Resilienz

Bybit, Bitget, Binance: Krypto-Markt steckt Rekord-Hacks erstaunlich gut weg

Person in a dark hoodie working on two laptops
Major exchange hacks have rattled the crypto market only briefly so far. © Azamat E/Unsplash

Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.

Der größte Krypto-Diebstahl aller Zeiten, und Bitcoin verliert gerade einmal fünf Prozent. Nach dem Hack bei Binance mit einem Schaden von rund 6,3 Milliarden Dollar (rund 5,7 Milliarden Euro) ist der Markt zwar abgerutscht, von einem Crash wie beim Zusammenbruch von FTX im November 2022 ist er aber weit entfernt. Dasselbe Muster zeigte sich schon nach den Hacks bei Bybit im Februar 2025 und bei Bitget im September 2026. Eine Auswertung der Kursdaten zeigt, wie stark der Markt jeweils nachgab.

Was die Kurse nach den Hacks zeigen

Für den Vergleich wurde jeweils der Kurs zur vollen Stunde vor dem Bekanntwerden des Hacks mit dem Tiefpunkt in den folgenden 24 Stunden verglichen, auf Basis von Stundenkursen der Börse Binance gegenüber dem Stablecoin USDT. Für den Gesamtmarkt wurde die stündliche Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen laut CoinMarketCap herangezogen. Beim FTX-Kollaps beginnt die Rechnung mit dem Tweet von Binance-Gründer Changpeng Zhao, der den Abverkauf der FTX-Token ankündigte, und endet mit dem Tiefpunkt drei Tage später. Die Tabelle zeigt also den maximalen Rückgang nach dem Hack, die übliche 24-Stunden-Veränderung auf Kursportalen fällt meist geringer aus, weil sich die Kurse vom Tief bereits wieder erholt haben. Der Wert für BGB stammt aus Marktberichten, weil der Token nicht auf Binance gehandelt wird.

Ereignis Schaden Gesamtmarkt Bitcoin Ether Börsen-Token
FTX-Kollaps
Nov. 2022
8 Mrd. Dollar Fehlbetrag
(7,2 Mrd. Euro)
−25,0 % −26,6 % −34,0 % FTT −89,7 %
Bybit-Hack
Feb. 2025
1,5 Mrd. Dollar
(1,3 Mrd. Euro)
−5,0 % −4,5 % −7,7 % kein Token
Bitget-Hack
Sept. 2026
388 Mio. Dollar
(349 Mio. Euro)
±0 % −1,1 % −0,3 % BGB rund −5 %
Binance-Hack
Okt. 2026
6,3 Mrd. Dollar
(5,7 Mrd. Euro)
−4,8 % −5,4 % −7,0 % BNB −8,7 %

Der gesamte Krypto-Markt verlor nach dem Binance-Hack damit rund 130 Milliarden Dollar an Wert und fiel von rund 2,70 auf 2,57 Billionen Dollar. Das ist nur etwa ein Fünftel des Rückgangs nach dem FTX-Kollaps, als die Marktkapitalisierung von rund 1,06 Billionen auf 792 Milliarden Dollar abstürzte. Bei Bitcoin und Ether ist das Verhältnis ähnlich. Und das, obwohl die Beute bei Binance mehr als viermal so groß war wie bei Bybit. Nach dem Bitget-Hack lag der Gesamtmarkt 24 Stunden später sogar leicht im Plus, nur der hauseigene Token BGB gab nach.

Eine wichtige Einschränkung: Auch FTX sah in den ersten 24 Stunden harmlos aus. Bitcoin verlor damals zunächst nur rund drei Prozent. Der eigentliche Absturz kam erst, als FTX die Auszahlungen stoppte und klar wurde, dass Kund:innengelder fehlten. Aktuell notiert Bitcoin bei rund 77.500 Dollar (rund 69.600 Euro), gut vier Prozent unter dem Niveau vor dem Binance-Hack.

Warum ein Hack kein FTX ist

Der Unterschied liegt vor allem darin, wer den Schaden trägt. Bei FTX hatte die Börse Kund:innengelder zweckentfremdet, das Loch war nicht zu stopfen, wenige Tage später folgte die Insolvenz. Die FTX-Kund:innen bekommen erst seit 2025 schrittweise ihr Geld zurück. Bei den drei Hacks wurde dagegen jeweils ein Teil der Firmenwallets geplündert, die Börsen selbst blieben aber zahlungsfähig und sicherten zu, den Schaden aus eigenen Mitteln zu ersetzen.

Dazu kommt, dass ein Teil der Beute inzwischen blockiert werden kann. Bei Binance haben die Stablecoin-Herausgeber Tether und Circle laut der Börse rund drei Milliarden Dollar eingefroren. Gestohlene Stablecoins sind für die Angreifer:innen damit wertlos, solange die Sperre gilt.

Wie die Börsen reagiert haben

Die Reaktionen von Bybit, Bitget und Binance folgen einem ähnlichen Muster, unterscheiden sich aber in einem entscheidenden Punkt: ob die Auszahlungen offen bleiben.

