Sonntag Energy: Solartracker sollen Erdbeeren am Bodensee vor der Hitze schützen
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Oben Strom, unten Erdbeeren: Das Lindauer Startup Sonntag Energy baut am Bodensee eine Agri-PV-Anlage mit beweglichen Solarmodulen über einem Erdbeerfeld, laut Unternehmen die erste ihrer Art in Europa. Auf dem Hof von Hubert Büchele in Überlingen erfolgte der Spatenstich. Im ersten Bauabschnitt entstehen eine Photovoltaikanlage mit einem Megawattpeak (MWp) Leistung und ein Batteriespeicher mit fünf Megawattstunden (MWh) Kapazität.
Schatten für die Beeren, Strom für den Hof
Die Module erfüllen eine Doppelfunktion. Sie erzeugen Strom und spenden den Erdbeeren darunter Schatten, außerdem schützen sie die Pflanzen vor Witterung und zu starker Sonne. Gerade für den Beerenanbau am Bodensee wird das wegen der zunehmend heißen Sommer wichtiger. „Wir wollen unsere Erdbeeren auch unter veränderten klimatischen Bedingungen erfolgreich anbauen“, sagt Landwirt Büchele. Mit der Stromerzeugung entstehe zugleich ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein für den Betrieb.
Anders als fest montierte Anlagen drehen sich die sogenannten Tracker mit dem Sonnenstand, was den Stromertrag erhöht. Der Batteriespeicher kann sowohl Solarstrom aus der Anlage als auch Strom aus dem Netz aufnehmen und später verkaufen. Damit hängt die Wirtschaftlichkeit weniger von den Strompreisen während der Sonnenstunden ab, die an sonnigen Tagen oft in den Keller fallen. „Wir planen diese drei Bausteine von Anfang an gemeinsam“, sagt Sonntag-Mitgründer Mark Kugel.
In unter zehn Jahren amortisiert
Die Investition liegt im niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Bereich, wie Sonntag Energy gegenüber Trending Topics angibt. Die Anlage soll sich in deutlich unter zehn Jahren amortisieren, getragen vor allem von der Stromerzeugung. Das Erdbeergeschäft läuft parallel weiter und profitiert laut Unternehmen leicht vom Schutz durch die Module.
Ein Großteil der Technik kommt aus der Region: Die Unterkonstruktion liefert die Firma Zimmermann aus Oberessendorf, auch die Mittelspannungskomponenten stammen von deutschen Partnern, der Batteriespeicher von einem Partner aus dem Allgäu. Die Solarmodule und Batteriezellen kommen dagegen aus China. Montiert wird die Anlage vom Maschinenring Tettnang. Dessen Geschäftsführer Leander Hengge betont, dass der Landwirt selbst Eigentümer der Anlage wird und die Wertschöpfung damit auf dem Hof bleibt.
Ausbau ist bereits eingeplant. Genehmigt sind 2,4 Megawatt auf 2,5 Hektar, also mehr als das Doppelte des ersten Bauabschnitts.
Eigentum statt Pacht
Genau das ist das Geschäftsmodell von Sonntag Energy. Statt Flächen von Landwirt:innen zu pachten, wie es viele Solarparkbetreiber tun, baut das Startup schlüsselfertige Anlagen nahe am Hof, die die Landwirt:innen selbst besitzen und betreiben. Typisch sind ein bis zwei Megawattpeak Photovoltaik plus ein bis zwei Megawatt Speicherleistung, die sich Trafostation und Netzanschluss teilen. Neben Trackern für Grün- und Ackerland bietet Sonntag auch halbtransparente Schutzdächer für Sonderkulturen an.

Erst im September hatte Sonntag Energy das Agri-PV-Geschäft der insolventen GridParity AG übernommen, eines frühen deutschen Pioniers der Doppelnutzung von Agrarflächen. GridParity war unter anderem daran gescheitert, dass ein im Solarpaket beschlossener Bonus für Agri-PV-Anlagen keine beihilferechtliche Genehmigung der EU erhielt und Banken daraufhin Finanzierungen zurückzogen. Das zeigt, wie stark das Geschäft von politischen Rahmenbedingungen abhängt.
Beeren unter Solarmodulen
Ganz neu ist die Kombination aus Beeren und Photovoltaik nicht. Der Münchner Energiekonzern BayWa r.e. hat schon 2020 in den Niederlanden einen Agri-PV-Park über Himbeeren mit 2,7 MWp gebaut und dort auch Erdbeeren, Heidelbeeren und Johannisbeeren getestet, allerdings mit fest montierten, halbtransparenten Modulen. Laut Monitoring war das Klima unter den Modulen stabiler als unter klassischen Folientunneln. Sonntag Energy setzt dagegen auf bewegliche Module, die mehr Strom liefern sollen.

