Bezahlen ohne Netz: So funktionieren Mastercards Offline-Zahlungen
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Wenn der Strom weg ist, soll die Karte trotzdem funktionieren: Mastercard schreibt Banken und Händlern in ganz Europa vor, Kartenzahlungen künftig auch ohne Verbindung zum Zahlungsnetz zu ermöglichen. Ab Februar 2027 müssen alle neu ausgegebenen Mastercard-Karten in Europa offline bezahlen können, bis Mai 2027 müssen das auch alle neu installierten Zahlungsterminals und alle Austauschgeräte beherrschen. Das hat der Kartenkonzern soeben angekündigt.
Der Chip entscheidet selbst
Normalerweise läuft jede Kartenzahlung über das Netz: Das Terminal schickt die Daten an die Bank der Kund:innen, die prüft Konto, Limit und Betrugsrisiko und schickt binnen Sekunden ein Ja oder Nein zurück. Fällt die Verbindung aus, etwa weil das Internet oder das Stromnetz zusammenbricht, geht nichts mehr. Bei Offline-Zahlungen übernimmt diese Prüfung der Chip auf der Karte selbst.
Dafür hinterlegt die Bank im Chip vorab ihre Regeln, also wie viel offline ausgegeben werden darf. Laut Mastercard sind bis zu 200 Euro pro Transaktion möglich, die Grenze legt jede Bank selbst fest. Verliert das Terminal die Verbindung, fragt es stattdessen die Karte. Der Chip gleicht den Betrag mit seinen Limits ab und gibt die Zahlung frei oder lehnt sie ab. Nach dem EMV-Standard, auf dem Chipkarten basieren, führt der Chip dabei typischerweise auch Zähler mit: Er merkt sich, wie viele Offline-Zahlungen und welche Summe seit der letzten Verbindung zur Bank angefallen sind. Ist ein Rahmen ausgeschöpft, verlangt die Karte wieder eine Online-Prüfung.
PIN und Kryptografie statt Bankserver
Weil keine Bank mitlesen kann, setzt Mastercard bei Offline-Zahlungen auf Chip und PIN. Die PIN wird dabei direkt im Chip geprüft, ein Bankserver ist dafür nicht nötig. Damit niemand mit einer gefälschten Karte bezahlt, weist sich die Karte gegenüber dem Terminal kryptografisch aus: Der Chip signiert die Transaktionsdaten mit einem geheimen Schlüssel, der den Chip nie verlässt. Das Terminal prüft diese Signatur mit Hilfe von Zertifikaten, die es vorab gespeichert hat. Eine kopierte Karte ohne den echten Schlüssel fällt dabei auf.
Ist die Zahlung freigegeben, erzeugt der Chip einen digitalen Nachweis, ein sogenanntes Kryptogramm. Das Terminal speichert die Transaktion samt Nachweis lokal ab. Sobald die Verbindung zurück ist, schickt es alle gesammelten Zahlungen zur Abrechnung an die Banken, erst dann wird das Geld tatsächlich vom Konto abgebucht. Das Prinzip heißt im Fachjargon „Store and Forward“.
Das Risiko trägt die Bank
Ganz ohne Haken ist das nicht. Bei einer Offline-Zahlung prüft niemand, ob tatsächlich genug Geld auf dem Konto ist, das Konto kann also ins Minus rutschen. Dieses Risiko begrenzen die Banken über die Limits im Chip, weshalb Mastercard die Obergrenze bei 200 Euro ansetzt. Gedacht ist die Funktion für das Nötigste: Lebensmittel im Supermarkt, Treibstoff an der Tankstelle, Medikamente in der Apotheke sowie Tickets an Automaten. Strom braucht das Terminal natürlich trotzdem. In Lettland liefen Kartenzahlungen während eines sturmbedingten Netzausfalls etwa in Geschäften weiter, die über eigene Generatoren verfügten.
Auslöser für die Offensive ist der Blackout in Spanien und Portugal im April 2025, als rund 55 Millionen Menschen plötzlich nicht mehr digital bezahlen konnten. In Dänemark, Schweden, Estland und Lettland hat Mastercard Offline-Zahlungen bereits eingeführt. Welche Länder als nächstes folgen und ab wann Österreich und Deutschland dabei sind, nennt der Konzern nicht. Weil die Pflicht nur für neue Karten und neue Terminals gilt, dürfte es zudem Jahre dauern, bis die Funktion flächendeckend verfügbar ist.
Auch der digitale Euro soll offline gehen
Mastercard ist mit dem Thema nicht allein. Die nordischen Länder arbeiten nach Schäden an Ostsee-Kabeln an eigenen Notfallplänen für den Zahlungsverkehr. Auch die Europäische Zentralbank plant für den digitalen Euro eine Offline-Funktion, mit der sich Geld direkt von Gerät zu Gerät überweisen lassen soll. „Wenn Strom oder Netz ausfallen, müssen Menschen trotzdem Lebensmittel, Treibstoff und Medikamente kaufen können“, sagt Brice van de Walle, Executive Vice President Core Payments bei Mastercard.