  • Schnelle Bestätigung: Alle drei Börsen bestätigten den Angriff innerhalb weniger Stunden öffentlich. Binance warnte zudem vor Betrugsversuchen über gefälschte Links und Anfragen nach Kontodaten, die solche Vorfälle oft begleiten.
  • Zusicherung der Deckung: Alle drei erklärten, die Kund:innengelder seien weiterhin eins zu eins gedeckt und niemand verliere Geld.
  • Ersatz des Schadens: Bybit glich die Lücke mit eigenen Mitteln, Überbrückungskrediten anderer Krypto-Firmen und Ether-Käufen aus. Bitget greift auf seinen Protection Fund zurück, Binance auf den Notfallfonds SAFU und Firmenmittel.
  • Auszahlungen stoppen oder nicht: Bitget und Binance setzten die Auszahlungen aus, um die Systeme zu prüfen. Bybit hielt sie bewusst offen und wickelte laut einer Analyse von Four Pillars in den ersten zehn Stunden mehr als 350.000 Auszahlungen ab, fast hundertmal so viele wie üblich.
  • Gestaffelte Wiederöffnung: Bitget öffnete die Auszahlungen vier Tage nach dem Hack schrittweise wieder, zuerst für Bitcoin, dann für Ether, USDT und weitere Token. Einzahlungen und Handel liefen bei allen drei Börsen weiter.
  • Jagd auf die Beute: Die Börsen arbeiten mit Blockchain-Analysefirmen, Sicherheitsfirmen und Behörden zusammen, Bybit und Bitget setzten zudem Belohnungen für Hinweise auf die gestohlenen Gelder aus.

Das Ziel ist in allen Fällen dasselbe: einen Bank Run zu verhindern. Wenn viele Kund:innen gleichzeitig ihr Geld abziehen wollen, kann auch eine gesunde Börse in Schwierigkeiten geraten. Bybit setzte darauf, durch offene Auszahlungen Vertrauen zu beweisen, und hatte die Ether-Lücke nach rund drei Tagen geschlossen. Unter den Kreditgebern war ausgerechnet Bitget. Bitget und Binance setzten dagegen auf einen kontrollierten Neustart, verbunden mit dem Versprechen, die Reserven offenzulegen.

Warum die Entwarnung verfrüht sein könnte

Ob der Markt den Binance-Hack wirklich so gut verkraftet, zeigt sich erst in den kommenden Tagen. Die Auszahlungen bei Binance sind weiterhin gestoppt, laut Decrypt will die Börse sie in rund 45 Stunden wieder öffnen. Gleichzeitig hat Binance nach eigenen Angaben „zusätzliche Einbruchstellen“ gefunden. Bei Bitget wurde der geschätzte Schaden nach dem Hack von rund 352 auf rund 388 Millionen Dollar nach oben korrigiert. Erst wenn die Auszahlungen laufen und ein neuer Nachweis der Reserven vorliegt, lässt sich sagen, ob das Vertrauen der Kund:innen hält.

Geoffrey Kendrick, Leiter der Krypto-Analyse bei Standard Chartered, rechnet mit weiteren Kursverlusten. Einen neuen Boden werde der Markt erst finden, wenn die eingefrorenen Gelder freigegeben sind und mehr Details zum Hack bekannt werden. Dazu kommt, dass sich die Effekte eines Hacks kaum sauber von anderen Faktoren trennen lassen. Der Binance-Hack traf auf einen ohnehin nervösen Markt, belastet von Zinssorgen und fallenden Tech-Aktien. Und Binance ist eine andere Größenordnung als Bybit oder Bitget: Laut DefiLlama verwaltete die Börse vor dem Hack rund 144 Milliarden Dollar an Kund:innenvermögen.

Rank My Startup: Erobere die Liga der Top Founder!
Werbung
Werbung

Specials unserer Partner

Die besten Artikel in unserem Netzwerk

Deep Dives

Wasner + Steinschaden | Der KI Podcast

News, Modelle, Strategien
#glaubandich CHALLENGE: SVAN triumphiert in Klagenfurt

#glaubandich CHALLENGE 2027

Österreichs größter Startup-Wettbewerb - Top-Investoren mit an Bord
© Wiener Börse

IPO Spotlight

powered by Wiener Börse

RankMyStartup.com

Steig' in die Liga der Top Founder auf!

2 Minuten 2 Millionen | Staffel 13

Alle Startups | Alle Deals | Alle Hintergründe

Future{hacks}

Zwischen Hype und Realität

Trending Topics Tech Talk

Der Podcast mit smarten Köpfen für smarte Köpfe

Weiterlesen

Newsletter

Founders Dispatch

Zwei Mal pro Woche kostenlos in die Inbox: die wichtigsten Startups, Deals und Tech-Entwicklungen aus Europa, handgeschrieben von der Redaktion.

Jederzeit abbestellbar. Mehr über den Newsletter