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Inflation, Schulden, China: Warum KI-Aktien gerade ordentlich einbrechen

Collage of a falling red stock chart over a data center and a chip, with the labels Nvidia, CoreWeave, Samsung, SK Hynix, Cerebras, Z.ai and AMD

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Der KI-Rausch an den Börsen bekommt soeben seinen Kater, und der trifft ausgerechnet jene, die bisher am meisten gefeiert wurden: die Chiphersteller.

Nach dem Kursrutsch an der Wall Street am Mittwoch ging es am Donnerstag in Asien und Europa weiter bergab, wie die Financial Times berichtet. Futures auf den Nasdaq 100 lagen vor dem US-Handelsstart gut 1,3 Prozent im Minus, nachdem der Index schon am Vortag rund 2 Prozent verloren hatte. Laut CNBC haben die 20 wertvollsten KI- und Halbleiteraktien der Welt allein in dieser Woche mehr als 1 Billion Dollar an Börsenwert verloren.

Speicherchips und Zulieferer unter Druck

Die größten Verluste gab es dort, wo die Gewinne zuletzt am stärksten waren. Micron, Western Digital, Sandisk und Seagate, allesamt Profiteure des Chip-Rallys in diesem Jahr, verloren vorbörslich mehr als 4 Prozent.

In Asien fielen die Abschläge noch deutlicher aus. Die südkoreanischen Schwergewichte SK Hynix und Samsung Electronics verloren 11,1 beziehungsweise 9,5 Prozent. Der südkoreanische Leitindex Kospi fiel zeitweise um fast 9 Prozent und löste den zehnten Handelsstopp (Circuit Breaker) in diesem Jahr aus, wie Investing.com berichtet. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor damit den sechsten Handelstag in Folge, so lange wie zuletzt im Mai 2025. In Japan sackte der Topix um 2,4 Prozent ab, SoftBank (Investor bei OpenAI) büßte 9,3 Prozent ein, der Speicherspezialist Kioxia sogar 12,3 Prozent.

Auch in Europa traf es die wenigen großen Techwerte hart. Ein Index der Technologiekonzerne fiel um 2,9 Prozent, ASML als größtes Unternehmen des Kontinents verlor am Vormittag 5 Prozent, ASM International und Infineon gaben jeweils rund 8 Prozent nach.

Das Kursbild seit Wochenbeginn

Wie breit der Abverkauf ist, zeigt der Blick auf die Kursverläufe seit Wochenbeginn.

TradingView line chart showing the five-day price performance of SK Hynix, Z.ai, Samsung, MiniMax, CoreWeave, Cerebras, AMD, Nvidia and Bitcoin, with SK Hynix down 23 percent

Die Grafik von TradingView, aufgenommen am Donnerstagmittag, macht die Rangordnung der Verluste sichtbar und zeigt die Entwicklung der letzten 5 Tage. Am schwersten trifft es die Speicherchip-Giganten: SK Hynix steht mit minus 23,1 Prozent an der Spitze der Verlustliste, Samsung (als GDR in London gehandelt) liegt bei minus 17,3 Prozent. Fast gleichauf folgen CoreWeave mit minus 17,1 Prozent und die in Hongkong notierten chinesischen KI-Entwickler Z.ai (minus 20,0 Prozent) und MiniMax (minus 17,5 Prozent). Der KI-Chipspezialist Cerebras verliert 9,6 Prozent. Vergleichsweise glimpflich kommen Nvidia mit minus 2,9 Prozent und AMD mit minus 3,8 Prozent davon.

Inflation und Zinsen als Auslöser

Den Anstoß lieferten Konjunkturdaten. Die US-Inflation stieg im September auf 3,7 Prozent. Anleger:innen setzen seither verstärkt auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed, was teure Wachstumsaktien besonders belastet. Laut Investing.com stieg die am Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der nächsten Fed-Sitzung Ende des Monats auf knapp 32 Prozent, nach gut 22 Prozent zuvor. Gleichzeitig flüchten viele in Staatsanleihen: Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries fiel auf 5,08 Prozent, den tiefsten Stand seit drei Wochen.

