Spionage

Jensen Huang gesteht Affäre, Nvidia-Board startet Untersuchung

Jensen Huang speaking to guests at an NVIDIA reception in Paris
Jensen Huang at the NVIDIA reception in Paris. © NVIDIA

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Der Chef des wertvollsten Chipkonzerns der Welt muss sich vor seiner eigenen Belegschaft erklären: Jensen Huang hat in einer Mail an die Nvidia-Mitarbeiter:innen eingeräumt, seiner Frau untreu gewesen zu sein. „Ich war meiner Frau untreu“, schreibt Huang laut Bloomberg. „Es gibt keine Entschuldigung für das, was ich getan habe.“ Parallel dazu hat das Board of Directors von Nvidia eine unabhängige Untersuchung eingeleitet, weil Huang Ziel einer ausländischen Geheimdienstoperation gewesen sein soll.

Die Vorgeschichte

Den Stein ins Rollen gebracht hat Ende Oktober die New York Times. Sie berichtete, dass US-Geheimdienste Alice Huang, eine Managerin des Nvidia-Kunden Megaspeed aus Singapur, für eine Informantin Pekings halten und dass sie engen Kontakt zu Jensen Huang hatte. Verwandt sind die beiden nicht. Megaspeed steht im Verdacht, Nvidia-Chips unter Umgehung der US-Exportkontrollen nach China gebracht zu haben.

In den vergangenen Tagen legten NYT und Financial Times nach: Alice Huang soll direkt für Chinas Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet haben, mit dem Auftrag, den Nvidia-Chef zum Lobbying für Chip-Exporte nach China zu bewegen. Laut einem Memo der US-Regierung, über das die FT berichtete, gehen US-Beamt:innen zudem von einer romantischen Beziehung zwischen den beiden aus. Nvidia hatte dazu zunächst geschwiegen.

Das Geständnis

Jetzt hat Huang reagiert. „Ich schulde meiner Familie und euch allen eine Entschuldigung“, schreibt er in der Mail, über die zuerst Axios berichtete. Seine Handlungen hätten seine Frau und die gemeinsamen Kinder verletzt, es tue ihm zutiefst leid. Er übernehme die volle Verantwortung und sei seinen Pflichten gegenüber Board, Aktionär:innen und Mitarbeiter:innen nicht gerecht geworden. Nvidia zu führen sei „das Privileg meines Lebens“, er wolle sich das Vertrauen der Belegschaft zurückerarbeiten. Alice Huang nennt er in den bekannt gewordenen Auszügen nicht namentlich. Huang ist seit 41 Jahren mit seiner Frau Lori verheiratet.

Was das Board untersucht

In einer Stellungnahme kündigt das Board eine unabhängige Untersuchung der Berichte an, wonach Huang Ziel einer ausländischen Geheimdienstoperation war. Geleitet wird sie von einem Ausschuss unabhängiger Direktor:innen, unterstützt von externen, unabhängigen Anwält:innen. Namen und Kanzlei hat Nvidia nicht genannt. Das Board werde „alle verfügbaren Informationen“ prüfen, habe aber „keinen Grund zur Annahme“, dass die nationale Sicherheit oder Geschäftsgeheimnisse von Nvidia kompromittiert wurden. Gleichzeitig stärkt das Gremium dem Chef den Rücken: Man habe Vertrauen in Huang und sein Führungsteam, Huang unterstütze die Prüfung und werde kooperieren.

Laut Bloomberg bleibt Huang bis zum Abschluss der Untersuchung CEO. China, Megaspeed und das Ministerium für Staatssicherheit kommen in der Stellungnahme nicht vor.

Wer im Board sitzt

Das Board von Nvidia besteht aus elf Mitgliedern, zehn davon gelten als unabhängig. Auffällig ist, wie lange viele schon dabei sind: Neben Huang selbst sitzen der frühere Sutter-Hill-Investor Tench Coxe (68) und Harvey C. Jones (73) von Square Wave Ventures seit der Gründung 1993 im Gremium. Mark A. Stevens (66) von S-Cubed Capital war schon von 1993 bis 2006 dabei und ist seit 2008 wieder zurück.

Die wichtigsten Funktionen liegen bei drei Mitgliedern. Lead Independent Director ist Stephen C. Neal (77), Chairman Emeritus der Anwaltskanzlei Cooley, der auch den Nominierungs- und Governance-Ausschuss leitet. Den Prüfungsausschuss führt A. Brooke Seawell (78), Venture Partner bei New Enterprise Associates und seit 1997 im Board. Dem Vergütungsausschuss sitzt Dawn Hudson (68) vor, früher Marketingchefin der NFL und CEO von Pepsi-Cola North America.

Jünger und neuer sind John O. Dabiri (46), Professor am California Institute of Technology, und Aarti Shah (61), frühere Digitalchefin des Pharmakonzerns Eli Lilly, beide seit 2020. Melissa B. Lora (63), frühere Präsidentin von Taco Bell International, kam 2023 dazu, die frühere Goldman-Sachs-Vizechefin Suzanne Nora Johnson (68) erst im Juli. Wer davon im Untersuchungsausschuss sitzt, hat Nvidia nicht bekanntgegeben.

Mögliche Konsequenzen

Wie es weitergeht, hängt vor allem davon ab, was die Untersuchung zutage fördert. Die nächste Hürde wartet in Washington: Die Vorsitzenden der Ausschüsse für China, Außenpolitik und Geheimdienste im Repräsentantenhaus wollen Huang Mitte November zu einem vertraulichen Briefing laden, und auch die demokratische Senatorin Elizabeth Warren fordert Antworten von Huang und dem Board.

Heikel ist das auch für Nvidias Exportpolitik. Huang hatte heuer persönlich bei Präsident Trump dafür lobbyiert, H200-Chips nach China liefern zu dürfen. Sollte sich bestätigen, dass genau das Ziel der Spionageoperation war, dürfte Nvidias Einfluss in Washington leiden.

Bleibt die Führungsfrage. Bei anderen Tech-Konzernen kosteten private Verfehlungen schon CEOs den Job, Intel-Chef Brian Krzanich musste 2018 wegen einer Beziehung zu einer Mitarbeiterin gehen. Huang ist allerdings Gründer, Gesicht und strategischer Kopf von Nvidia, ein Abgang wäre für den Konzern ein weit größerer Einschnitt. Wie die Anleger:innen auf das Geständnis reagieren, zeigt sich am Montag. Nvidia ist an der Börse mehr als 4 Billionen Dollar wert.

Kein Beweis für Geheimnisverrat

Bei aller Aufregung: Bewiesen ist bislang nicht, dass Huang vertrauliche Informationen weitergegeben hat. Die Vorwürfe zur Spionageoperation stützen sich auf anonyme Quellen aus US-Regierungskreisen, und das Board sieht nach eigenen Angaben keinen Hinweis auf kompromittierte Geheimnisse. Nvidia betonte bereits zuvor, keine vertraulichen Informationen an Kund:innen weiterzugeben, und hatte nach den Schmuggelvorwürfen gegen Megaspeed intern kein Fehlverhalten gefunden. Nvidia-Sprecher John Rizzo sagte, die Offenlegung werde Nvidia „nicht bremsen“. Die chinesische Botschaft in Washington weist die Berichte als Verleumdung zurück.

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