sei gegenüber dem Gesetzgebungsstreit „relativ gut abgeschirmt“, weil sein regulatorischer Status geklärt ist. Für US-Kryptobörsen, Token-Emittenten und Firmen, die auf neue Genehmigungen angewiesen sind, stehe deutlich mehr auf dem Spiel. Strengere Kontrolle könne regelkonforme Anbieter sogar stärken, indem sie die Kosten für schwächere Wettbewerber erhöht. Unter den börsennotierten Krypto-Unternehmen hält Butterfill vor allem Miner mit gesichertem Stromzugang und laufenden Rechenzentren für interessant, weil die großen KI-Cloudanbieter um genau diese Infrastruktur konkurrieren.

Die Zinsen geben den Ton an

Abseits der Politik orientiere sich Bitcoin weiter an Zinsen, Liquidität und institutionellen Kapitalströmen, so Butterfill. Der gefallene Ölpreis nach vorsichtigen Fortschritten in den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran mindere den Inflationsdruck und gebe der Fed etwas mehr Spielraum. Die US-Wirtschaft bleibe aber „hartnäckig robust“: 7,5 Millionen offene Stellen im September, 86.000 neue Jobs im ADP-Bericht statt erwarteter 67.000, starke Einkaufsmanagerindizes. Für den Arbeitsmarktbericht am Freitag hält CoinShares die Konsenserwartung von rund 65.000 neuen Stellen für „eher pessimistisch“ und rechnet mit einem Wert näher an 100.000. An der Dezember-Sitzung der Fed ändere das wenig, eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte sei weitgehend eingepreist. Daraus ergibt sich für Butterfill eine ungewöhnliche Konstellation: Die Wahl bremst die Krypto-Gesetzgebung, beseitigt aber politische Unsicherheit, sinkende Ölpreise verbessern die Inflationsaussichten, die robuste Konjunktur hält die Fed von Lockerungen ab. „Die Wahl selbst war nie der maßgebliche Einflussfaktor. Realrenditen, Dollarliquidität und die Nachfrage nach börsengehandelten Anlageprodukten bleiben wichtiger.“ Den gesetzgeberischen Rückschlag dürfte der übrige Kryptomarkt daher stärker spüren als Bitcoin selbst.

Wie die Aktienmärkte auf den Wahlausgang reagierten, mit einem Ausverkauf bei KI- und Chipwerten und einem Rutsch bei Kryptowährungen aus Sorge um die stockende Gesetzgebung, hat Trending Topics am Tag nach der Wahl analysiert. Zwei Tage später sieht der Markt so aus:

# Asset Preis 24h 7d
1 Bitcoin (BTC) $79.586 +1,69% −0,64%
2 Ethereum (ETH) $2.386,45 +3,09% +2,90%
3 BNB (BNB) $710,46 +1,65% −3,96%
4 XRP (XRP) $1,31 +2,15% +1,05%
5 Solana (SOL) $95,26 +2,83% −5,09%
6 TRON (TRX) $0,3181 −0,25% −3,96%
7 Zcash (ZEC) $1.302,75 +1,79% +1,71%
8 Hyperliquid (HYPE) $81,61 −3,34% −6,89%
9 Monero (XMR) $637,24 −1,08% +6,30%
10 Dogecoin (DOGE) $0,07583 +1,60% −3,49%
11 Chainlink (LINK) $11,41 +2,78% −1,62%
12 UNUS SED LEO (LEO) $9,35 +0,30% −1,20%
13 Cardano (ADA) $0,1952 +3,00% −2,94%

Quelle: CoinGecko, Stand Donnerstagnachmittag, ohne Stablecoins.

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