Northwood: Ex-Disney-Star holt 375 Mio. Dollar für Satellitenstationen
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Satelliten gibt es bald mehr als genug, Antennen am Boden nicht: Das US-Startup Northwood Space hat eine Series-C-Runde über 375 Millionen Dollar (rund 337 Millionen Euro) abgeschlossen und baut damit ein globales Netz an Bodenstationen für Satelliten aus. Laut Payload wird das Unternehmen aus Kalifornien dabei mit 2 Milliarden Dollar (rund 1,8 Milliarden Euro) bewertet. Insgesamt hat Northwood damit mehr als 500 Millionen Dollar (rund 450 Millionen Euro) eingesammelt.
Angeführt wird die Runde von Andreessen Horowitz (a16z) und DFJ Growth. Dazu kommen die Series-B-Lead-Investoren Washington Harbour Partners, Alpine Space Ventures, Stepstone und In-Q-Tel, der Investmentarm der US-Geheimdienste. HSBC Innovation Banking steuert zusätzlich eine mehrjährige Kreditlinie bei.
Vom Disney Channel in die Raumfahrt
Hinter Northwood steht eine der ungewöhnlichsten Gründerinnen der Branche. CEO Bridgit Mendler war als Teenager Star der Disney-Serie „Good Luck Charlie“ und veröffentlichte Popalben. Danach forschte sie am MIT Media Lab und machte ihren Abschluss an der Harvard Law School. Northwood gründete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Griffin Cleverly.
Das Tempo ist beachtlich. Erst vor rund neun Monaten hatte Northwood eine Series B über 100 Millionen Dollar (rund 90 Millionen Euro) eingesammelt und gleichzeitig einen dreijährigen Auftrag der US Space Force über 49,8 Millionen Dollar (rund 45 Millionen Euro) für deren Satellitenkontrollnetz an Land gezogen. Davor gab es eine Series A über 30 Millionen Dollar (rund 27 Millionen Euro). „Die Welt ist hungrig nach mehr Datenverkehr durch den Weltraum, und genau dafür bauen wir skalierbare Netzwerkkapazität für die anspruchsvollsten Anwendungen“, sagt Mendler.
Der Engpass liegt am Boden
Die Wette dahinter: Die Zahl der aktiven Satelliten ist laut Northwood von rund 3.000 im Jahr 2020 auf mehr als 14.000 Ende 2025 gestiegen, bis 2030 sollen Zehntausende dazukommen. Jeder davon muss Daten zur Erde schicken und Steuerbefehle empfangen. Die Kapazität am Boden wachse aber nicht im gleichen Tempo, argumentiert Northwood, klassische Bodenstationen seien teuer und bräuchten Jahre bis zur Inbetriebnahme.
Northwood setzt auf Standardisierung. Das Startup baut in Torrance, Kalifornien, zwei Antennentypen selbst:
- Portal: Phased-Array-Antennen für die Steuerung von Satelliten. Per Software lassen sich mehrere zusammenschalten, zuletzt erreichten zehn Portals gemeinsam die Empfangsleistung einer 6-Meter-Schüssel.
- Prism: Parabolantennen für hohe Datenraten im Multi-Gigabit-Bereich.
- Aufbau: Die Systeme kommen per Standardfracht und brauchen nur ebenen Boden, Strom und Glasfaser. Ein neuer Standort steht laut Northwood in drei Monaten, eine Antenne ist drei bis vier Stunden nach Anlieferung live.
Satellitenbetreiber buchen die Kapazität per Software-Schnittstelle auf einem geteilten Netz, statt Millionen in eigene Bodenstationen zu stecken. Ausgewählte Kund:innen können die Antennen auch direkt kaufen. „Was rauffliegt, muss wieder runterkommen“, sagt Randy Glein, Gründer von DFJ Growth. Northwood habe sich binnen eines Jahres vom Startup zu einem Anbieter entwickelt, der etablierte Platzhirsche überholt.
Sechs Standorte, 400 neue Jobs
Seit der Series B hat Northwood sechs Standorte auf zwei Kontinenten in Betrieb genommen und für die Space Force erstmals eine Verbindung zu einem Satelliten im geostationären Orbit gezeigt. Bisher lag der Fokus auf niedrigen Umlaufbahnen. Im September eröffnete das Startup eine neue Zentrale samt Fabrik mit 17.000 Quadratmetern, in der künftig Hunderte Antennen pro Jahr entstehen sollen. Bis Ende 2027 sollen einzelne Standorte mehr als 100 Gbit/s schaffen.
Das Team ist auf mehr als 140 Mitarbeiter:innen gewachsen, in den kommenden drei Jahren sollen 400 Jobs in Torrance und Washington dazukommen. Zu den Kund:innen zählen US-Behörden, NewSpace-Firmen und klassische Satellitenbetreiber.
Der Markt für Bodenstationen als Service ist allerdings dicht besetzt. Der norwegische Platzhirsch KSAT betreibt eines der größten Netze weltweit, dazu kommen AWS Ground Station von Amazon, die schwedische SSC, Atlas Space Operations aus den USA und das Mailänder Startup Leaf Space.
Wenn die Großen selbst bauen
Ob sich Bodenstationen als Geschäft so groß skalieren lassen, wie die Bewertung nahelegt, ist offen. Große Konstellationen wie Starlink betreiben ihre eigenen Bodenstationen, zudem könnten Laserverbindungen zwischen Satelliten künftig einen Teil der direkten Kontakte zur Erde ersetzen. Wie hart das Geschäft ist, zeigt Microsoft: Der Konzern hat seinen Bodenstationsdienst Azure Orbital im Vorjahr Berichten zufolge wieder eingestellt.
Dazu kommt die Debatte um die Bewertungen. Laut Fortune flossen im ersten Quartal 2026 laut PitchBook rekordhohe 19,8 Milliarden Dollar (rund 17,8 Milliarden Euro) an Risikokapital in Defense-Tech, junge Startups würden teils zum 17- bis 50-Fachen ihres Umsatzes bewertet. Selbst Anduril-CEO Brian Schimpf räumte dort ein, es gebe „ein bisschen eine Blase“. Northwood nennt keine Umsatzzahlen.

