Open-Weight-Modelle aus China sollen BRICS-Staaten mit AI versorgen
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Beim BRICS-Gipfel in Neu-Delhi hat Chinas Staatschef Xi Jinping soeben angekündigt, den elf Mitgliedsstaaten beim Aufbau einer gemeinsamen Open-Source-KI-Basis helfen zu wollen. Fast zeitgleich läuft in den USA eine Debatte darüber, ob die Entwicklung der leistungsfähigsten Modelle gebremst werden soll. Anthropic-CEO Dario Amodei, der diese Bremse vorgeschlagen hat, nennt China dabei selbst das größte offene Problem.
Substanziell hat China bei diesem Angebot etwas zu bieten: Bei Modellen mit offenen Gewichten liegt das Land derzeit vorn. Die Riege reicht von Moonshot AI, dessen Kimi K3 als bislang größtes veröffentlichtes Open-Weight-Modell gilt, über DeepSeek, Z.ai (vormals Zhipu) mit der GLM-Reihe und MiniMax bis zu Konzernen wie Xiaomi und Alibaba, dessen Qwen-Familie zur Standardbasis für unzählige Fine-Tunings weltweit geworden ist. Teile dieser Modelle entstehen inzwischen ohne Nvidia-Hardware auf Huawei-Chips. Für Länder ohne Rechenzentren im Gigawatt-Maßstab sind frei herunterladbare Gewichte der schnellste Weg zu eigener KI-Infrastruktur, und genau diese Lücke adressiert Peking mit dem BRICS-Vorstoß.
Fünf Initiativen, eine davon für offene Modelle
Xi stellte in seiner Rede vor den Staats- und Regierungschef:innen der Gruppe fünf Initiativen vor. Die erste ist eine „Open Source- und inklusive KI-Initiative“: China will Vorreiter beim Aufbau einer BRICS-Open-Source-Community für KI sein, die Zusammenarbeit bei Entwicklung und Anwendung großer Sprachmodelle unterstützen, Fachseminare und Trainingskurse abhalten und ein offenes KI-Ökosystem aufbauen. Dazu kommen eine Initiative zur Handels- und Investitionserleichterung samt Partnerschaft von Sonderwirtschaftszonen, eine Cloud-Plattform für ein digitales BRICS-Ökosystem, Kooperation bei Smart Factories und Fertigungsstandards sowie eine Allianz zur Ausbildung von Ingenieur:innen mit gegenseitiger Anerkennung von Kompetenzstandards.
Eingebettet ist das Angebot in eine Rede, die stark auf Regelsetzung abzielt. Internationale Regeln müssten von allen Ländern geschrieben werden, die Logik „might makes right“ habe sich erledigt, so Xi. Er forderte eine Reform der WTO, mehr Gewicht für Entwicklungsländer in der internationalen Finanzarchitektur und einen konsensbasierten globalen Rahmen für KI-Governance, damit neue Technologien „den Weg zu gemeinsamem Wohlstand“ weisen. Zu BRICS gehören inzwischen Brasilien, China, Ägypten, Äthiopien, Indien, Indonesien, Iran, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Offene Frage: Pekings eigene Exportkontrollen
Wie weit die Offenheit reichen soll, ist allerdings nicht geklärt. Chinas Handelsministerium prüft laut Berichten Exportkontrollen für KI-Modelle, inklusive gestufter Auflagen für offene Gewichte: einfache Meldepflichten für schwächere Modelle, Sicherheitsprüfungen für stärkere und im Extremfall ein Verbot der öffentlichen Veröffentlichung für die leistungsfähigsten Systeme. Entschieden ist nichts, die Konsultationen mit Unternehmen wie Alibaba, ByteDance und Zhipu laufen. In welchem Verhältnis eine BRICS-Open-Source-Community zu solchen Auflagen stehen würde, ließ Xis Rede offen, ebenso Fragen zu Finanzierung, Zeitplan und konkret beteiligten Modellen.
In den USA wird über das Tempo gestritten
In Washington läuft parallel die gegenteilige Diskussion. Amodei hat kürzlich das Essay „We Must Pace the Frontier“ veröffentlicht und darin drei Stufen für ein langsameres Tempo vorgeschlagen: unabhängige Auditor:innen mit weitgehendem Zugang in den Labs, gemeinsame Sicherheitsstandards der führenden Entwickler in demokratischen Staaten und schließlich internationale Abkommen, auch mit China, über besonders gefährliche Anwendungen. OpenAI-CEO Sam Altman sagte externen Prüfer:innen Zugang „vergleichbar mit dem von Mitarbeitenden“ zu, Elon Musk erklärte knapp, Amodei habe recht.
Der schwierigste Teil ist für Amodei die Geopolitik. China sei das „härteste Dilemma“ für seinen Vorschlag, sagte er am Wochenende im Interview mit CBS „Sunday Morning“: Ein gemeinsames „speed limit“ sei schwer zu erreichen, weil „die Anreize vorauszulaufen und der militärische Vorteil, den man daraus zieht, so groß sind“. Und: „Ich weiß nicht, ob es möglich ist, aber wir sollten es versuchen.“ Sein Vorschlag kombiniert das gedrosselte Tempo deshalb mit strengeren Chip-Exportkontrollen und besserem Schutz gegen den Diebstahl von Modellgewichten.
Aus dem Weißen Haus kam eine Absage. US-Präsident Donald Trump wies die Rufe der drei CEOs bei einem Irland-Aufenthalt zurück: „Wir führen China bei KI an, und ehrlich gesagt will ich, dass das so bleibt, denn wer bei KI gewinnt, gewinnt.“ Einfache Schutzmaßnahmen hält er für vertretbar, Warnungen vor katastrophalen Risiken für übertrieben.
Beide Stränge treffen bald direkt aufeinander: Xi wird noch in diesem Monat in den USA erwartet, KI-Governance dürfte bei den Gesprächen mit Trump ein zentrales Thema sein.

