OpenAI stutzt Finanzierungsrunde auf 20 Milliarden Dollar, KI-Branche wackelt
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Erst kein Börsengang, jetzt auch weniger Geld von privaten Investor:innen. OpenAI hat laut der Financial Times das Ziel seiner aktuellen Finanzierungsrunde um 10 Milliarden Dollar auf 20 Milliarden Dollar (rund 18 Milliarden Euro) gesenkt. Auch die Bewertung fällt niedriger aus: Statt 1,4 Billionen Dollar peilt der ChatGPT-Hersteller nun 1,25 Billionen Dollar (rund 1,12 Billionen Euro) an, ein Abschlag von 150 Milliarden Dollar.
Investor:innen ziehen sich zurück
Der Grund für den Rückzieher: Einige Investor:innen haben laut Insidern die Summen reduziert, die sie eigentlich beisteuern wollten. Am Freitag lief die Frist für verbindliche Zusagen ab, das erste Closing dürfte laut FT sogar unter den neuen 20 Milliarden Dollar liegen. Einer der Geldgeber räumte gegenüber der FT ein, man habe den Prozess inmitten der Begeisterung für KI-Aktien gestartet und sei dann von der scharfen Wende am Markt überrascht worden.
Größter Geldgeber soll ein Konsortium aus den Vereinigten Arabischen Emiraten werden, darunter der staatlich unterstützte Tech-Fonds MGX. Im Gegenzug erhält OpenAI die Option, neu gebaute Rechenkapazitäten in der Region zu mieten. Außerdem wollen sich die Risikokapitalgeber Founders Fund, Coatue, Sequoia Capital und Andreessen Horowitz sowie SoftBank von Masayoshi Son beteiligen. Danach soll es noch ein Angebot für vermögende Privatpersonen geben, die zur selben Bewertung einsteigen können. Damit könnte die Runde laut einem Insider doch noch auf rund 20 Milliarden Dollar kommen. OpenAI, Sequoia, Founders Fund und SoftBank wollten sich gegenüber der FT nicht äußern, MGX, Coatue und Andreessen Horowitz reagierten zunächst nicht auf Anfragen.
Zum Vergleich: Erst im März hatte OpenAI 122 Milliarden Dollar (rund 110 Milliarden Euro) bei einer Bewertung von 852 Milliarden Dollar eingesammelt, unter anderem von Amazon, SoftBank und Nvidia. Für Rechenleistung, um seine Modelle zu trainieren und zu betreiben, will das Unternehmen allerdings ein Vielfaches davon ausgeben.
Die neue Runde ist als Überbrückung gedacht, denn den Börsengang hat OpenAI vorerst abgeblasen. Zwar hat das Unternehmen im Juni vertraulich einen Börsenprospekt eingereicht, CEO Sam Altman erteilte im September einem Börsengang noch in diesem Jahr aber eine Absage. Angesichts der Debatten über KI-Sicherheit wäre es derzeit ein „unkluger Moment“, an die Börse zu gehen, sagte Altman laut TechCrunch. Finanzchefin Sarah Friar hatte den Mitarbeiter:innen bereits im August angekündigt, dass OpenAI 2027 ein börsennotiertes Unternehmen sein werde.
Warum Investor:innen nervös werden
Die gekürzte Runde fällt mitten in eine Phase, in der Anleger:innen die Milliarden für KI zunehmend infrage stellen. Erst am Freitag rutschte der Technologieindex Nasdaq ab, nachdem Alphabet, Amazon und Intel mit ihren Zahlen enttäuscht hatten. Laut FT verlor der Nasdaq Composite am Freitag 2,9 Prozent und liegt damit 7,8 Prozent unter seinem Rekordhoch von Anfang Oktober.
Bei OpenAI selbst sorgen vor allem die Zahlen für Fragezeichen. Die annualisierte Umsatzrate lag laut FT und Reuters Ende September bei rund 50 Milliarden Dollar (rund 45 Milliarden Euro). Gegenüber Investor:innen war zuvor von 68 bis 70 Milliarden Dollar die Rede gewesen, der Unterschied geht vor allem auf Umsätze über Cloud-Partner zurück, die OpenAI nicht voll verbucht. Gleichzeitig rechnet das Unternehmen laut FT bis 2030 mit einem Mittelabfluss von insgesamt 278 Milliarden Dollar (rund 250 Milliarden Euro).
Das Problem für die ganze Branche
Dass OpenAI weniger Geld einsammelt, betrifft weit mehr als ein einzelnes Unternehmen. Rund um den ChatGPT-Hersteller ist ein ganzes Geflecht an Abhängigkeiten entstanden. Oracle hat einen Vertrag über rund 300 Milliarden Dollar mit OpenAI abgeschlossen und sitzt selbst auf Nettoschulden von rund 132 Milliarden Dollar. Der Cloud-Anbieter CoreWeave hat rund 46 Milliarden Dollar Nettoschulden, Nvidia ist mit rund 30 Milliarden Dollar an OpenAI beteiligt. Kann OpenAI die bestellte Rechenleistung nicht wie geplant finanzieren, trifft das die gesamte Lieferkette. Schon Anfang Oktober waren Oracle und CoreWeave an einem Tag um mehr als 5 bzw. fast 8 Prozent eingebrochen, als Zweifel an OpenAIs Zahlungsfähigkeit aufkamen.
Dazu kommt die Konkurrenz um dasselbe Geld. OpenAI wollte die Zusagen laut FT unbedingt vor dem Börsengang von Anthropic sichern, der für Mitte November erwartet wird. Der Hersteller des KI-Assistenten Claude hat seinen Börsenprospekt bereits veröffentlicht und soll laut FT mit 1,5 Billionen Dollar oder mehr bewertet werden. Beide Unternehmen werben um dieselben großen institutionellen Investor:innen, und der Anthropic-Börsengang bindet derzeit sowohl Kapital als auch Aufmerksamkeit.
Was für OpenAI spricht
Es gibt allerdings auch Zahlen, die für OpenAI sprechen. Auch mit 1,25 Billionen Dollar wäre der ChatGPT-Hersteller das wertvollste private Unternehmen der Geschichte, und 20 Milliarden Dollar sind noch immer eine der größten Finanzierungsrunden überhaupt. Das Wachstum ist laut Medienberichten weiterhin hoch: Im dritten Quartal soll der Umsatz um 77 Prozent gestiegen sein, im Geschäft mit Unternehmen sogar um 107 Prozent, auch wenn diese Zahlen nicht geprüft sind. Laut Medienberichten rechnet OpenAI bis Jahresende weiterhin mit einer Umsatzrate von 70 Milliarden Dollar oder mehr.
Altman selbst betont, dass der verschobene Börsengang wenig mit der Stimmung an den Märkten zu tun habe. Ausschlaggebend seien die Debatten über KI-Sicherheit und die Frage, ob die Gesellschaft für diesen Schritt bereit sei.

