FTX verkaufte zu früh: Anthropic-Anteil wäre bis zu 54 Mrd. Dollar wert
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Wer als Insolvenzverwalter:in zu früh verkauft, lernt kurz vor dem größten KI-Börsengang aller Zeiten, was Timing kostet: Die FTX-Gläubiger:innen haben für ihr Anthropic-Paket rund 1,3 Mrd. Dollar (rund 1,2 Mrd. Euro) bekommen, bei einer Bewertung von 1,5 bis 2 Billionen Dollar wäre es 41 bis 54 Mrd. Dollar (rund 36 bis 48 Mrd. Euro) wert gewesen. Entgangen sind ihnen also rund 40 bis 53 Mrd. Dollar.
Fair ist der Vergleich nur eingeschränkt, denn zum Zeitpunkt der Verkäufe lag der Preis auf Series-D-Niveau, bei 30 Dollar je Preferred-Aktie. Trotzdem zeigt die Rechnung, wie brutal sich eine frühe Beteiligung an Anthropic entwickelt hat.
So kam FTX zu Anthropic
Sam Bankman-Fried führte 2022 die Series B von Anthropic an, die rund 580 Mio. Dollar einsammelte. FTX und Alameda steuerten davon nach Presseberichten etwa 500 Mio. Dollar bei. Zum Preis von 11,2261 Dollar je Preferred-Aktie, wie ihn der Börsenprospekt für die Series B ausweist, ergibt das rund 44,5 Mio. Aktien. Nach dem 10-für-1-Split von Anthropic sind das heute etwa 445 Mio. Aktien, grob 2,7 Prozent des voll verwässerten Unternehmens.
Zwei Verkäufe, 1,3 Mrd. Dollar
Im Frühjahr 2024 genehmigte das Insolvenzgericht den Verkauf von zwei Dritteln der Beteiligung für 884 Mio. Dollar. Zu den Käufer:innen zählten ein Mubadala-naher Fonds aus Abu Dhabi mit fast 500 Mio. Dollar, Jane Street mit knapp 100 Mio. Dollar sowie Fidelity-Fonds. Wenige Wochen später ging der Rest, 15 Mio. Aktien zu je 30 Dollar, für mehr als 450 Mio. Dollar weg. Zusammen sind das rund 29,5 plus 15 Mio. Aktien, also genau das ursprüngliche Paket.
Was das Paket heute wert wäre
Die Rechnung ist einfach: 445 Mio. Aktien mal Aktienpreis. Bei 16,4 Mrd. voll verwässerten Aktien ergeben sich diese Werte:
- 1,5 Billionen Dollar Bewertung: rund 91,6 Dollar je Aktie, Paket ca. 40,8 Mrd. Dollar
- 1,75 Billionen Dollar Bewertung: rund 106,8 Dollar je Aktie, Paket ca. 47,6 Mrd. Dollar
- 2 Billionen Dollar Bewertung: rund 122,1 Dollar je Aktie, Paket ca. 54,4 Mrd. Dollar
Das ist rund das 30- bis 40-Fache dessen, was die Gläubiger:innen erlöst haben. Die Zahlen sind eine eigene Schätzung auf Basis des Börsenprospekts und von Presseberichten, ohne die neuen Aktien aus dem Börsengang selbst.
Das zweite Paket: Ellison und Singh
Ein kleineres Stück der FTX-Geschichte steht ebenfalls im Börsenprospekt. Anthropic kaufte im Herbst 2025 genau 4.453.900 Series-B-Aktien von der US-Regierung zurück, die frühere Inhaber:innen in Gerichtsverfahren verwirkt hatten, und verkaufte sie zum Series-F-Preis von 140,97 Dollar an neun Investor:innen weiter. Die Summe: rund 627 Mio. Dollar.
Der Prospekt nennt keine Namen. Die Zahl passt aber rechnerisch exakt zu den 50 Mio. Dollar, die Caroline Ellison und Nishad Singh 2022 in die Series B investiert haben sollen. Dieses Paket wäre heute 4,1 bis 5,4 Mrd. Dollar wert.
Die Gegenposition
Der Nachlass hatte gute Gründe zu verkaufen. Laut dem Sanierungsplan sollen die meisten Kund:innen in bar 118 Prozent ihrer Forderungen erhalten, bewertet zum Zeitpunkt der Insolvenz. Dafür brauchte der Nachlass Bargeld, denn illiquide Anteile an einem nicht börsennotierten Start-up zahlen keine Gläubiger:innen aus. Ein Börsengang war 2024 nicht absehbar, und Anthropic war damals mit rund 18 Mrd. Dollar bewertet. Zudem hatten einzelne Kund:innen eingewandt, die Anteile könnten mit Kundengeldern gekauft worden sein, was den Verkauf zusätzlich unter Druck setzte.
Wer vom Börsengang profitiert
Gewinner sind nach Einschätzung von Beobachter:innen vor allem frühe Geldgeber:innen wie Eric Schmidt und Jaan Tallinn, außerdem Spark Capital, Lightspeed, Sequoia, Amazon, Google und der Staatsfonds GIC aus Singapur. Spark etwa soll laut PitchBook aus rund 777 Mio. Dollar bei 1,5 Billionen Dollar Bewertung rund 10,9 Mrd. Dollar machen. Auch der Konkurrent OpenAI soll Berichten zufolge im kommenden Jahr an die Börse gehen und wird daran gemessen werden, wie Anthropics Debüt verläuft.

