Trotz Moskaus Atomdrohung: NATO übt Atomwaffeneinsatz in Italien
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Moskau droht mit Atomwaffen, die NATO übt trotzdem ungerührt deren Einsatz: Ab kommendem Dienstag läuft die jährliche Nuklearübung „Steadfast Noon“, dieses Jahr in Italien und mit 17 der 32 Mitgliedsstaaten. Das hat die Allianz soeben bekanntgegeben. Echte Atomwaffen oder scharfe Munition kommen dabei nicht zum Einsatz.
Dutzende Flugzeuge, zehn Tage
Die Übung soll rund zehn Tage dauern und Dutzende Flugzeuge umfassen. In früheren Jahren waren atomwaffenfähige Kampfjets, Bomber sowie Tank- und Aufklärungsflugzeuge dabei, dazu Bodentruppen. Welche Szenarien und welches Gerät diesmal getestet werden, will die NATO nicht sagen, der Umfang liege aber im Rahmen der Vorjahre. Zuletzt fand Steadfast Noon rund um den niederländischen Stützpunkt Volkel statt, mit 71 Flugzeugen aus 14 Ländern und rund 2.000 Soldat:innen.
Geübt wird die sogenannte nukleare Teilhabe: US-Atombomben vom Typ B61 lagern in mehreren europäischen Ländern, darunter Italien, Deutschland, Belgien, die Niederlande und die Türkei. Im Ernstfall würden Kampfjets der Gastländer sie ins Ziel bringen. Bei Steadfast Noon trainieren die Streitkräfte dieses Zusammenspiel, von der Sicherung der Waffen am Boden bis zu Flügen ohne echte Bomben. In Italien gelten die Luftwaffenstützpunkte Aviano und Ghedi als Lagerorte.
Russland droht wegen Kaliningrad
Brisant ist dieses Jahr der Zeitpunkt. Ende September hatte Russland der NATO in einer diplomatischen Note mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht, sollte das Bündnis versuchen, die Exklave Kaliningrad vom Rest des Landes abzuschneiden. Moskau sei bereit, „das gesamte Arsenal“ einzusetzen, um sein Territorium zu verteidigen, und könne gleich zu Beginn eines Konflikts „Entscheidungszentren“ in den Mitgliedsstaaten angreifen, berichtete Reuters. Ähnliche Warnungen veröffentlichten russische Botschaften in mehreren europäischen Ländern. Ein hochrangiger europäischer Verteidigungsbeamter sprach von der ersten Drohung dieser Art gegen Europa seit dem Kalten Krieg.
Kaliningrad liegt zwischen Polen und Litauen, beherbergt den wichtigsten Stützpunkt der russischen Ostseeflotte und atomwaffenfähige Iskander-Raketen. Die NATO wies die Vorwürfe zurück: Keine ihrer Übungen bedrohe russisches Territorium, Russland solle seine „unverantwortliche nukleare Rhetorik“ beenden.
NATO: „Kein Grund zur Sorge“
Die NATO bemüht sich nun, die Übung als Routine darzustellen. Sie sei lange geplant, stehe in keinem Zusammenhang mit aktuellen Ereignissen und richte sich gegen kein Land. Zudem finde sie großteils weit weg von Russland statt. „Es gibt keinen Grund zur Sorge. Das ist vorhersehbar“, sagte NATO-Atompolitikchefin Nassima Barrows laut der Nachrichtenagentur AP. Verschoben habe man die Übung nicht. Die nukleare Rhetorik Russlands nehme zwar zu, an dessen tatsächlicher Aufstellung habe man aber keine großen Veränderungen beobachtet, die Anlass zur Beunruhigung gäben.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte setzt auf Abschreckung: Die Übung helfe, eine „sichere, geschützte, effektive und glaubwürdige“ Fähigkeit zu gewährleisten, um „Frieden zu bewahren, Zwang zu verhindern und Aggression abzuschrecken“. Sie sende außerdem „eine klare Botschaft der Einheit und Entschlossenheit“.
Die Spannungen mit Russland prägen längst auch die Wirtschaft: Europas DefenseTech-Startups steuern dieses Jahr auf einen Funding-Rekord von 10,5 Milliarden Dollar (rund 9,3 Milliarden Euro) zu.

