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Nach Google-Crash: Intel stürzt um 29 Prozent ab, KI-Angst erfasst Tech-Aktien

Stock market candlestick chart with red and green bars on a dark screen
Fears about A.I. spending have triggered a global sell-off in tech stocks. © Maxim Hopman/Unsplash

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Erst Google, jetzt der ganze Sektor. Einen Tag nachdem die Google-Aktie ihren schwärzesten Tag seit dem Börsengang erlebt hat, hat der Ausverkauf am Freitag die gesamte Tech-Branche erfasst. Enttäuschende Zahlen von Amazon und Intel haben die Zweifel der Anleger:innen an der Nachhaltigkeit des KI-Booms weiter verschärft. Der technologielastige Nasdaq 100 gab laut der Financial Times im frühen Handel um 3 Prozent nach, der breitere S&P 500 verlor 1,6 Prozent. Am Nachmittag notierte der Nasdaq 100 laut Handelsblatt 3,2 Prozent tiefer bei 28.453 Punkten, der Dow Jones verlor 0,9 Prozent auf 51.955 Punkte. Der Nasdaq 100 fiel damit laut dpa-AFX auf den tiefsten Stand seit Anfang August und war auf Kurs, an einem einzigen Tag mehr als eine Billion Dollar an Börsenwert zu verlieren.

„Die KI-Euphorie bekommt Risse“, sagt Stefan May, Anlagestratege bei der Quirin Privatbank. Die DZ Bank bringt die neue Stimmung an der Börse in einem Strategiepapier auf den Punkt: „Gute Ergebnisse allein reichen nicht mehr aus.“

Intel auf Kurs zum schlimmsten Tag seit 1974

Am härtesten traf es Intel. Die Aktie des Chipherstellers brach zeitweise um bis zu 30 Prozent ein und steuerte damit auf den schlechtesten Handelstag seit 1974 zu. Darunter leidet auch die US-Regierung, die 10 Prozent an Intel hält. Auslöser war ein schwacher Ausblick: Für das laufende Quartal erwartet Intel laut Forbes einen Umsatz von 15 bis 16 Milliarden Dollar (13,5 bis 14,4 Milliarden Euro), Analyst:innen hatten mit 17 Milliarden Dollar gerechnet. Zudem warnte der Konzern, dass seine „erheblichen, langfristigen und naturgemäß riskanten Investitionen“ in Forschung und Fabriken womöglich keine angemessene Rendite bringen. Ein Problem sind ausgerechnet die hohen Preise für Speicherchips: Sie drücken laut Handelsblatt die Verkaufszahlen von PCs, einem wichtigen Geschäftszweig von Intel. Besserung erwartet der Konzern nicht vor Mitte 2027.

Die Analyst:innen reagierten entsprechend. Timothy Arcuri von UBS sieht Intels Umsatzziel laut dpa-AFX selbst unter den pessimistischsten Schätzungen. Srini Pajjuri von RBC nannte das dritte Quartal zwar erfreulich, der Ausblick enttäusche aber wegen des schwachen PC-Geschäfts, das die Stärke bei Rechenzentren und KI nicht ausgleichen könne. Die Bank of America strich ihre Kaufempfehlung, die Citigroup fasste den Bericht so zusammen: „Zwei Schritte nach vorne, einen Schritt zurück.“ Der Philadelphia Semiconductor Index, der die großen US-Chipkonzerne abbildet, fiel um 7,1 Prozent.

Auch Amazon enttäuschte. Der Konzern setzte im dritten Quartal 201,9 Milliarden Dollar (181,4 Milliarden Euro) um, ein Plus von 12 Prozent, aber knapp unter den Erwartungen. Gleichzeitig steckte Amazon 77,3 Milliarden Dollar (69,5 Milliarden Euro) in Investitionen, vor allem in Rechenzentren. Laut Stephen Ju von UBS enttäuschten vor allem die Umsätze der Cloud-Sparte AWS. Die Aktie fiel laut Handelsblatt zeitweise um bis zu 8 Prozent und grenzte die Verluste im Handelsverlauf auf rund 2 Prozent ein. „Der Markt hat derzeit keinerlei Toleranz mehr für verfehlte Prognosen bei Umsatz oder Gewinn, egal aus welchem Grund“, sagt Bob Lang, Gründer und Chefstratege von Explosive Options.

Die Angst vor dem KI-Kapitalfresser

Hinter dem Ausverkauf steckt eine Grundsatzfrage: Lohnen sich die gewaltigen Investitionen in KI-Infrastruktur? „Das KI-Rennen wird sehr, sehr teuer“, sagt Ipek Ozkardeskaya, Senior-Analystin bei der Swissquote Bank. Google hatte am Donnerstag ein zweites Quartal in Folge mehr Geld ausgegeben als eingenommen, die Alphabet-Aktie verlor bis zum Handelsschluss rund 13 Prozent und damit rund 500 Milliarden Dollar (rund 449 Milliarden Euro) an Börsenwert. Gleichzeitig holen sich Tech-Konzerne zunehmend frisches Geld am Kapitalmarkt, Meta etwa plant eine Rekord-Kapitalerhöhung von bis zu 97,5 Milliarden Dollar.

