SpaceX will Boost Mobile: Musks Abkürzung zum eigenen Handynetz
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Wenn die Großen nicht mitspielen, kauft man eben den Kleinen: SpaceX verhandelt laut Washington Post mit EchoStar über die Übernahme des Mobilfunkanbieters Boost Mobile oder zumindest über den Zugriff auf dessen Netz. Elon Musk soll sich im Oktober persönlich mit EchoStar-Chef Charlie Ergen getroffen haben. Bestätigt hat bislang keine der beiden Seiten etwas, die EchoStar-Aktie legte vorbörslich trotzdem um rund 4 Prozent zu.
Abfuhr von AT&T, Verizon und T-Mobile
Der Grund für den Umweg: SpaceX hat laut den Berichten zuvor bei allen drei großen US-Mobilfunkern angeklopft, um als virtueller Netzbetreiber (MVNO) deren Netze mitnutzen zu dürfen. Verizon, AT&T und T-Mobile sollen abgelehnt haben. Verständlich, denn SpaceX will ihnen mit Starlink Mobile direkt Kund:innen abjagen.
Boost Mobile wäre der Hintereingang. Die Billigmarke von EchoStar zählt gemeinsam mit Gen Mobile rund 7,4 Millionen Kund:innen, betreibt einen eigenen 5G-Kern und nutzt vor allem das Netz von AT&T, dazu kommt ein separater Netzvertrag mit T-Mobile. Ursprünglich sollte Boost nach der Fusion von T-Mobile und Sprint zum vierten großen US-Netzbetreiber werden. Unter dem Druck der Regulierungsbehörde FCC verkaufte EchoStar aber im Vorjahr große Teile seiner Frequenzen an AT&T und SpaceX und wurde selbst zum Untermieter.
Genau hier liegt der Haken des Deals. Laut mit den Verhandlungen vertrauten Personen lässt sich ein solcher Netzvertrag in der Regel nicht ohne Zustimmung des großen Netzbetreibers auf einen neuen Eigentümer übertragen. AT&T und T-Mobile hätten damit ein gewichtiges Wort mitzureden.
Milliarden für Frequenzen
Boost wäre der nächste Baustein in einem teuren Puzzle. 2025 kaufte SpaceX EchoStar Frequenzlizenzen um rund 17 Milliarden Dollar (rund 15 Milliarden Euro) ab, im Oktober folgte das landesweite 800-MHz-Spektrum von Grain Management um geschätzt 8 Milliarden Dollar (rund 7 Milliarden Euro). Die niedrigen Frequenzen dringen besser durch Wände und sollen den Empfang in Gebäuden sichern, wo Satellitenverbindungen bisher schwächeln. Zudem will SpaceX Berichten zufolge rund 80.000 Funkmast-Standorte anmieten, Kostenpunkt geschätzt 6 Milliarden Dollar (rund 5,4 Milliarden Euro).
Der Fahrplan steht: Die US-Behörde FCC hat SpaceX den Start von bis zu 15.000 Mobilfunk-Satelliten der zweiten Generation genehmigt, die ab 2027 mit Starship ins All fliegen sollen. Anfang 2028 will SpaceX den eigenen Dienst einschalten. „Wir werden unser erweitertes Frequenzportfolio nutzen, um unseren Direct-to-Cell-Dienst auszubauen und ein großer Mobilfunkanbieter zu werden“, sagte Finanzchef Bret Johnsen beim jüngsten Quartalscall.
Warum der Mobilfunk so verlockend ist
Der US-Mobilfunkmarkt ist laut dem Analysehaus MoffettNathanson rund 235 Milliarden Dollar (rund 211 Milliarden Euro) schwer. Es ist ein Geschäft mit planbaren, monatlich wiederkehrenden Umsätzen und einem gigantischen Kund:innenstamm, also genau das Modell, mit dem Starlink zur Cashcow von SpaceX wurde. Laut dem jüngsten Quartalsbericht hat Starlink rund 13,6 Millionen Breitband-Kund:innen, der bestehende Satelliten-zu-Handy-Dienst kommt über Partner wie T-Mobile auf mehr als 22 Millionen monatliche Nutzer:innen. Im dritten Quartal setzte SpaceX 14,6 Milliarden Dollar (rund 13,1 Milliarden Euro) um und verdiente 4,4 Milliarden Dollar (rund 4 Milliarden Euro).
Musk denkt noch größer. „Wir sehen einen klaren Weg zu mehreren hundert Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr im Konnektivitätsgeschäft“, sagte er im Quartalscall. Dazu kommt ein strategischer Vorteil, den kein klassischer Mobilfunker hat: SpaceX kann Satelliten, Bodennetz und eigene Frequenzen aus einer Hand kombinieren und Funklöcher in ländlichen Regionen schließen, für die sich Funkmasten nie rechnen. Analyst:innen erwarten zudem Bündel aus Starlink-Internet, Mobilfunk und dem Chatbot Grok von xAI.
Die Platzhirsche rüsten sich. AT&T, Verizon und T-Mobile haben im Mai ein gemeinsames Satelliten-Joint-Venture gegründet, außerdem drängen AST SpaceMobile und Amazon nach, das mit der Übernahme von Globalstar auch einen Deal mit Apple an Land zog. Als SpaceX den Grain-Deal bekanntgab, verloren die drei großen Mobilfunker an einem Tag zusammen rund 45 Milliarden Dollar an Börsenwert.
Funkmasten lassen sich nicht vom Orbit aus aufstellen
Ob Musks Plan aufgeht, bezweifeln allerdings mehrere Branchenkenner:innen. Laut Fierce Network halten die MoffettNathanson-Analyst:innen Craig Moffett und Julie Zhu einen Erfolg ohne MVNO-Vertrag mit einem der Großen für unwahrscheinlich. Dimitris Mavrakis von ABI Research sieht die eigentlichen Probleme am Boden: Für Tausende kleine Funkzellen brauche es Strom und optimale Standorte. Und Joe Madden von Mobile Experts hält vor allem die geschäftliche Seite für extrem schwierig, weil SpaceX mit jedem Gebäudeeigentümer einzeln verhandeln müsse. Verizon-Sprecher Rich Young hatte die SpaceX-Frequenzen schon im Oktober als „nur leere Funkwellen“ abgetan.

