kokei: Diese Firma übernimmt Familienbetriebe ohne Nachfolger
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Gründen ist out, übernehmen ist in: Das Wiener Unternehmen kokei Nachfolge hat kürzlich seine erste Firma übernommen und will damit ein neues Modell für die Unternehmensnachfolge im Mittelstand etablieren. kokei steigt als Eigentümerin in mittelständische Betriebe ein, deren Gründer:innen keine Nachfolge finden, und übernimmt dort selbst die Geschäftsführung. Erstes Unternehmen im Portfolio ist der Transportbetrieb Winkler F & S Transport aus Hörsching bei Linz.
So funktioniert das kokei-Modell
kokei wurde 2025 gegründet und versteht sich als „unternehmerische Nachfolgerin“. Das Prinzip lautet: Unternehmer:innen übernehmen von Unternehmer:innen. Die wichtigsten Bausteine:
- Eigentum und Führung: kokei kauft Anteile an etablierten Betrieben und übernimmt die operative Geschäftsführung, statt nur Kapital zu geben und das Management auszutauschen.
- Kapital von Co-Investor:innen: Das Eigenkapital kommt von einem Kreis mittelständischer Unternehmer:innen, die gemeinsam mit kokei investieren. Klassische Fonds- oder Private-Equity-Strukturen will kokei bewusst vermeiden.
- Kein Exit-Druck: Statt eines Weiterverkaufs nach wenigen Jahren setzt kokei auf eine langfristige Weiterführung. Die Rendite für die Investor:innen soll aus laufenden Ausschüttungen kommen.
- Sanfter Übergang: Die bisherigen Eigentümer:innen können, wenn sie das wollen, während einer Übergangsphase im Unternehmen bleiben.
Hinter kokei stehen vier Gründer mit Finanzhintergrund. Alexander Groll war mehr als zehn Jahre im Investment Banking und Private Capital tätig, hat über 50 Transaktionen begleitet und führt nun selbst operativ die Geschäfte bei Winkler. Nima Derakhshan war mehr als zwölf Jahre bei Deloitte und zuletzt Miteigentümer einer Beratung für KMU-Finanzierung, er kümmert sich um weitere Übernahmen. Mit an Bord ist zudem Daniel Horak, Co-Gründer und Co-CEO der Crowdinvesting-Plattform CONDA, der seine Erfahrung mit alternativen Beteiligungsmodellen einbringt. Ebenfalls aus dem CONDA-Umfeld kommt der vierte Mitgründer Dirk Littig: Der langjährige Co-Geschäftsführer der Plattform kaufte sie 2022 gemeinsam mit Horak per Management-Buyout von startup300 zurück.
Der erste Deal: Lkw statt Startups
Winkler F & S Transport ist ein Familienunternehmen in zweiter Generation mit rund 40 Fahrzeugen und 55 Mitarbeiter:innen. Spezialisiert ist es auf Stückgut und Wechselaufbau-Frachten (WAP), dazu kommen Disposition, eine eigene Waschanlage sowie Vermietung und Handel von Containern. Der bisherige Eigentümer und Geschäftsführer bleibt vorerst an Bord.
kokei will den Betrieb Schritt für Schritt zu einem breiter aufgestellten Anbieter ausbauen. Geplant sind zusätzliche Leistungen entlang der Transportkette sowie Investitionen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und effizientere Disposition. Kaufpreis und Höhe der Beteiligung nennt kokei nicht.
51.500 Betriebe suchen eine Nachfolge
Der Bedarf ist groß. Laut Wirtschaftskammer und KMU Forschung Austria müssen zwischen 2020 und 2029 rund 51.500 Klein- und Mittelbetriebe eine Nachfolge finden. Daran hängen rund 692.000 Arbeitsplätze, das sind etwa 22 Prozent aller Beschäftigten in Arbeitgeberbetrieben. Die Übergabewelle läuft bereits: 2024 wurden 7.792 Unternehmen übergeben, um 4,9 Prozent mehr als im Jahr davor.
Gleichzeitig geht nur noch rund die Hälfte der Betriebe an die eigene Familie, Tendenz sinkend. Oft fehlt es in der nächsten Generation an Interesse, oder der Kapitalbedarf für Kauf und notwendige Investitionen ist zu hoch. Dass sich Übernahmen lohnen können, zeigen ebenfalls die WKO-Daten: 61 Prozent der Nachfolger:innen konnten den Umsatz steigern, fast zwei Drittel investierten mehr als ihre Vorgänger:innen, und 36 Prozent stellten zusätzliches Personal ein.
Die Konkurrenz um die Nachfolge
kokei ist nicht die einzige Option für Unternehmer:innen ohne Nachfolge. Private-Equity-Fonds kaufen ebenfalls gezielt Mittelständler, verfolgen aber meist das Ziel, die Firmen nach einigen Jahren mit Gewinn weiterzuverkaufen. Im deutschsprachigen Raum werden zudem sogenannte Search Funds immer beliebter: Dabei sucht eine einzelne Unternehmerin oder ein einzelner Unternehmer mit dem Geld von Investor:innen gezielt nach einer Firma, um sie danach selbst zu führen. Und wer lieber selbst übernehmen will, findet über die Nachfolgebörse der Wirtschaftskammer passende Betriebe.
Ob das kokei-Modell aufgeht, muss sich erst zeigen. Mit Winkler gibt es bisher genau eine Übernahme, und ein Modell, das auf laufende Ausschüttungen an Investor:innen setzt, muss die Betriebe gleichzeitig profitabel halten und in deren Weiterentwicklung investieren.

