TSO: Im Pentagon soll eine geheime Behörde für Tech-Sabotage entstanden sein
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Hybride Kriegsführung ist längst nicht mehr nur ein Werkzeug Moskaus: Das US-Verteidigungsministerium hat laut Politico eine neue, verdeckt arbeitende Behörde aufgebaut, die ausländische Technologieprogramme stören und sabotieren soll. Das sogenannte Technology Support Office (TSO) richtet sich gegen Projekte, die die militärische Überlegenheit der USA gefährden könnten. Eine öffentliche Ankündigung gab es nicht, auf der Website des Pentagons taucht die Einheit praktisch nicht auf. Politico stützt sich auf interne Memos und Gespräche mit zwölf aktuellen und ehemaligen Vertreter:innen der US-Sicherheitsbehörden.
Hacking, manipulierte Bauteile, Lieferketten
Gegründet wurde das TSO laut dem Bericht im April per Memo von Vize-Verteidigungsminister Steve Feinberg, vorangetrieben gemeinsam mit Verteidigungsminister Pete Hegseth. Die Behörde ist beim Unterstaatssekretär für Geheimdienste und Sicherheit angesiedelt, geleitet wird sie von Grant Hundley, einem früheren Spezialeinheiten-Offizier des US Marine Corps. Hervorgegangen ist sie zu großen Teilen aus zwei geheimen Programmen, die seit 2023 in kleinerem Rahmen ähnliche Operationen gegen die technologische Infrastruktur anderer Staaten durchgeführt haben.
Das Werkzeugset liest sich wie ein Lehrbuch der hybriden Kriegsführung:
- Cyberangriffe: Das TSO sucht Anbieter für maßgeschneiderte offensive Hacking-Werkzeuge.
- Sabotage: Gegner sollen dazu gebracht werden, fehlerhafte Komponenten in ihre Waffensysteme einzubauen.
- Lieferketten: Eingriffe in Zulieferketten und die Fernstörung von Technik gehören ebenso dazu.
- Täuschung: Auch Informationsoperationen sind Teil des Spektrums.
Laut einer Darstellung des Berichts führt das TSO die verdeckten Operationen nicht selbst durch, sondern entwickelt die Werkzeuge und Strategien dafür. Ziel sei es, Zeit zu gewinnen oder Gegner daran zu hindern, gefährliche Technologien zu entwickeln. Konkrete Zielstaaten werden nicht genannt, auch das Budget ist offiziell nicht bekannt. Ein ehemaliger hochrangiger Geheimdienstvertreter schätzt allein die geheimen Aufträge auf mehr als 1,5 Milliarden Dollar.
Die US-Antwort auf Russlands Schattenkrieg?
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. In Europa häufen sich die Hybrid-Angriffe, die westliche Regierungen Russland zuschreiben: Brandanschläge, gesprengte Bahngleise, Drohnen über Flughäfen. Polen warnt die NATO bereits vor tödlichen Attacken. Hybride Kriegsführung lebt davon, unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges zu bleiben und schwer zuordenbar zu sein. Mit dem TSO schafft sich nun auch Washington eine feste Struktur für genau diese Grauzone, mit dem Fokus auf Technologie.
Neu ist die Idee nicht. Der Computerwurm Stuxnet, der um 2010 iranische Uran-Zentrifugen beschädigte, gilt als gemeinsame Operation der USA und Israels. 2024 explodierten im Libanon Tausende Pager der Hisbollah, die über manipulierte Lieferketten in Umlauf gekommen waren. Neu ist, dass solche Operationen gegen Tech-Programme nun eine eigene Behörde mit eigenem Budget und eigenen Beschaffungsbefugnissen bekommen. Dahinter steht der Wettlauf um KI und fortschrittliche kommerzielle Technologien, die das Pentagon zunehmend als Bedrohung seines militärischen Vorsprungs sieht. Zuletzt hatten die USA etwa das chinesische KI-Modell DeepSeek aus Bundesbehörden verbannt.
Kritik an fehlender Kontrolle
Laut Politico wurde nur ein sehr kleiner Kreis von Kongressmitarbeiter:innen informiert. Kritiker:innen befürchten, dass die Geheimhaltung die Kontrolle erschwert und Missbrauch verschleiert. Sie warnen vor Schäden für Zivilist:innen und vor Spannungen mit Staaten wie China, mit denen sich die USA nicht im Krieg befinden. Auch intern gibt es Reibereien: Das Special Operations Command und das Cyber Command fürchten laut dem Bericht, dass ihnen das TSO Budget abgräbt. Dazu kommen Fragen nach Interessenkonflikten, weil Feinbergs Firmen vor seinem Amtsantritt stark in Rüstungstech-Unternehmen investiert haben, die um Pentagon-Aufträge konkurrieren.
Das Pentagon weist die Darstellung zurück. Sprecher Jacob Bliss erklärte, die Anfrage beruhe offenbar auf Informationen, die nicht zutreffen. Die Vorwürfe zu Interessenkonflikten seien unbegründet, das Ministerium habe einen strengen, mehrstufigen ethischen Rahmen. Teile der Geheimdienst-Community begrüßen die neue Behörde dagegen ausdrücklich: Die Führung müsse sich stärker auf solche Operationen konzentrieren, um im Technologiewettlauf nicht zurückzufallen.