Die Schuldenfrage hinter dem KI-Boom

Die Inflationszahlen trafen auf ohnehin angespannte Nerven. Der KI-Boom wird in großem Stil mit Schulden finanziert, und genau diese Finanzierung rückt in den Fokus. Barclays-Aktienstratege Emmanuel Makonga sieht die zentrale Sorge darin, wann der außergewöhnliche Investitionszyklus bei KI seinen Höhepunkt erreicht. Er spricht von einer Neubewertung des gesamten KI-Trades. Broadcom-Chef Hock Tan warnte laut Investing.com zusätzlich, manche KI-Investor:innen würden praktisch zocken.

Als Warnsignal gilt CoreWeave. Der Preis für die Absicherung gegen einen Ausfall der Fünfjahresanleihen (Credit Default Swaps) stieg am Mittwoch über 11 Prozentpunkte. Anleger:innen zahlen damit mehr als 11 Dollar pro 100 Dollar Schulden, um sich abzusichern. Die Aktie fiel zeitweise um 17 Prozent, und die Anleihen mit Fälligkeit 2032 notierten unter 78 Cent pro Dollar Nennwert, obwohl sie vor vier Monaten noch zum vollen Preis ausgegeben wurden. Zweifel gibt es, ob der Anbieter seine Ausgaben finanzieren kann, indem er Rechenleistung an Big-Tech-Konzerne vermietet. SMBC-Stratege Hank Calenti spricht von einem Ausverkauf, der vom Geschäftsmodell getrieben ist.

Anthropic wächst langsamer als erwartet

Zusätzlich sorgte eine Zahl aus der KI-Branche für Unruhe. Das KI-Labor Anthropic hat Investor:innen laut FT mitgeteilt, dass sein Umsatz im dritten Quartal um knapp 50 Prozent auf 16,8 Milliarden Dollar gestiegen ist. Das ist weniger dynamisch als zu Jahresbeginn und liegt unter den Erwartungen mancher Geldgeber:innen. Für einen Markt, der auf ungebremstes Wachstum eingepreist ist, reicht schon ein kleines Abflachen der Kurve, um nervös zu werden.

China erhöht den Druck

Ein weiterer Faktor ist die Konkurrenz aus China. Der chinesische DRAM-Hersteller CXMT hat zu Wochenbeginn erklärt, bei hochmoderner Technologie Fortschritte gemacht zu haben. Société-Générale-Stratege Charles de Boissezon sagt, wachse der Wettbewerbsdruck aus China, müssten die Margenprognosen für US-Techkonzerne neu bewertet werden. Als unmittelbaren Auslöser der jüngsten Verkäufe nennt er allerdings Inflation und Zinserwartungen.

Fundamentaldaten bleiben stark

Es gibt auch Daten, die gegen eine Abkehr vom KI-Boom sprechen. Der Auftragsfertiger TSMC meldete laut Investing.com das sechste Rekordquartal in Folge, der Nettogewinn im dritten Quartal stieg um 68,7 Prozent und übertraf die Erwartungen, getrieben von der Nachfrage nach KI-Chips. Die Aktie gab in Taiwan dennoch um 2,2 Prozent nach. Anthropic wiederum erreichte nach eigenen Angaben eine bereinigte Profitabilität, und das Umsatzplus zeigt eine weiterhin stark wachsende Nachfrage nach KI-Diensten, die ihrerseits Rechenleistung und damit Chips benötigt.

Entscheidend dürfte sein, wie die Fed auf die Inflationsdaten reagiert und ob sich die Sorgen um die Finanzierung der Rechenzentren verfestigen oder wieder abebben. Bis dahin bleibt der Chipsektor ein Markt, in dem schon einzelne Zahlen große Kursbewegungen auslösen.

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