Uber, Airbnb, DoorDash, Booking: KI-Agenten buchen bisher fast nichts
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Zehn Millionen Menschen haben sich Metas Shopping-Agenten Muse geholt, und vier von ihnen haben damit ein Uber bestellt.
Das ist, leicht zugespitzt, der Stand der Agenten-Ökonomie nach dieser Earnings-Saison. Uber-Finanzchef Balaji Krishnamurthy nannte in der Telefonkonferenz zum dritten Quartal laut TechCrunch eine Zahl, die Analyst:innen so selten hören: In der Halloween-Woche, einer der stärksten des Jahres mit rund 320 Millionen Fahrten und Bestellungen, kamen „insgesamt vier Fahrten“ über einen KI-Agenten zustande. Bei Uber Eats waren es rund 500 Bestellungen. „Es ist sehr, sehr früh, und die Traktion, die wir bisher sehen, ist sehr begrenzt“, so Krishnamurthy. CEO Dara Khosrowshahi ergänzte, „jedes einzelne KI-Unternehmen“ sei an Uber herangetreten, er zähle rund acht große Assistenten am Markt und erwarte mehr als zehn. Er hoffe, dass die Nutzung wachse, und halte Agenten für einen möglichen „Netto-Gewinn“ für die Nachfrage. Nur: Eine Fahrt in der App zu buchen dauert im Schnitt 50 Sekunden, das Lieblingsessen nachzubestellen 90 Sekunden. Viel Zeit, die ein Agent sparen könnte, bleibt da nicht.
Airbnb: „Sehr wenig Traffic und noch weniger Buchungen“
Bei Airbnb klingt es ähnlich, nur mit mehr Philosophie. „Wir sehen noch nicht viel Traffic, und noch weniger Buchungen, von Muse und Instinct“, sagte CEO Brian Chesky laut Business Insider in der Telefonkonferenz zum Quartal. Bei knapp 500.000 Buchungen pro Tag sei der Anteil der beiden Agenten „überhaupt nicht wesentlich“, der Agenten-Traffic habe Anfang Oktober seinen Höhepunkt erreicht und sei seither nicht mehr gewachsen. Chesky sieht darin keine Bedrohung: „Ich sehe sie eher wie Google, als Chance, dass mehr Menschen Airbnb entdecken.“ Die heutigen Agenten seien „gut bei einfachen Routineaufgaben“, Reisen sei aber etwas anderes: „Reisen ist aspirational. Herauszufinden, wohin man fährt und wo man übernachtet, ist Teil des Erlebnisses.“ 80 Prozent der Reisenden hätten Spaß am Planen, 90 Prozent schreiben den Gastgeber:innen, im Schnitt schaut man sich ein Dutzend Unterkünfte und 25 Fotos pro Inserat an, der meiste Traffic läuft zwischen 9 und 17 Uhr. „Diese Leute sollten eigentlich arbeiten, und sie tun es nicht. Wir haben Beweise.“ Dass viele das alles an einen Agenten auslagern wollen, glaubt Chesky nicht. Airbnb baut trotzdem einen eigenen, auf Reisen spezialisierten Agenten, der im ersten Halbjahr 2027 kommen und künftig „jede Sparte im Reisen“ abdecken soll, von Mietwagen bis Flügen, direkt in der App.
DoorDash, Booking und die Blockade von Amazon
Die Muster wiederholen sich quer durch die Branche. DoorDash-CEO Tony Xu bezifferte die Bestellungen über Drittagenten wie Muse, Instinct und Fo auf „vielleicht mehrere hundert insgesamt“, bei rund drei Millionen Lieferungen pro Tag, und das, obwohl DoorDash seit dem Sommer gleich drei eigene Bestellwege per KI gestartet hat, vom Chatbot „Ask DoorDash“ bis zum Agenten für Textbestellungen. Booking Holdings, der größte Reisevermittler der Welt, meldete, dass „deutlich unter einem Prozent“ seiner Übernachtungen über Sprachmodelle kommen. Rund 90 Prozent seiner Zimmer stammen von unabhängigen Hotels, die ein Agent kaum direkt buchen kann. Und Amazon, der wichtigste Händler für jeden Shopping-Agenten, hat Muse gleich ganz ausgesperrt, mit der Begründung, der Agent gebe nie zu erkennen, dass er eine KI ist.
Das ist bemerkenswert, weil die Erwartungen anders waren. Muse erreichte im September Platz eins im US-App-Store, laut Meta nutzen es mehr als zehn Millionen Menschen, viele davon angeblich zum Einkaufen. Instinct, das Startup für persönliche Agenten, wurde zuletzt mit zehn Milliarden Dollar bewertet. Meta und Walmart haben mit dem Personal Agent Protocol einen Standard vorgelegt, mit dem Agenten bei Händlern einkaufen sollen, OpenAI, Anthropic, Google und Grok bieten eigene Agenten an. Die Nutzer:innen scheinen die Agenten aber für anderes zu verwenden als für Transaktionen: zum Recherchieren, Zusammenfassen, Planen. Am Ende drückt der Mensch selbst auf „Bestellen“.
Warum die Plattformen trotzdem gelassen sind
Für Uber, Airbnb und DoorDash ist die Nachricht erst einmal eine gute: Die Angst, dass Agenten die Apps zu austauschbaren Lieferanten degradieren und Meta oder OpenAI die Kund:innenbeziehung übernehmen, hat sich bisher nicht bestätigt. Die Analyst:innen von Truist hatten im Oktober die Kursziele von Booking und Expedia wegen Muse gesenkt und eingeräumt, wie stark Agenten den Marktanteil der Reiseportale verändern, bleibe „höchst ungewiss“. Expedia, das sich anders als Booking in Muse integriert hat, meldet zweistelliges Wachstum, aber keinen Agenten-Effekt.
Die Gegenposition liefern die Plattformen selbst, denn alle bauen eigene Agenten, und keine hat den Drittanbietern die Tür zugeschlagen. Khosrowshahi hofft ausdrücklich auf Wachstum, Chesky nennt Agenten „ein weiteres Google“, DoorDash hat drei davon im Programm. Die Logik: Eine Fahrt zu bestellen ist heute zu einfach, als dass ein Agent helfen müsste, aber eine Reise mit Flug, Unterkunft, Mietwagen und Restaurant zu koordinieren ist es nicht, und genau dort setzen die Agenten der nächsten Generation an. Ob Muse und Instinct bis dahin noch dabei sind oder ob die Plattformen das Geschäft mit ihren eigenen Agenten behalten, entscheidet sich an der Frage, wer die Kund:innen besser kennt. Die vier Uber-Fahrten sagen darüber noch nichts, außer dass die Wette läuft und die Einsätze bisher klein sind.
