Tesla Roadster: Nach sechs Jahren Verspätung warten alle auf Handfestes
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Versprochen für 2020, geliefert bis heute nicht: Tesla will in der Nacht auf Freitag (2:55 Uhr MESZ) die nächste Generation seines Elektro-Sportwagens Roadster zeigen. Das Event in Texas war ursprünglich für Anfang Oktober angesetzt, Tesla sagte es aber kurzfristig ab, weil die Show wetterbedingt „nur im Freien“ stattfinden könne, berichtet Electrek. Tesla selbst kündigt das „schnellste Fahrzeug der Welt“ an, mit Rekordwerten bei Beschleunigung, Reichweite und Performance.
Die lange Vorgeschichte
Mit einem Roadster hat bei Tesla alles begonnen. Der erste Roadster, ein Elektro-Sportwagen auf Basis des Lotus Elise, kam 2008 als erstes Auto des Unternehmens auf den Markt und wurde bis 2012 gebaut. Rund 2.450 Stück wurden verkauft. Er bewies, dass Elektroautos sportlich sein können, und ebnete Tesla den Weg zum Model S.
Den Prototyp des Nachfolgers präsentierte Elon Musk im November 2017 als Überraschung beim Launch des Elektro-Lkw Semi. Die damaligen Versprechen: ein Viersitzer mit drei Motoren, von 0 auf 100 km/h in 1,9 Sekunden (gemessen bis 60 mph), mehr als 400 km/h Spitze und rund 1.000 Kilometer Reichweite, wie Trending Topics damals berichtete. Produktionsstart sollte 2020 sein. 2018 schoss Musk seinen privaten Roadster der ersten Generation mit einer Falcon Heavy von SpaceX ins All, im selben Jahr kündigte er ein „SpaceX-Paket“ mit Kaltgas-Düsen an.
Seither wurde der Termin immer wieder verschoben: auf 2021, 2022, 2023, „hoffentlich“ 2024, dann 2025 und zuletzt auf 2027 oder 2028. Electrek zählt mindestens sechs verschobene Produktionsstarts und sieben Termine für die Enthüllung. Tesla priorisierte zuletzt KI, Robotik und autonomes Fahren.

Was zu erwarten ist
Teaser deuten auf die Kaltgas-Düsen von SpaceX hin, mit denen Musk eine Beschleunigung von 0 auf 60 mph in unter einer Sekunde in Aussicht gestellt hat. Laut einem Bericht von The Information plant Tesla zwei Versionen, ein limitiertes „fliegendes“ Modell für Demozwecke, das ferngesteuert werden soll, und eine straßenzugelassene Variante, schreibt InsideEVs. Ein Patent für ein aktives Heckspoiler-System und eines für eine Art Sauggebläse unter dem Fahrzeug sorgen zusätzlich für Spekulationen. Teslas Engineering-Vizepräsident Lars Moravy nannte den Roadster einmal den „letzten, besten Fahrerwagen“ vor der Ära selbstfahrender Autos.

Der Preis
Einen aktuellen Preis hat Tesla noch nicht genannt. 2017 lag der Basispreis bei 200.000 Dollar (rund 178.000 Euro), für die limitierte Founders Series mit 1.000 Stück wurden 250.000 Dollar (rund 223.000 Euro) fällig, und zwar komplett im Voraus. Für eine normale Reservierung verlangte Tesla 50.000 Dollar (rund 44.600 Euro) Anzahlung. Ob diese Preise neun Jahre später noch gelten, ist offen. Für eine mögliche „fliegende“ Sonderversion hält InsideEVs Preise von mehreren hunderttausend bis über eine Million Dollar für denkbar.

Die Konkurrenz
Seit 2017 hat sich das Feld der teuren Elektro-Sportwagen stark gefüllt. An der Spitze steht der kroatische Rimac Nevera, der rund 2,1 Millionen Euro kostet und in der Version Nevera R laut Hersteller in 1,72 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Den Geschwindigkeitsrekord hält BYD: Der Yangwang U9 erreichte in der Xtreme-Version 496 km/h. Etwas günstiger sind der Porsche Taycan Turbo GT für rund 240.000 Euro und die Lucid Air Sapphire, die in den USA bis zu 249.000 Dollar (rund 222.000 Euro) kostet. Seit dem Frühjahr mischt auch Ferrari mit: Der Luce, der erste vollelektrische Ferrari, kostet ab 550.000 Euro. Er ist allerdings ein Viertürer mit fünf Sitzen, der in 2,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt und mehr als 310 km/h erreicht. Gestaltet hat ihn Ferrari gemeinsam mit LoveFrom, dem Designstudio von Ex-Apple-Designer Jony Ive. Erste Prototypen waren schon Anfang 2025 auf Testfahrt gesichtet worden. Xiaomi wiederum stellte mit der SU7 Ultra einen Nürburgring-Rekord für Serien-Elektroautos auf, zu einem Bruchteil dieser Preise.

Kritik an der Show
Bei Electrek, das die Verzögerungen seit Jahren begleitet, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Eine Demo mit Düsen bringe Kund:innen, die seit 2017 auf ihr Auto warten, nichts. Kaltgas-Düsen würden pro Tankfüllung nur wenige Schübe liefern und Gewicht sowie Kosten erhöhen. Electrek erwartet vom Event vor allem drei Antworten: ein serienreifes Auto, einen echten Preis und einen verbindlichen Produktionsstart.

