KI frisst das Smartphone: Auslieferungen brechen um 22 Prozent ein
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Der KI-Boom hat ein prominentes Opfer: Die weltweiten Smartphone-Auslieferungen sind im dritten Quartal um 22 Prozent auf 255,3 Millionen Geräte eingebrochen. Das ist der stärkste Rückgang, den das Marktforschungsunternehmen IDC je gemessen hat. Im Vorjahresquartal waren es noch 327,3 Millionen Stück.
Speicherchips als Preistreiber
Schuld ist laut IDC eine „KI-getriebene Speicherkrise“. Weil Rechenzentren für KI-Modelle riesige Mengen an Arbeitsspeicher schlucken, sind die Kosten für Speicherchips im Jahresvergleich um rund 350 Prozent gestiegen. Das trifft Smartphone-Hersteller doppelt: Die Komponenten werden teurer und knapper. Die Krise hatte sich schon länger angekündigt, zuletzt traf die Speicherchip-Knappheit etwa Apples MacBook Air.
Der Abwärtstrend hat sich im Laufe des Jahres massiv beschleunigt. Im ersten Quartal lag das Minus noch bei 2,9 Prozent, im zweiten bei 7,4 Prozent. Und jetzt kommen die höheren Kosten bei den Kund:innen an. „Der Druck verlagert sich jetzt von den Herstellern zu den Konsument:innen“, sagt IDC-Vizepräsident Francisco Jeronimo. Viele würden ihre Geräte deshalb länger behalten.
Die Großen verlieren weniger
Am härtesten trifft es die chinesischen Hersteller, die stark im preissensiblen Segment unterwegs sind. Apple und Samsung kommen dagegen vergleichsweise glimpflich davon und bauen ihre Marktanteile sogar aus:
| Hersteller | Auslieferungen (Mio.) | Veränderung | Marktanteil |
|---|---|---|---|
| Samsung | 57,8 | -5,8 % | 22,6 % |
| Apple | 57,3 | -4,0 % | 22,4 % |
| Xiaomi | 30,7 | -29,2 % | 12,0 % |
| OPPO | 25,6 | -34,5 % | 10,0 % |
| vivo | 19,1 | -31,5 % | 7,5 % |
| Andere | 64,8 | -32,5 % | 25,4 % |
Auch die Preise ziehen an. Apple hat laut Berichten die neuen iPhone-18-Pro-Modelle um 100 Dollar (rund 89 Euro) verteuert, Samsung die Galaxy-S26-Reihe.
„Das Schlimmste kommt erst noch“
Eine Erholung ist nicht in Sicht. „Das Schlimmste kommt erst noch“, sagt IDC-Analystin Nabila Popal. Der Markt habe den Boden noch nicht erreicht. IDC hat seine Prognose für das Gesamtjahr bereits dreimal gesenkt, zuletzt auf ein Minus von 16,7 Prozent. Für 2027 rechnen die Analyst:innen mit einem weiteren Rückgang um 2,9 Prozent auf knapp über eine Milliarde Geräte, eine Erholung erst ab 2028.
Ganz einheitlich ist das Bild allerdings nicht. Die Marktforscher:innen von Counterpoint Research beziffern den Rückgang im dritten Quartal mit 20 Prozent etwas niedriger. Und laut IDC stiegen die Speicherkosten im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal nur noch im niedrigen zweistelligen Prozentbereich, nach 50 bis 100 Prozent in den Quartalen davor. Zudem planen einige Hersteller trotz der Flaute mit höheren Produktionsmengen, um sich vor einer erwarteten Verknappung im nächsten Jahr einzudecken. Für die Börse sind die Zahlen ein weiteres Puzzleteil im aktuellen Ausverkauf bei KI- und Chipwerten.

