Geely lädt E-Autos in 4,5 Minuten und „heilt“ dabei die Batterie
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Schnellladen galt bisher als Gift für die Batterie, Geely macht daraus eine Kur. Der chinesische Autokonzern, zu dem auch Volvo, Polestar und Zeekr gehören, hat soeben in Ningbo eine Ladetechnik vorgestellt, die E-Autos in viereinhalb Minuten von 10 auf 70 Prozent bringt. Und nebenbei soll sie die Lebensdauer des Akkus um 20 Prozent verlängern, wie der Konzern in einer Pressemitteilung erklärt. Damit legt sich Geely direkt mit BYD an, das im Frühjahr mit seinem „Flash Charging“ vorgelegt hatte.
2,25 Megawatt und eine KI, die 30 Sekunden vorausdenkt
Das Herzstück ist die fünfte Generation von Geelys Ladestation mit einer Spitzenleistung von 2.250 Kilowatt. Zum Vergleich: BYDs Flash-Charging-Säulen kommen auf 1.500 Kilowatt. Die Eckdaten:
- Ladezeit: Ein Lynk & Co 10 und ein Zeekr 001 luden im Test in 4 Minuten und 30 Sekunden von 10 auf 70 Prozent, nach 8 Minuten und 40 Sekunden waren 97 Prozent erreicht.
- Batterie: Möglich macht das Geelys „Shendun Golden Battery“ mit einer Laderate von 12C. Für günstigere Modelle kommt eine „Ultra Short Blade“-Batterie mit 6C.
- Kühlung: Erstmals werden fünf Punkte flüssigkeitsgekühlt, vom Speicher der Station über Säule, Kabel und Stecker bis zur Fahrzeugbatterie. Die Zellen sollen im Schnitt unter 55 Grad bleiben, die neue Short-Blade-Batterie erzeugt laut Geely beim Laden zudem 10 Prozent weniger Wärme.
- KI: Das Modell „Xingrui PowerMind“, gemeinsam mit dem KI-Startup StepFun entwickelt, sagt die Batterietemperatur bis zu 30 Sekunden im Voraus vorher und stimmt Fahrzeug, Batterie, Ladesäule, Cloud, Stromnetz und Speicher aufeinander ab.

Mikro-Pulse gegen den Verschleiß
Die eigentliche Neuheit steckt im Detail. Beim wiederholten Schnellladen lagern sich Lithium-Ionen an der negativen Elektrode ab, das sogenannte Lithium-Plating, das die Kapazität dauerhaft verringert. Geelys „Lithium-Ionen-Puls-Regeneration“ schickt Mikro-Pulse durch die Zellen, um diese Ionen wieder zu aktivieren. Laut Geely erhöht das die Zahl der Ladezyklen um 20 Prozent. Eine konkrete Lebensdauer in Zyklen oder Jahren nennt der Konzern allerdings nicht, und unabhängige Tests gibt es noch keine.

Das Wettrennen in China
Beim Laden liefern sich Chinas Hersteller ein Wettrüsten. BYD hatte bis August bereits 10.000 Flash-Charging-Stationen installiert und will bis Jahresende 20.000 erreichen. Der Batteriehersteller Sunwoda plant bis Ende 2027 ebenfalls 10.000 Stationen der Megawatt-Klasse. Auch XPeng mischt mit.
Für Europa ist die Technik vorerst nicht angekündigt, Geely konzentriert sich auf den Heimatmarkt. Dabei hat das Wettrüsten Europa längst erreicht: BYD hat im Frühjahr seine erste 1.500-Kilowatt-Station in Deutschland eröffnet und will bis Jahresende 3.000 Flash-Charging-Stationen in Europa aufstellen. Ionity rüstet sein Netz mit dem Alpitronic HYC1000 auf bis zu 600 Kilowatt pro Fahrzeug um, und Tesla hat im Sommer in Norwegen seinen ersten V4-Supercharger mit 500 Kilowatt in Europa eröffnet. Der Engpass sind weniger die Säulen als die Autos: Nur wenige Modelle können solche Leistungen überhaupt abrufen. Über die Konzernmarken Volvo, Polestar und Zeekr könnte die Technik aber irgendwann auch nach Europa kommen. Und Geely wächst hier ohnehin: Der Konzern ist mit 205.000 verkauften Autos in den ersten acht Monaten die beliebteste chinesische Marke in der EU, wie wir kürzlich berichtet haben.

