ETCI 2: Europa will 80 Milliarden Euro für Tech-Scaleups mobilisieren
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Europa macht beim Wachstumskapital ernst: Mit der zweiten Ausgabe der European Tech Champions Initiative (ETCI 2) sollen bis zu 80 Milliarden Euro in mehr als 1.500 europäische Tech-Scaleups fließen. Das Fundraising befinde sich bereits in der heißen Phase, bestätigte eine Sprecherin der Europäischen Investitionsbank (EIB) soeben dem Handelsblatt. Das First Closing, also der erste formelle Abschluss, soll noch heuer erfolgen. Danach kann der Fonds investieren, auch wenn noch weitere Zusagen möglich sind.
15 Milliarden Euro als Hebel
Kern von ETCI 2 ist ein Dachfonds mit einem Zielvolumen von bis zu 15 Milliarden Euro, rund viermal so viel wie beim Vorgänger. Die EIB-Gruppe selbst steuert bis zu 1,25 Milliarden Euro bei, getragen wird die Initiative von den Regierungen aller 27 EU-Mitgliedstaaten, wie es in der Aussendung der EIB zum Start im Sommer heißt. Dazu kommen private Investoren wie Danske Bank, Banco Santander, BBVA, AltamarCAM, Azimut, Green Arrow Capital und die Stiftung Compagnia di San Paolo. „Bei der Partnerschaft geht es um Größe und Tempo“, sagte EIB-Präsidentin Nadia Calviño.
Der Dachfonds investiert selbst nicht direkt in Startups. Er gibt Geld an mehr als 100 Wachstumsfonds, darunter bis zu 45 Mega-Fonds mit mehr als einer Milliarde Euro Volumen. Neu ist, dass erstmals auch mittelgroße Fonds ab 300 Millionen Euro zum Zug kommen. Die durchschnittliche Finanzierung pro Unternehmen soll bei rund 200 Millionen Euro liegen.
Was mit dem Geld geplant ist
Laut der Projektseite des Europäischen Investitionsfonds (EIF) zielt ETCI 2 auf hochinnovative Unternehmen in der Wachstumsphase, vor allem in den Bereichen:
- KI und Deep Tech: Künstliche Intelligenz und forschungsintensive Technologien.
- Life Sciences: Biotech und Medizintechnik.
- Sicherheit und Raumfahrt: Cybersecurity und Space.
- Fintech und Cleantech: Finanztechnologie und klimafreundliche Technologien.
Neben dem Dachfonds gibt es eine eigene Investmentplattform, über die Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungen, Family Offices und Banken strukturiert in europäische Tech-Fonds investieren können. Das erklärte Ziel: Mehr privates Kapital für europäische Tech-Fonds mobilisieren, damit große Wachstumsrunden auch in Europa finanziert werden können.
Was ETCI 1 gebracht hat
Der erste ETCI-Fonds war 2023 mit einem Volumen von 3,9 Milliarden Euro gestartet, Deutschland beteiligte sich mit rund einer Milliarde Euro. Das Kapital floss in 15 Mega-Fonds, laut EIB entstanden daraus 12 Unicorns mit Sitz in der EU. Ein Beispiel ist das römische Cybersecurity-Startup Exein, das kürzlich bei einer Bewertung von 1,7 Milliarden Dollar (rund 1,5 Milliarden Euro) eine Finanzierungsrunde unter Beteiligung der ETCI abschloss. Trending Topics hatte die Initiative schon bei ihrer Ankündigung im Jahr 2022 begleitet.
Nationale Initiativen und Kritik
ETCI 2 soll nationale Programme ergänzen, etwa die französische Initiative „Tibi“, die deutsche WIN-Initiative und den Scaleup Europe Fund der EU-Kommission. Grundsätzliche Kritik an staatlich getragenen Milliardenfonds für Tech gab es allerdings schon bei der Ankündigung der ersten ETCI. Dries Faems, Professor an der WHU Otto Beisheim School of Management, argumentierte damals, es gebe kein klares Marktversagen, das den Einsatz von Steuergeld rechtfertige. Öffentliche Geldgeber würden nach ersten Fehlschlägen zudem eher auf sichere Wetten setzen, und politische Interessen könnten bei der Verteilung mitspielen. Sinnvoller sei es, den digitalen Binnenmarkt zu vereinheitlichen und Regulierung zu schaffen, die Risiko belohnt.

