Cloud zum Kaufen: Oxide holt 445 Millionen Dollar
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Mieten war gestern, zumindest wenn es nach Oxide geht: Das kalifornische Startup verkauft Unternehmen die Cloud als fertigen Serverschrank fürs eigene Rechenzentrum und kommt mit der Produktion kaum hinterher. Soeben hat Oxide eine Series-D-Finanzierung über 445 Millionen Dollar (rund 396 Millionen Euro) bekannt gegeben. Angeführt wird die Runde vom Risikokapitalgeber Eclipse, die Bewertung liegt laut Forbes bei 6 Milliarden Dollar (etwa 5,3 Milliarden Euro).
Mehr Bestellungen als Server
Neben Eclipse ziehen die bestehenden Geldgeber US Innovative Technology Fund (USIT), Riot Ventures und Jane Street mit großen Tickets mit, außerdem sind Friends and Family Capital und Counterpart dabei. Neu an Bord sind der Hedgefonds Atreides Management sowie der Chipkonzern AMD über seinen Venture-Arm. Erst im Februar hatte Oxide 200 Millionen Dollar in einer Series C unter Führung von USIT eingesammelt. Insgesamt hat das Startup damit rund 820 Millionen Dollar (etwa 730 Millionen Euro) aufgenommen.
Warum so schnell wieder frisches Geld? Die Gründer Steve Tuck (CEO) und Bryan Cantrill (CTO) sprechen von einem „sehr großen“ Auftragsrückstand. Oxide muss Bauteile und Fertigung vorfinanzieren, bevor die Kund:innen zahlen. Ohne neues Kapital hätte das Startup bei weiteren Aufträgen auf die Bremse steigen müssen. „Zum Glück ist das genau das Problem, für das Kapital geschaffen wurde“, schreiben die Gründer. Das Geld fließt in Komponenten, zusätzliche Fertigungskapazität und den langfristigen Ausbau. Die Produktionskapazität hat Oxide nach eigenen Angaben in den vergangenen zwölf Monaten verzwanzigfacht.
Profitabel nach sieben Jahren
Für ein Hardware-Startup ungewöhnlich: Oxide verdient bereits Geld. Im Frühjahr hat das operative Geschäft erstmals steuerpflichtigen Gewinn abgeworfen, Oxide zahlte also zum ersten Mal Einkommensteuer. Laut einer mit dem Unternehmen vertrauten Person liegt der Umsatz inzwischen im Bereich von mehreren hundert Millionen Dollar, zwölf Monate zuvor waren es einstellige Millionenbeträge. Offizielle Zahlen nennt Oxide weder zum Umsatz noch zum Gewinn oder zur Höhe des Auftragsrückstands.
Gegründet wurde Oxide 2019 in Emeryville bei San Francisco. Tuck und Cantrill hatten sich beim Cloud-Anbieter Joyent kennengelernt, den Samsung 2016 übernahm. Tuck war davor jahrelang im Vertrieb von Dell, Cantrill über ein Jahrzehnt als Distinguished Engineer bei Sun Microsystems. Bei Investor:innen stießen sie anfangs auf Ablehnung, ein Gründer nannte das Vorhaben laut Forbes eine „Selbstmordmission“.
Hyperscaler-Technik im eigenen Keller
Das Produkt heißt Oxide Cloud Computer: ein komplettes Rack, in dem Rechenleistung, Speicher, Netzwerk und Software als ein System entwickelt wurden. Die Software ist Open Source, die Prozessoren stammen von AMD, Grafikchips für KI-Training gibt es bislang keine. Unternehmen bekommen damit die Architektur von AWS und Co., betreiben sie aber im eigenen Rechenzentrum und behalten die Kontrolle über Daten, Sicherheit und Kosten. Ein Workload auf Oxide-Racks koste rund 6 Cent pro Stunde, auf AWS-Servern 26 Cent (etwa 5 bzw. 23 Cent in Euro), rechnet Tuck vor. „Die Ökonomie der Public Cloud ist langfristig und im großen Maßstab nicht tragfähig“, sagt Cantrill.
Zu den Kund:innen zählen die US-Forschungslabore Lawrence Livermore und Idaho National Laboratory, das Raketen-Startup Stoke Space, das Handelshaus Jump Trading sowie die Rechenzentrumsbetreiber CoreSite und Switch. Auch ein KI-Frontier-Lab soll laut Tuck darunter sein. Besonders gefragt ist Oxide in stark regulierten Branchen wie Verteidigung und Finanzen. Das Argument der Kontrolle über die eigene Infrastruktur trifft auch in Europa einen Nerv, wo die EU ihre technologische Souveränität stärken will.
Gegen Hyperscaler und Neoclouds
Die Konkurrenz ist riesig. AWS, Microsoft Azure und Google Cloud dominieren den Markt, dazu kommen Neoclouds wie CoreWeave und Crusoe, die Rechenleistung günstiger vermieten. Selbst Meta baut sich gerade zur KI-Neocloud um. Im klassischen On-Premise-Geschäft treten Dell, HPE und Nutanix mit eigenen Private-Cloud-Angeboten an.
Die Größenordnungen zeigen, wie weit der Weg ist: Laut Gartner setzte der Public-Cloud-Markt zuletzt rund 720 Milliarden Dollar um, für Private Clouds gaben Unternehmen laut IDC im Vorjahr nur etwa 60 Milliarden Dollar aus. Tuck räumt selbst ein, dass eigene Infrastruktur nicht für alle passt, vor allem nicht für kleinere Firmen. Und solange Oxide weder Gewinn noch Auftragsbestand beziffert, bleibt offen, wie schnell aus den Bestellungen tatsächlich Cash wird.

