Feedback-Plattform Mirror 360 startet in Österreich
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Ein Pitch in Wien, eine Demo-Anfrage, ein neuer Markt: Die bulgarisch gegründete Feedback-Plattform Mirror 360 startet in Österreich. Wien soll dabei zur Basis für die gesamte DACH-Region werden, also auch für Deutschland und die Schweiz.
Den Anstoß gab ein Event im Innovationszentrum weXelerate am Donaukanal. Dort stellte Sara Tesas, Wiener Partnerin von Mirror 360, die Unternehmen bei der Einführung von KI unterstützt, die Plattform HR-Verantwortlichen österreichischer Konzerne vor. Kurz darauf meldete sich eines der größten Unternehmen des Landes, um eine Demo anzufragen und über einen Pilotversuch zu sprechen. Laut dem Startup ist genau diese Reaktion der Grund für den Markteintritt zum jetzigen Zeitpunkt.
Unternehmen unter doppeltem Druck
Petar Kralev, CEO von Mirror 360, sieht österreichische Unternehmen gleich zwei Belastungen ausgesetzt: Sie müssen umstrukturieren, um Kosten zu senken, und gleichzeitig KI einführen. Aktuelle Zahlen von McKinsey zeichnen ein ähnliches Bild. In der Studie „State of AI in Austria“ schneidet die Dimension Talent am schwächsten ab: Sie kommt auf 2,7 von 5 Punkten, obwohl der durchschnittliche KI-Reifegrad heimischer Unternehmen von 30 auf 36 Punkte gestiegen ist.
Laut Mirror 360 gestalten viele Führungskräfte Rollen und Teams neu, ohne ein klares Bild davon zu haben, wie ihre Mitarbeiter:innen diese Veränderungen erleben. In Österreich wiegt das besonders schwer: Beschäftigte haben über Betriebsräte eine formelle Stimme, und Veränderungsprozesse, die sie übergehen, geraten häufig ins Stocken.
Wöchentliches, anonymes Feedback
Mirror 360 bietet Mitarbeiter:innen einen sicheren und anonymen Weg, mitzuteilen, was gut läuft und was nicht. Die Plattform holt dieses Feedback jede Woche ein. Die meisten Organisationen erfahren dagegen nur einmal im Jahr im Mitarbeiter:innengespräch, wie Kolleg:innen die Arbeit der anderen wahrnehmen. Ziel ist, Probleme in der Führung binnen weniger Wochen sichtbar zu machen. Für den österreichischen Markt gilt: Die eigenen Ergebnisse sieht nur die jeweilige Person selbst.
Als Beispiel nennt das Startup das Sunrise Resort. Dort meldeten sieben Manager:innen aus dem mittleren und unteren Management unabhängig voneinander, dass eine Kollegin in ihre Zuständigkeiten eingreife und damit widersprüchliche Anweisungen und Reibereien verursache. Das Problem zog sich über eine ganze Saison und wurde weder in Reviews noch in Skip-Level-Meetings ernst genommen. Als die betroffene Managerin sah, wie sie auf andere wirkte, nahm sie das Feedback an und ließ sich von ihrer eigenen Vorgesetzten coachen. Laut Mirror 360 ist das Problem seither verschwunden.
Ein umkämpfter Markt
Mirror 360 betritt ein dicht besetztes Feld. Das Berliner Startup Leapsome, das australische Unternehmen Culture Amp und Workday mit seinem Engagement-Produkt Peakon verkaufen kontinuierliches Feedback und Mitarbeiter:innenbefragungen bereits an Unternehmen in ganz Europa, oft kombiniert mit Performance-Reviews und Zielmanagement. Mirror 360 setzt dagegen auf einen engeren Fokus: häufiges, anonymes Feedback unter Kolleg:innen, das zuerst für die betroffene Person selbst sichtbar ist.
Im ersten Jahr in Österreich will das Startup einen Pilotversuch mit einem Großunternehmen an Land ziehen, der größeren Organisationen als Referenz dienen kann. Von Wien aus soll es danach nach Deutschland und in die Schweiz gehen.

