SpaceX muss draußen bleiben: Kein schneller Einzug in den S&P 500
Der Indexanbieter S&P Global hat entschieden, seine Aufnahmeregeln für den S&P 500 nicht zu lockern. Damit ist ein rascher Einzug von SpaceX in den weltweit meistbeachteten Aktienindex nach dem geplanten Börsengang ausgeschlossen. Andere Indexanbieter wie Nasdaq und FTSE Russell haben ihre Regeln hingegen bereits angepasst und ebnen SpaceX damit den Weg in ihre Indizes.
Was hat S&P Global entschieden?
S&P Global teilte am Donnerstag mit, dass es bei den bestehenden Aufnahmekriterien für den S&P 500 bleibt. Konkret bedeutet das: Unternehmen müssen weiterhin alle drei zentralen Anforderungen erfüllen, bevor sie in den Index aufgenommen werden können.
- Profitabilität: Ein Unternehmen muss im jüngsten Quartal sowie in der Summe der vier vorangegangenen Quartale nach US-GAAP-Rechnungslegung profitabel sein.
- Börsennotierung (Seasoning): Das Unternehmen muss mindestens zwölf Monate an einer anerkannten Börse gelistet sein.
- Streubesitzfaktor (IWF): Ein ausreichender Anteil der Aktien muss frei handelbar sein.
„Ausnahmen von den Anforderungen an die wirtschaftliche Tragfähigkeit, die Mindestdauer der Börsennotierung und den Streubesitzfaktor sollten nicht allein aufgrund der Marktkapitalisierung gewährt werden“, heißt es offiziell.
Zuvor hatte S&P Global Investoren zu möglichen Regelanpassungen befragt, unter anderem zur Verkürzung der Mindestnotierungsdauer, zur Abschaffung der Mindeststreubesitzanforderung sowie zur Streichung des Profitabilitätskriteriums. Das Ergebnis dieser Konsultation fiel nun klar aus: keine Ausnahmen.
Warum ist das für SpaceX ein Problem?
SpaceX plant einen der größten Börsengänge der Geschichte. Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk strebt Einnahmen von 75 Milliarden Dollar an, bei einer angestrebten Bewertung von 1,75 Billionen Dollar. Das würde SpaceX sofort zu einem der zehn wertvollsten börsennotierten Unternehmen der USA machen.
Trotz beeindruckender Umsatzzahlen erfüllt SpaceX derzeit nicht das Profitabilitätskriterium. Im Jahr 2025 verzeichnete das Unternehmen einen Nettoverlust von 4,94 Milliarden Dollar, obwohl der Umsatz um 33 Prozent auf 18,67 Milliarden Dollar stieg. Hinzu kommt, dass SpaceX nach dem Börsengang die vorgeschriebene Mindestnotierungsdauer von zwölf Monaten zunächst nicht erfüllen wird.
Eine Aufnahme in den S&P 500 wäre für SpaceX von enormer Bedeutung gewesen. Passive Indexfonds, die den S&P 500 abbilden und Billionen von Dollar verwalten, wären bei einer Aufnahme gezwungen gewesen, SpaceX-Aktien zu kaufen. Das hätte die Nachfrage nach den Papieren erheblich gesteigert.
Andere Indizes öffnen sich schneller
Im Gegensatz zu S&P Global haben andere Indexanbieter ihre Regeln bereits gelockert, um großen Neuemissionen wie SpaceX einen schnelleren Zugang zu ermöglichen.
Der Nasdaq hat seine Regeln zum 1. Mai angepasst, um SpaceX sowie andere große Neuemissionen wie den KI-Konzern Anthropic schneller in den Nasdaq 100 aufnehmen zu können. FTSE Russell folgte kurz darauf mit eigenen beschleunigten Aufnahmeregeln. S&P Global hat lediglich für seine weniger beachteten Indizes, den S&P Total Market Index und den Dow Jones U.S. Total Stock Market Index, einen angepassten Aufnahmeweg geschaffen.
Hintergrund: Warum ist der Streit um Indexaufnahmen so wichtig?
Börsenindizes wie der S&P 500 sind weit mehr als reine Messinstrumente. Weltweit sind Billionen von Dollar in passiven Fonds angelegt, die diese Indizes eins zu eins nachbilden. Wird ein Unternehmen in einen solchen Index aufgenommen, müssen alle entsprechenden Fonds automatisch Anteile kaufen. Das erzeugt eine erhebliche strukturelle Nachfrage nach den betreffenden Aktien.
Für SpaceX und andere lange privat gebliebene Technologiegiganten wie Anthropic oder OpenAI ist die Indexaufnahme daher ein zentrales Thema beim Börsengang. Indexanbieter stehen dabei unter Druck: Sie wollen einerseits für neue, große Listings attraktiv bleiben, andererseits die Glaubwürdigkeit ihrer regelbasierten Systeme wahren.
Die Entscheidung von S&P Global gilt in Finanzkreisen als Zeichen dafür, dass die Integrität des Regelwerks Vorrang vor dem kommerziellen Interesse an prominenten Neuzugängen hat. SpaceX bleibt damit der Weg in den S&P 500 zunächst versperrt, bis das Unternehmen die Profitabilitätsanforderungen erfüllt und die Mindestnotierungsdauer abgelaufen ist.

