Destillation

DeepSeek und Moonshot sollen von OpenAIs GPT-6 Astra abgeschrieben haben

Collage with the logos of DeepSeek, Kimi Moonshot AI and Z.ai
DeepSeek and Moonshot AI reportedly distilled OpenAI's GPT-6 Astra. © Trending Topics

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Wenn Claude dichtmacht, wird eben bei GPT-6 abgekupfert. Laut einem Bericht von The Information haben die chinesischen KI-Startups DeepSeek und Moonshot AI ihre neuesten Modelle in großem Stil mit Antworten von OpenAIs Spitzenmodell GPT-6 Astra trainiert. Auslöser soll gewesen sein, dass Anthropic seine Claude-Modelle zuvor gegen solche Zugriffe abgeschottet hat.

Was The Information berichtet

Laut dem Bericht von The Information, der sich auf Personen mit direkter Kenntnis beruft, ist GPT-6 Astra zum wichtigsten Ziel chinesischer KI-Labore für sogenannte Destillation geworden. Dabei werden einem leistungsfähigeren Modell massenhaft Fragen gestellt, die Antworten dienen dann als Trainingsdaten für das eigene Modell. So lassen sich Fähigkeiten übernehmen, ohne sie mit dem gleichen Aufwand selbst entwickeln zu müssen.

Konkret sollen zwei aktuelle Modelle stark davon profitiert haben: Kimi K3.1 Pro von Moonshot AI, das vergangene Woche vorgestellt wurde, und eine aktualisierte Version von DeepSeeks V4.1-Flash, die seit Mitte Oktober verfügbar ist. OpenAI, DeepSeek und Moonshot haben sich laut Reuters zunächst nicht zu dem Bericht geäußert.

Ganz neu sind die Vorwürfe gegen Moonshot auch seitens OpenAI nicht. Ende September berichtete OpenAI in einem Blogeintrag, es habe eine koordinierte Kampagne gestoppt, die im Juli versucht hatte, das versteckte Denken seiner Modelle auszulesen. Beteiligt waren laut OpenAI mehr als 15.000 Nutzerkonten, den Kern der Kampagne ordnete das Unternehmen Personen im Umfeld von Moonshot zu.

Anthropic erhob schon früher Vorwürfe

Den Anfang machte allerdings Anthropic. Bereits im Februar warf das Unternehmen DeepSeek, Moonshot AI und MiniMax vor, über mehr als 24.000 gefälschte Konten über 16 Millionen Anfragen an Claude gestellt zu haben, um die eigenen Modelle damit zu trainieren. Im September legte Anthropic in seinem Threat Intelligence Report nach und nannte sieben chinesische Labore:

  • Alibaba: rund 151 Millionen Anfragen, laut Anthropic die größte je gemessene Destillationsattacke
  • Moonshot AI: rund 23 Millionen Anfragen, teils über Kundenanfragen, die heimlich an Claude statt an Kimi weitergeleitet worden sein sollen
  • DeepSeek: mehr als 12 Millionen Anfragen innerhalb von 14 Tagen
  • Weitere: Zhipu, Xiaomi, SenseTime und MiniMax

Danach baute Anthropic seine Abwehr aus, etwa mit strengeren Identitätsprüfungen und Änderungen daran, wie Claude seine Denkschritte ausgibt. Mitte Oktober gab das Unternehmen an, die per Destillation abgesaugte Datenmenge damit um 90 bis 99 Prozent reduziert zu haben. Folgt man dem Bericht von The Information, sind die Labore danach auf OpenAI ausgewichen.

Wo die Modelle im Ranking stehen

Wie gut die betroffenen Modelle sind, zeigt der Intelligence Index von Artificial Analysis. In der kürzlich veröffentlichten Version 5 des Index, die mehrheitlich auf geheimen Testdaten beruht, sieht das Bild so aus:

  • Claude Opus 5.5 (Anthropic): 58 Punkte, Platz 1
  • GPT-6 Astra (OpenAI): 57 Punkte, Platz 2
  • Kimi K3.1 Pro (Moonshot AI): 46 Punkte, bestes Modell mit offenen Gewichten, die Moonshot allerdings noch nicht veröffentlicht hat
  • DeepSeek V4.1 Flash: 32 Punkte

Beide chinesischen Modelle sind mit dem neuen Index deutlich abgerutscht. Kimi K3.1 Pro kam in der Vorversion noch auf 55 Punkte und lag damit auf Platz 4, noch vor GPT-6 Astra. DeepSeek V4.1 Flash fiel von 45 auf 32 Punkte.

Wer hier wem etwas wegnimmt

Die Vorwürfe sind politisch aufgeladen. US-Behörden begründen Beschränkungen gegen chinesische KI-Firmen unter anderem mit Destillation, die US-Regierung hat DeepSeek bereits aus Bundesbehörden verbannt. Peking weist die Vorwürfe zurück und droht mit Gegenmaßnahmen. Moonshot hatte zum Start von Kimi K3.1 Pro zudem betont, dass das Modell GPT-6 Astra bei einem Programmiertest übertreffe.

Kritiker:innen erinnern außerdem daran, dass auch die US-Labore ihre Modelle mit fremden Inhalten trainiert haben, ohne vorher zu fragen. OpenAI wird unter anderem von der New York Times wegen Urheberrechtsverletzungen geklagt, Anthropic hat sich im Vorjahr mit Buchautor:innen auf einen Vergleich über 1,5 Milliarden Dollar geeinigt. Die Destillationsvorwürfe selbst beruhen bisher auf Angaben der betroffenen US-Firmen und anonymen Quellen, unabhängig überprüft sind sie nicht.

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