Researchly: Welser Startup baut KI-Datenbank für 7 Millionen DACH-Firmen
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Wer Käufer:innen für den Familienbetrieb sucht, landet selten bei PitchBook: Das Welser Startup Researchly will genau diese Lücke im Mittelstand schließen. Die junge Firma hat eine KI-gestützte Firmendatenbank für Österreich, Deutschland und die Schweiz gebaut, die rund 7 Millionen Unternehmen erfasst und M&A-Analysen per Knopfdruck liefern soll. Zielgruppe sind Berater:innen, Investor:innen und Unternehmen, die Übernahmeziele, Käufer:innen oder Wettbewerber:innen suchen.
Gründer aus Oberösterreich
Hinter Researchly stehen Leopold Bosankic, Felix Kefer und Stefan Endl, die laut Firmenbuch jeweils rund ein Drittel an der Researchly FlexCo halten. Bosankic ist Geschäftsführer und CEO, Endl verantwortet als CTO die Technik, Kefer als Chief AI Officer die KI. Das Projekt startete bereits 2022 als Tool für automatisierte Wettbewerbsanalysen, die Gesellschaft mit Sitz in Wels wurde Anfang 2025 im Firmenbuch eingetragen. Das Team umfasst derzeit vier Personen, eine externe Finanzierung ist nicht bekannt.
7 Millionen Firmen aus drei Registern
Die Datenbasis kommt aus den offiziellen Registern der DACH-Region: dem österreichischen Firmenbuch, dem deutschen Handelsregister und dem Schweizer Zefix. Darauf setzt Researchly mehrere Schichten an Informationen, die per KI aus Websites, News und Live-Websuche angereichert und gegen die Registerdaten geprüft werden:
- Stammdaten: Firmensitz, Eigentümer:innen, Geschäftsführung, Kapital und Bilanzen inklusive Bilanzvergleich.
- Veränderungssignale: Ein sogenannter Heat Score von 0 bis 100 zeigt, wie viel sich bei einer Firma gerade tut, etwa bei Gesellschafterwechseln, Stellenanzeigen, Patenten oder News.
- Operative Signale: Geschäftsmodell als Business Model Canvas, Positionierung, Mitbewerber:innen, Technologien und digitale Präsenz.
- Firmennetzwerk: Ein Graph zeigt Beteiligungen, Partnerschaften und Konzernstrukturen, ein erster Prototyp bildet etwa die Robotik-Branche ab.
Statt nach starren NACE-Branchencodes lässt sich semantisch suchen, also etwa nach „Hersteller von Industrierobotern mit weniger als 50 Mitarbeitenden“. Wie ein Profil aussieht, zeigt Researchly öffentlich am Beispiel des Smart-Home-Herstellers Loxone. Auf der frei zugänglichen Seite ist allerdings nur ein Teil der Daten sichtbar, der Rest liegt hinter der Bezahlschranke.
Vier KI-Agenten für M&A-Analysen
Das Herzstück für Dealmaker:innen ist eine automatisierte M&A-Recherche. Aus einem einzigen Firmenprofil erstellen vier KI-Agenten eine Analyse: Einer sucht strategische Käufer:innen, einer mögliche Übernahmeziele, einer schätzt den Unternehmenswert anhand börsennotierter Vergleichsfirmen, und einer identifiziert passende Finanzinvestor:innen. Dazu kommt eine sogenannte Enrichment-Matrix, in der für jede Zelle einer Tabelle ein eigener KI-Agent recherchiert und seine Quellen angibt.
Gerade im Mittelstand ist das relevant. Tausende Familienbetriebe in Österreich und Deutschland suchen in den kommenden Jahren eine Nachfolge, und für kleine Deals rechnet sich teure Recherche durch Investmentbanken oft nicht.
Das Pricing
Researchly verkauft den Zugang im Abo. Laut der Preisseite gibt es drei Stufen:
- Basic: 49 Euro pro Monat für Kerndaten und einfache Suche, mit 14 Tagen Gratis-Test.
- Pro: 349 Euro pro Monat inklusive Datenanreicherung, Lead-Generierung, Benchmarking sowie Markt- und Wettbewerbsanalysen.
- Plus: 499 Euro pro Monat mit allen Datenebenen, darunter Technologien, Konzernstrukturen, M&A-Aktivitäten und Insolvenzen.
Für größere Datenmengen, API-Zugang und Teams gibt es individuelle Angebote. Zuletzt hat das Startup unter anderem einen Score für ideale Kundenprofile, kuratierte Listen zu Deep Tech, Robotik oder Mobility-Startups sowie Kurzanalysen zu einzelnen Firmen nachgelegt.
Die Konkurrenz
Der Markt für Firmendaten ist hart umkämpft. Bei großen Deals dominieren internationale Datenbanken wie PitchBook, S&P Capital IQ und Orbis von Moody’s, die kleine, private Firmen im deutschsprachigen Raum allerdings oft nur lückenhaft abdecken. Am nächsten kommt Researchly der Hamburger Anbieter North Data, der Registerdaten aus 27 Ländern zu mehr als 100 Millionen Firmen aufbereitet und etwa mit der Wiener Börse kooperiert. Researchly will sich mit einer eigenen M&A-Systematik, dem Firmennetzwerk und Daten zu Geschäftsmodellen abheben. Dazu kommen neue KI-native Angebote wie Agentic Firmenbuch, das österreichische und deutsche Registerdaten direkt für KI-Agenten zugänglich macht, oder das finnische Startup Comparables.ai, das kürzlich 6 Millionen Dollar für seine KI-gestützte Suche nach M&A-Deals eingesammelt hat.