„Die Kombination aus sich verschlechternden Cashflows und steigenden Investitionszusagen bedeutet, dass die Debatte darüber, ob die KI-Renditen das Ausmaß der Investitionen letztlich rechtfertigen, so bald nicht entschieden sein dürfte“, sagt Emmanuel Cau, Leiter der europäischen Aktienstrategie bei Barclays. Und weiter: „Die Richtung für das kommende Jahr dürfte naturgemäß auf ein langsameres Gewinnwachstum hinauslaufen.“ Die Analyst:innen von Vital Knowledge warnen sogar vor einer „negativen Rückkopplungsschleife“: „Eine düstere Stimmung beeinträchtigt die Fähigkeit von Unternehmen, Schulden und Eigenkapital aufzunehmen, was die Ausgaben für Rechenzentren weiter unter Druck setzen könnte.“

Dazu kommen Hedgefonds, die vor der Berichtssaison stark auf die sogenannten „Magnificent Seven“ gesetzt hatten und diese Positionen laut Nomura-Stratege Charlie McElligott nun gewaltsam auflösen. Sein Grund: „Die Boni werden gerade festgelegt. Wenn ein Hedgefonds spät im Jahr in so einem Markt einen dummen Verlust einfährt, sprengt er sich selbst in die Luft. Man hat einen Anreiz, Risiko vom Tisch zu nehmen.“

Von Tokio bis Amsterdam

Der Ausverkauf beschränkt sich nicht auf die USA. In Japan schloss der Nikkei 225 um 2,1 Prozent im Minus, der OpenAI-Investor SoftBank verlor 6 Prozent und liegt damit 48 Prozent unter seinem Hoch vom Juni. „Die großen Tech-Werte geraten in ein Niemandsland, in dem sie nicht mehr investierbar sind“, sagt Neil Newman, Japan-Stratege bei Astris Advisory in Tokio. In Südkorea fielen die Speicherchip-Hersteller Samsung und SK Hynix um 3 bzw. 7,1 Prozent, der Leitindex Kospi verlor 3,5 Prozent. In Europa gab der niederländische Chipmaschinen-Hersteller ASML 4,9 Prozent nach.

Unter Druck stehen auch Krypto-Aktien. Nach dem Rekord-Hack bei Binance verloren Coinbase am Donnerstag 12,7 Prozent und Robinhood 8,4 Prozent. Zusätzlich belastet der Ölpreis: Ein Barrel Brent kostete mit 118 Dollar (rund 106 Euro) so viel wie seit April nicht mehr, weil Anleger:innen eine neue Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran fürchten. Gold und Silber kosten laut Handelsblatt dagegen so wenig wie seit einem Jahr nicht mehr.

Was gegen das Ende des KI-Booms spricht

Gegen ein Ende des KI-Booms sprechen allerdings einige Zahlen. Unter den „Magnificent Seven“ liegen Apple, Microsoft und Nvidia seit Jahresbeginn weiterhin im Plus. Und die Nachfrage nach KI ist da: Amazons Cloud-Sparte AWS wuchs im dritten Quartal um 39 Prozent auf 46 Milliarden Dollar (41,3 Milliarden Euro). Laut JPMorgan werden die großen Tech-Konzerne heuer rund 900 Milliarden Dollar (rund 809 Milliarden Euro) in KI investieren, Geld, das bei Chip- und Infrastrukturanbietern als Umsatz ankommt. Davon profitieren etwa die Speicherchip-Hersteller, deren hohe Preise Intel so zu schaffen machen: „Hohe Speicherpreise und ein knappes Angebot bleiben uns erhalten, mindestens bis zur ersten Jahreshälfte 2027“, sagt Hendi Susanto, Portfoliomanager bei Gabelli Funds.

Manche Analyst:innen bleiben optimistisch. Dan Ives von Wedbush bestätigte nach den Quartalszahlen seine Kaufempfehlung „Outperform“ für Amazon mit einem Kursziel von 300 Dollar (rund 270 Euro). Und Quirin-Stratege May warnt trotz seiner Skepsis davor, aus Angst vor einem Crash oder einer KI-Blase das Depot überhastet umzuschichten.

Hank Calenti, Stratege bei SMBC, sieht eher eine Neubewertung als einen Absturz: „Die in den Kursen eingepreisten Erwartungen werden infrage gestellt und setzen sich nun neu. Die Schwäche liegt an einer Kombination daraus, dass manche Firmen weniger verdienen als erwartet und andere mehr investieren als prognostiziert.“ Und auch Ecaterina Bigos von BNP Paribas Asset Management sieht vor allem ein Tempoproblem: „Der Markt hinterfragt viel stärker, in welchem Tempo die Investitionen umgesetzt werden, und die Engpässe werden deutlicher.“

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