Swapfiets schluckt Dance, treibt Konsolidierung im E-Bike-Markt voran
Der europäische E-Bike-Markt, der während der COVID-Pandemie noch ordentlich boomte, konsolidiert sich derzeit massiv. Einst große Namen der Branche wie VanMoof, Cowboy oder Ampler schlitterten in die Pleite, und nun kommt die nächste Phase. Mit der Übernahme des Berliner Premium-Anbieters Dance durch den niederländischen Marktführer Swapfiets entsteht ein neues Schwergewicht in der urbanen Mikromobilität. Gleichzeitig verdeutlichen mehrere Insolvenzen bekannter Wettbewerber, wie herausfordernd das Marktumfeld für E-Bike-Unternehmen derzeit ist.
Swapfiets schluckt Dance
Swapfiets, 2014 in den Niederlanden gegründet und Teil des globalen Mobilitätskonzerns Pon Holdings, hat die Übernahme von Dance bekannt gegeben. Dance hatte sich seit seiner Gründung als digitaler, premiumorientierter Anbieter von E-Bike-Abonnements positioniert und war vor allem in Berlin, Hamburg und Paris aktiv.
Durch die Transaktion wächst die gemeinsame Flotte um mehr als 11.000 E-Bikes auf insgesamt über 75.000 Abo-E-Bikes. Das kombinierte Unternehmen ist künftig in 45 Städten vertreten und zählt rund 280.000 Mitglieder. Besonders in Paris soll die Marktstellung deutlich gestärkt werden.
„Indem wir Dance in die Swapfiets-Familie aufnehmen, kombinieren wir zwei der innovativsten Teams der Branche, um sicherzustellen, dass jeder Fahrradständer in Europas Großstädten ein Abo-Fahrrad enthält“, so Marc de Vries, CEO von Swapfiets.
Zwei Marken, eine Strategie
Swapfiets plant, beide Marken parallel weiterzuführen. Während Swapfiets für ein serviceintensives Modell mit stationärem Kundensupport steht, soll Dance weiterhin Nutzerinnen und Nutzer ansprechen, die einen vollständig digitalen Kundenprozess bevorzugen. Dance-Mitgründer und CEO Christian Springub bleibt in seiner Rolle und führt die Marke unter dem Dach von Swapfiets.
„Swapfiets hat eine beeindruckende operative Infrastruktur aufgebaut. In Kombination mit unserem digitalen Ansatz schaffen wir eine Kraft, die die urbane Mobilität in Städten wie Paris und Berlin wirklich verändern kann“, so Christian Springub, Mitgründer und CEO von Dance.
Insolvenzwelle trifft europäische E-Bike-Pioniere
Die Übernahme von Dance fällt in eine Phase, in der mehrere namhafte europäische E-Bike-Unternehmen erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten erlebt haben. Gleich drei Anbieter mussten zuletzt Insolvenz anmelden:
- VanMoof: Der niederländische Hersteller, bekannt für seine designorientierten und stark app-abhängigen E-Bikes, meldete Insolvenz an. Später wurde VanMoof unter neuer Eigentümerschaft reaktiviert (mehr dazu hier)
- Cowboy: Das belgische Start-up, das ebenfalls auf vernetzte Premium-E-Bikes setzte, konnte sich am Markt langfristig nicht behaupten und schlitterte in die Zahlungsunfähigkeit.
- Ampler: Der estnische Hersteller, der zuletzt mit dem preisgekrönten Modell Ampler Nova Pro und der Möglichkeit des Ladens per USB-C internationale Aufmerksamkeit erlangt hatte, meldete im Kreis Harju Insolvenz an. Als Hauptgrund nannte Vorstand Kristian Maruste einen langfristigen Mietvertrag für ein Berliner Büro, der zu einer Vertragsstrafe von 1,2 Millionen Euro führte und die Suche nach neuen Investoren blockierte. Rund 50 Mitarbeitende sind betroffen.
Strukturwandel in der Branche
Die Entwicklungen zeigen ein zweigeteiltes Bild des europäischen E-Bike-Marktes. Auf der einen Seite wachsen abonnementbasierte Anbieter mit skalierbaren Geschäftsmodellen und starkem operativem Rückhalt durch Mutterkonzerne. Auf der anderen Seite geraten Hersteller, die auf den Direktverkauf von Hardware setzen, zunehmend unter Druck: hohe Entwicklungskosten, proprietäre Technologien und eine starke Abhängigkeit von Servicenetzwerken machen das Modell anfällig.

