Xiaomi positioniert neues KI-Modell MiMo-V2-Pro als „Gehirn für OpenClaw“
Xiaomi aus China kennt man für Smartphones, Staubsauger, E-Scooter, E-Autos – und künftig vielleicht auch bald für KI-Modelle. Denn das Unternehmen aus Peking, an der Börse knapp 100 Milliarden Dollar wert, hat mit MiMo-V2-Pro ein neues großes Sprachmodell vorgestellt, das sich klar als Konkurrenz zu Anthropics Claude-Modellen und OpenAIs GPTs positioniert. Besonders auffällig: die deutlich niedrigeren API-Preise und die enge Integration in das wachsende Open-Source-Agent-Ökosystem rund um das Framework OpenClaw.
Xiaomi bewirbt MiMo-V2-Pro als Flaggschiff-Modell für sogenannte „Agentic Workloads“, also komplexe, mehrstufige Aufgaben, die von KI-Systemen eigenständig ausgeführt werden. In zentralen Benchmarks positioniert sich das Modell direkt hinter Anthropics Claude Opus 4.6 und vor Claude Sonnet 4.6.
Auf dem Benchmark ClawEval, einem Maßstab für allgemeine Agent-Fähigkeiten, erreicht MiMo-V2-Pro einen Wert von 61,5 und landet damit auf Platz 3 weltweit. Claude Opus 4.6 und Claude Sonnet 4.6 teilen sich mit je 66,3 Punkten die Spitze. Beim Coding-Benchmark SWE-bench Verified erzielt MiMo-V2-Pro 71,7 Punkte und übertrifft damit Claude Sonnet 4.6 (75,9) zwar nicht, schließt aber die Lücke zu Claude Opus 4.6 (77,8) deutlich.
OpenClaw als strategischer Hebel
Ein zentrales Element der Strategie ist die tiefe Integration in OpenClaw, ein quelloffenes Agent-Framework, das in der Entwickler-Community zunehmend an Bedeutung gewinnt. Xiaomi beschreibt MiMo-V2-Pro als das „native Gehirn“ von OpenClaw und hat das Modell gezielt für dessen Anforderungen optimiert. Wie mehrmals berichtet, sind chinesische Unternehmen wie Tencent, Alibaba oder auch das Startup Zhipu AI voll auf den OpenClaw-Hype aufgesprungen.
Auf den OpenClaw-Standardbenchmarks PinchBench und ClawEval erzielt MiMo-V2-Pro nach eigenen Angaben weltweit führende Ergebnisse unter den nicht-Anthropic-Modellen. Das Modell unterstützt einen Kontextfenster von bis zu 1 Million Token, was es für umfangreiche, reale Agent-Workflows geeignet macht.
Zusätzlich kooperiert Xiaomi mit fünf großen Agent-Entwicklungsframeworks: OpenClaw, OpenCode, KiloCode, Blackbox und Cline. Für Entwickler weltweit wird eine Woche kostenloser API-Zugang angeboten, was die Verbreitung im Ökosystem beschleunigen soll.
Preise: Deutlich günstiger als Anthropic
Besonders aggressiv ist Xiaomis Preisstrategie. Im direkten Vergleich mit Anthropics Modellen zeigen sich erhebliche Unterschiede:
| Modell | Input (pro Mio. Token) | Output (pro Mio. Token) | Cache Read | Cache Write |
|---|---|---|---|---|
| MiMo-V2-Pro (bis 256K) | 1,00 $ | 3,00 $ | 0,20 $ | kostenlos |
| MiMo-V2-Pro (256K bis 1M) | 2,00 $ | 6,00 $ | 0,40 $ | kostenlos |
| Claude Sonnet 4.6 | 3,00 $ | 15,00 $ | 0,30 $ | 3,75 $ |
| Claude Opus 4.6 | 5,00 $ | 25,00 $ | 0,50 $ | 6,25 $ |
Besonders beim Output-Preis ist der Unterschied gravierend: MiMo-V2-Pro kostet im Standardtarif 3,00 $ pro Million Output-Token, während Claude Sonnet 4.6 mit 15,00 $ das Fünffache verlangt. Claude Opus 4.6 ist mit 25,00 $ sogar mehr als achtmal so teuer. Cache-Schreibvorgänge sind bei Xiaomi derzeit vollständig kostenlos, bei Anthropic fallen dafür 3,75 $ beziehungsweise 6,25 $ an.
Technische Grundlage: Über eine Billion Parameter
MiMo-V2-Pro basiert auf einer Mischung-aus-Experten-Architektur (Mixture of Experts) mit insgesamt mehr als 1 Billion Parametern, von denen rund 42 Milliarden aktiv genutzt werden. Das entspricht etwa der dreifachen Größe des kleineren Schwestermodells MiMo-V2-Flash. Das Modell verwendet einen hybriden Aufmerksamkeitsmechanismus mit einem erhöhten Verhältnis von 7:1 sowie eine Multi-Token-Prediction-Schicht für schnellere Generierung.
Laut dem Artificial Analysis Intelligence Index, einem globalen Benchmark für umfassende Modell-Intelligenz, belegt MiMo-V2-Pro Platz 7 weltweit:

Markttest unter Tarnung: „Hunter Alpha“
Bemerkenswert ist die Markteinführungsstrategie: Vor der offiziellen Ankündigung wurde ein früher Testbuild des Modells unter dem Codenamen Hunter Alpha anonym auf der API-Aggregationsplattform OpenRouter gelistet. Das Modell stieg dort mehrere Tage in Folge an die Spitze der täglichen Nutzungsstatistiken und überschritt insgesamt eine Billion verarbeitete Token, bevor die Identität enthüllt wurde.
Mit MiMo-V2-Pro versucht Xiaomi, in einem Marktsegment Fuß zu fassen, das bislang von Anthropic und OpenAI dominiert wird. Die Kombination aus wettbewerbsfähigen Benchmark-Ergebnissen, einem deutlich günstigeren Preismodell und der strategischen Einbettung in das OpenClaw-Ökosystem macht das Modell zu einem ernstzunehmenden Angebot für Entwickler und Unternehmen. Ob die Leistung in realen Produktivszenarien mit den Benchmark-Werten mithalten kann, wird die breite Nutzung in den kommenden Wochen zeigen.

