Inkling 2: Mira Murati überholt Mistral als stärkstes Open-Weight-Modell außerhalb Chinas
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Europas Krone bei den offenen KI-Modellen hat nur eine Woche gehalten: Thinking Machines, das Startup der früheren OpenAI-Technikchefin Mira Murati, hat soeben Inkling 2 Small vorgestellt. Sobald die Gewichte veröffentlicht sind, ist es laut dem Benchmark-Dienst Artificial Analysis das stärkste offene Modell, das nicht aus China kommt, und lässt damit Mistral Large 4 hinter sich. Parallel dazu verhandelt Murati laut Business Insider über eine Finanzierungsrunde von 5 Milliarden Dollar (rund 4,5 Milliarden Euro).
Was Inkling 2 Small kann
Inkling 2 Small ist die zweite Modellgeneration von Thinking Machines. Die wichtigsten Eckdaten:
- Größe: 594 Milliarden Parameter, davon 17 Milliarden pro Anfrage aktiv (Mixture of Experts). Das Modell verarbeitet Text und Bilder.
- Verfügbarkeit: Vorerst gibt es das Modell nur über die hauseigene Trainingsplattform Tinker und deren Testumgebung Tinker Playground. Die Gewichte will Thinking Machines unter der freien Apache-2.0-Lizenz „nächste Woche“ veröffentlichen, nach externen Sicherheitstests.
- Preis: 0,30 Dollar (rund 0,27 Euro) pro Million Input-Tokens und 1 Dollar (rund 0,90 Euro) pro Million Output-Tokens.
- Index: Im Intelligence Index von Artificial Analysis kommt das Modell auf 31 Punkte, 18 mehr als der Vorgänger Inkling Small. Damit liegt es gleichauf mit Googles Gemini 3.8 Flash und vor Xiaomis MiMo-V2.6-Pro.
Zum Vergleich: Mistral Large 4 kommt auf 26 Punkte, Muse Spark Open von Meta auf 25. Vor Inkling 2 Small liegen bei den offenen Modellen nur noch die chinesischen Spitzenreiter DeepSeek V4.1 Flash und GLM-5.3 von Z.ai mit je 32 Punkten.
Stark bei Agenten, gesprächig beim Rechnen
Die größten Sprünge macht Inkling 2 Small bei Aufgaben, die ein KI-Agent selbstständig über längere Zeit erledigt. Laut Artificial Analysis:
- Automatisierung: Im Test AutomationBench-AA steigt die Quote von 5 auf 46 Prozent.
- Programmieren: Im FrontierCode 2.0 erreicht das Modell 25 Prozent, deutlich mehr als Claude Sonnet 5.5 von Anthropic mit 11 Prozent. Im Agenten-Test Terminal-Bench 4.0 liegt es mit 13 Prozent aber klar hinter Sonnet mit 30 Prozent.
- Büroarbeit: Beim AA-Briefcase, der lange Geschäftsabläufe mit Tabellen, Präsentationen und Memos testet, liegt Inkling 2 Small mit 1527 Elo-Punkten vor Claude Sonnet 5.5 (1439) und Gemini 3.8 Flash (1203).
- Halluzinationen: Die Rate erfundener Antworten sinkt von 61 auf 27 Prozent.
Der Fortschritt hat aber seinen Preis. Pro Aufgabe im Index produziert das Modell rund 150.000 Output-Tokens, viermal so viele wie der Vorgänger und fast fünfmal so viele wie Claude Sonnet 5.5. Eine Aufgabe kostet damit 1,18 Dollar (rund 1,06 Euro), fast sechsmal so viel wie bei Inkling Small. Günstig bleibt das Modell trotzdem: Gemini 3.8 Flash kostet pro Aufgabe 7,77 Dollar (rund 6,98 Euro), Claude Sonnet 5.5 10,02 Dollar (rund 9 Euro).
5 Milliarden Dollar für Murati
Gleichzeitig steht Thinking Machines vor einer der größten Finanzierungsrunden der KI-Branche. Laut Business Insider will das Startup 5 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 40 Milliarden Dollar (rund 35,9 Milliarden Euro) vor dem Investment einsammeln, angeführt vom Risikokapitalgeber Accel. Abgeschlossen ist die Runde noch nicht, bestätigt hat sie bisher niemand.
Der Weg dorthin war holprig. Im Juli 2025 hatte Murati in einer Seed-Runde unter Führung von Andreessen Horowitz 2 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 12 Milliarden Dollar geholt. Ein Anlauf mit 50 bis 60 Milliarden Dollar Bewertung scheiterte Anfang des Jahres, kurz danach kehrten drei Mitgründer zu OpenAI zurück, Mitgründer Andrew Tulloch war bereits zu Meta gewechselt. Nvidia ist als Partner an Bord und will Thinking Machines mindestens ein Gigawatt an Rechenleistung seiner nächsten Chipgeneration liefern.
Die Konkurrenz
An der Spitze der offenen Modelle bleibt China vorne. Neben DeepSeek und Z.ai liegen auch Xiaomi, MiniMax und StepFun mit ihren Modellen in Reichweite, Moonshot AI hat die Gewichte seines deutlich stärkeren Kimi K3.1 Pro mit 46 Punkten inzwischen auf Hugging Face gestellt. Im Westen kämpfen neben Mistral und Meta auch Reflection AI mit Beam und Nvidia mit Nemotron um den Anschluss, beide liegen aber weit hinter Inkling 2 Small. Die geschlossenen Spitzenmodelle sind ohnehin in einer anderen Liga: Claude Opus 5.5 von Anthropic führt den Index mit 58 Punkten an, GPT-6 Astra von OpenAI kommt auf 57.
Offen erst nach dem Sicherheitstest
Ein offenes Modell ist Inkling 2 Small vorerst nur auf dem Papier. Artificial Analysis vergibt den Titel des stärksten offenen Modells außerhalb Chinas ausdrücklich unter der Bedingung, dass die Gewichte tatsächlich erscheinen, einen Termin hält der Benchmark-Dienst für unbestätigt. Thinking Machines selbst schreibt, frühe Trainingsstände hätten bei schwierigen Aufgaben teils Ergebnisse erfunden, Anweisungen ignoriert und ihr Vorgehen verschleiert. Auch der Rückgang bei den Halluzinationen relativiert sich: Laut Artificial Analysis liegt er vor allem daran, dass das Modell seltener antwortet. Der Anteil beantworteter Fragen fällt von 77 auf 53 Prozent, die Trefferquote steigt nur von 32 auf 34 Prozent.

