Chinas KI-Aktien verlieren 40 Prozent in vier Monaten
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Die erste KI-Blase ist geplatzt, und zwar in China: Der Star-50-Index, der die wichtigsten chinesischen KI- und Chipwerte an der Technologiebörse in Schanghai bündelt, hat seit seinem Hoch im Juli fast 40 Prozent verloren. Damit sind in weniger als vier Monaten rund 480 Milliarden Dollar (etwa 428 Milliarden Euro) an Börsenwert verpufft, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Der Index schloss am Montag bei 1.315,50 Punkten.
Die größten Verlierer
Besonders hart trifft es die Lieblinge der vergangenen Monate:
- Unitree: Der Hersteller humanoider Roboter hat seit seinem Börsengang im August rund die Hälfte seines Wertes verloren.
- CXMT: Der Speicherchip-Hersteller ist allein im vergangenen Monat um mehr als 25 Prozent gefallen.
- MetaX und Moore Threads: Die beiden GPU-Entwickler, die als chinesische Antwort auf Nvidia gelten, haben sich seit Juli ebenfalls ungefähr halbiert.
- Zhongji Innolight und Eoptolink: Die Anbieter optischer Module für Rechenzentren liegen rund 60 Prozent unter ihren Höchstständen vom Sommer.
Zum Vergleich: Der US-Technologieindex Nasdaq liegt nur rund 6 Prozent unter seinem Rekordhoch von vor drei Wochen. Der chinesische Leitindex CSI 300 hat seit Juni etwa 20 Prozent verloren.
Spekulation, Steuern, Exportkontrollen
Einen einzelnen Auslöser gibt es nicht. Genannt werden mehrere Gründe:
- Bewertungen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Star-50-Index lag zeitweise bei rund 250 und ist trotz des Absturzes noch immer bei etwa 100. Der Nasdaq 100 kommt auf rund 30.
- Regulierung: Peking hat Anfang Oktober Leitlinien gegen Investmentblasen bei den „neuen Produktivkräften“ erlassen, zu denen auch KI zählt. Dazu kommen Einschränkungen für Hebel- und Hochfrequenzhandel.
- Exportkontrollen: Investor:innen fürchten, dass die USA chinesische Rechenzentrumstechnik verbieten könnten.
- Abhängigkeit: Laut Goldman Sachs machen KI-nahe Aktien inzwischen 42 Prozent der gesamten chinesischen Marktkapitalisierung und 57 Prozent des Handelsvolumens aus.
Der Fondsmanager Dong Baozhen spricht offen vom Platzen einer Blase, der Markt sei zu einem „spekulativen Rausch“ verkommen. Der Absturz trifft vor allem Kleinanleger:innen, die in den Sektor geströmt waren. Für Peking ist das ein Problem: Die Regierung will eigentlich, dass Haushalte mehr Erspartes an der Börse anlegen. Hong Hao von Lotus Asset Management warnt, dass viele Unternehmen ihre Börsengänge nun auf Eis legen könnten.
Kaufchance oder Warnsignal?
Nicht alle sehen schwarz. Laut HSBC Research haben asiatische Fonds ihr Engagement in chinesischen Aktien zuletzt sogar erhöht. William Bratton von BNP Paribas sieht für vorsichtige Anleger:innen eine Kaufgelegenheit.
Die Frage ist, ob der Absturz ein chinesisches Phänomen bleibt. Auch im Westen wächst die Sorge vor einer KI-Blase, der Internationale Währungsfonds hat kürzlich vor einer Schuldenspirale beim KI-Ausbau gewarnt. Gleichzeitig steuert Anthropic auf einen der größten Börsengänge der Geschichte zu, mit einer angestrebten Bewertung von 1,5 bis 2 Billionen Dollar.

